Normalisierung der Geldpolitik läutet Wendepunkt für Anleihemärkte ein


02.08.17 11:45
GAM

Berlin (www.anleihencheck.de) - Andauernde Spekulationen über die Normalisierung der Geldpolitik durch die Zentralbanken in Europa und Nordamerika haben die Anleiherenditen in den letzten Wochen und Monaten massiv steigen lassen. Doch nun sind die Anleihenmärkte an einem Wendepunkt angelangt, glaubt Tim Haywood, Manager des GAM Absolute Return Bond-Fonds (ISIN LU0186677893/ WKN A0CA6K).

"Am optimistischsten zeigt sich derzeit wohl EZB-Präsident Mario Draghi, dessen Hinweis, dass "reflatorische Kräfte am Werk" seien, zu einem extrem steilen Anstieg der europäischen Anleihenrenditen und des Euro führte", so Haywood. Die Bank of England hingegen dürfte seiner Meinung nach aufgrund des schwachen Konsumsektors vorerst die Füße still halten. "Dennoch scheint sie den Markt mit ihren jüngsten Kommentaren auf eine mögliche Zinserhöhung vorzubereiten. Die anhaltende Währungsschwäche trieb die Inflation kürzlich auf ein Vierjahreshoch."

"Die US-Notenbank FED scheint trotz der zuletzt schwachen Konjunkturdaten an ihrem Wunsch festzuhalten, ihre Bilanz zu reduzieren und zugleich die Geldpolitik weiter zu normalisieren", fahre der Experte fort. Die verbesserte Situation am Arbeitsmarkt habe die Kanadische Zentralbank Anfang Juli wiederum in die Lage versetzt, die Zinsen zu erhöhen. Die Staatsanleihen der Industrieländer hätten sich in diesem Umfeld erwartungsgemäß schlecht entwickelt, wobei der britische und der kanadische Markt in Lokalwährung die Schlusslichter gebildet hätten.

Auch die Entwicklung von Unternehmensanleihen werde von den steigenden Staatsanleihenrenditen belastet. "Viele Märkte sind auf zusätzliche Erträge angewiesen, um Anlegern eine positive Rendite bieten zu können", so Haywood. Spekulative Anlagen, darunter Schwellenländeranleihen, hätten besser abgeschnitten und so trotz der durchwachsenen Performance am Aktienmarkt und der anhaltenden Schwäche der Rohstoffpreise für Gewinne gesorgt.

"Die globale wirtschaftliche Aktivität zieht stetig weiter an, wobei deflatorische Kräfte laut EZB-Präsident Mario Draghi von reflatorischen Kräften abgelöst werden. In den USA, wo sich die Inflation seitwärts zu bewegen scheint, ist das zwar möglicherweise nicht der Fall. Es wird jedoch erwartet, dass die US-Notenbank im weiteren Jahresverlauf beginnen wird, ihre 4,5 Billionen US-Dollar schwere Bilanz zu reduzieren und ihre Geldpolitik weiter zu normalisieren", so Haywood.

Infolgedessen halte der Experte an einer Short-Positionierung in den Industrieländern fest: "Unsere bevorzugte Short-Position in diesem Bereich halten wir weiterhin in Großbritannien. Dort haben wir nach dem Brexit-Referendum von steigenden Renditen profitiert."

Auch in den Schwellenländern sehe Haywood nach wie vor Potenzial: "Die realen Renditen dort sind attraktiv, und die Nachfrage seitens institutioneller Anleger dürfte stark bleiben. Mexiko ist unser bevorzugter Markt. Wir erwarten, dass sich Anleiherenditen sowie Zinssätze stabilisieren und daher sinken werden, da die Straffung der Geldpolitik vorüber zu sein scheint. Die Entwicklung dieses Markts muss allerdings genau im Auge behalten werden, da sie untrennbar mit der US-Außenpolitik verbunden ist."

Unternehmensanleihen dagegen könnten unter dem von steigenden Staatsanleihenrenditen und Zinssätzen ausgeübten Druck leiden. "Das bedeutet aber nicht, dass sich an diesem Markt keine Chancen bieten. Für die Zukunft erwarten wir, dass das fundamentale Kreditresearch eine noch bedeutendere Rolle bei der Auswahl der Emittenten spielen wird, da die engen Spreads die Anleger zwingen, sich stärker auf die unternehmensspezifischen Fundamentaldaten zu konzentrieren", so Haywood. (02.08.2017/alc/a/a)





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