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Noch lange kein Spielraum für Zinserhöhungen in der Schweiz


06.12.17 12:00
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die Schweizer Wirtschaft wächst wieder, der Arbeitsmarkt wird enger und die Inflationsraten steigen. Und dennoch ist es für Zinserhöhungen zu früh, so Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Die Schweizerische Nationalbank könnte aber die Freibeträge bei den Negativzinsen etwas grosszügiger handhaben, wenn sie die Belastung von Banken und Haushalten etwas mildern möchte.

Die boomende Weltwirtschaft habe nun auch die Schweiz ergriffen. Das Quartalswachstum habe mit 0,6% den stärksten Wert seit Aufhebung der Frankenuntergrenze Anfang 2015 erreicht. Der Arbeitsmarkt überrasche Monat für Monat mit deutlich fallenden Arbeitslosenzahlen und die Inflationsrate von zuletzt 0,7% im Vergleich zum Vorjahr bewege sich auch wieder klar in Richtung des von den Analysten als langfristig realistisch angesehenen Wert von 1%. SNB-Präsident Jordan werde daher bei der Pressekonferenz nach der Quartalssitzung am nächsten Donnerstag (14.12.2017) gut begründen müssen, warum die SNB die Geldpolitik noch nicht straffe. Schließlich seien auch die FED mit Zinserhöhungen und einer Bilanzreduktion, die BoE mit einer Zinsanhebung und auch die EZB mit der angekündigten Verringerung ihres Anleihekaufprogramms weniger expansiv geworden.

Für die Schweiz als kleine offene Volkswirtschaft sei es aber gar nicht so einfach, ihre Geldpolitik zu straffen. Die drei potentesten Mittel größerer Zentralbanken könne die SNB nicht anwenden, wenn sie eine Aufwertung des Wechselkurses vermeiden möchte:
(1) Höhere Zinsen würden zunächst ausscheiden, da diese auch in der Europäischen Währungsunion noch in weiter Ferne lägen. Eine isolierte Zinserhöhung in der Schweiz würde die ohnehin unterdurchschnittliche Zinsdifferenz zu Euro-Anlagen noch verringern und Aufwärtsdruck auf den Franken auslösen.

(2) Eine Verringerung der Notenbankbilanz wie in den USA oder der zusätzlichen Anleihekäufe wie in Euroland könne sie ebenfalls nicht ankündigen, da ihre Bilanzentwicklung von der Wechselkursentwicklung abhänge. Schließlich seien die Aktiva der SNB-Bilanz im Ausland angelegt, während die FED und die EZB hauptsächlich in den eigenen Währungsräumen investiert hätten. Die SNB könnte zwar weniger oder gar nicht mehr am Devisenmarkt intervenieren - nur lasse sich das schlecht im Vorfeld bekanntmachen, wenn sie das Instrument der Devisenmarktinterventionen nicht gänzlich aus der Hand geben möchte. Möchte sie Kontrolle über den Wechselkurs behalten, dann müsse sie Schwankungen der Bilanzsumme akzeptieren. Würde sie eine bestimmte Bilanzsumme oder einen Pfad diese zu verringern ansteuern, müsste sie nicht kalkulierbare Schwankungen des Wechselkurses akzeptieren.

(3) Eine Veränderung der sogenannten "Forward Guidance" - d.h. der Kommunikation bezüglich der zukünftig beabsichtigten Geldpolitik sei der SNB ebenfalls nicht möglich, da sie dieses Instrument nicht wie die FED oder die EZB einsetze - ja auch nicht einsetzen könne. Die SNB-Politik basiere lediglich auf den negativen Einlagesätzen und der Bereitschaft am Devisenmarkt zu intervenieren.

Was bleibe, sei vermutlich eine wenig spannende Pressekonferenz nächsten Donnerstag, bei der der Marktfokus auf der SNB-Einschätzung bezüglich der Frankenüberbewertung liegen werde. Im September sei die frühere Einschätzung einer deutlichen Überbewertung bereits abgeschwächt und die folgende Formulierung gewählt worden. "Der Franken ist aber weiterhin hoch bewertet, und die Situation am Devisenmarkt ist nach wie vor fragil." Die Analysten würden keine neue Veränderung dieser Formulierung erwarten.

Möglich sei dagegen eine derzeit kaum diskutierte Maßnahme: Die SNB könnte die Freibeträge bei der Belastung mit Negativzinsen erhöhen. Derzeit seien Bankeinlagen in der Höhe von 10 Mio. Franken bzw. des 20-fachen Mindestreservesolls von den Negativzinsen ausgenommen. Würde dieser Betrag beispielsweise auf das 25- oder 30-fache angehoben, verringerte sich die Belastung durch die Negativzinsen deutlich. Gleichzeitig würde sich der Grenzzins nicht ändern, sodass der Aufwärtsdruck auf den Franken vermutlich gering wäre. Vielleicht werde die SBN-Quartalssitzung doch spannender als erwartet. Vor Überraschungen habe sie jedenfalls auch in der Vergangenheit nicht zurückgescheut. (Ausgabe vom 05.12.2017) (06.12.2017/alc/a/a)