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No free lunch: Rekordschulden und fallende Zinsen könnten den Boom- und Rezessionszyklus anheizen


02.10.20 10:30
Aegon Asset Management

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Die steigende Verschuldung in der ganzen Welt wird die Zinssätze jahrelang auf Tiefstständen halten - oder sie sogar in den negativen Bereich drängen - und einen Anstieg der Boom- und Rezessionszyklen anheizen, so die Experten von Aegon Asset Management.

Die globale Pandemie habe bereits zu einem weltweiten Schuldenstand auf Rekordniveau geführt und synchrone Reaktionen der Zentralbanken ausgelöst, die alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen würden, um Zahlungsausfälle von Staaten zu vermeiden.

In ihrem jährlichen Long Term Outlook Report würden die Experten von Aegon Asset Management davor warnen, dass Anleger auf Jahre hinaus den Preis für Zentralbankintervention zahlen würden. Es werde leider keinen "free lunch" geben. Die Schulden müssten zurückgezahlt werden. Die meisten Zentralbanken würden ihre Staaten unabhängig von der Höhe ihrer Schulden oder Defizite unterstützen müssen, da ein Verzicht darauf zu einer Finanzkrise führen würde. Anhaltend negative Realzinsen würden jedoch auch die Wahrscheinlichkeit von finanziellen "Boom and Bust"-Zyklen erhöhen.

Hohe Realzinsen würden immer unwahrscheinlicher. Zentralbanken würden dafür sorgen, dass die Zinsen niedrig bleiben würden, um die fiskalische Belastung der Regierungen zu verringern. Viele Länder hätten jetzt negative Realzinsen in Teilen der Renditekurve und es werde häufig von der Einführung negativer Basiszinsen gesprochen. Gerade hier könne das Übergreifen auf andere Vermögenswerte zu Boom- und Rezessionszyklen führen.

Anhaltend negative Realzinsen würden tiefgreifende Auswirkungen auf die Finanzmärkte haben. Erstens würden negative Realzinsen eindeutig negative Realrenditen für viele festverzinsliche Vermögenswerte bedeuten und zweitens würden negative Realzinsen den Wert der realen Vermögenswerte stützen, nachdem die Pandemie vorüber sei. Dazu würden Wohnimmobilien und Infrastruktur gehören, die von Investoren, die keine Alternative sähen, beliebig hochgehandelt werden könnten. Aktien würden in diesem Umfeld weiterhin eine gute Beimischung bleiben, wobei einige Sektoren florieren und andere wiederum mit Problemen zu kämpfen haben würden.

Die Aktien der Welt hätten einen Drittel ihres Wertes zwischen dem Höchststand im Februar bis Ende März verloren. Die anschließende Erholung sei ebenso spektakulär gewesen, wobei große Teile des Aktienmarktes den Großteil des verlorenen Bodens wieder wettgemacht hätten. Dies sei besonders bemerkenswert, da sich die Weltwirtschaft in einer der tiefsten Rezessionen der Geschichte befinde. Obwohl Aktien auch durch negative Realzinsen gestützt würden, seien die Auswirkungen je nach Sektor unterschiedlich. Typischerweise würden Banken und Versicherungsgesellschaften unter den niedrigen Zinsen leiden, während viele andere Sektoren profitieren würden. (02.10.2020/alc/a/a)