Nigeria: Hohe Inflation verhindert Impulse durch lockere Geldpolitik


06.09.17 10:00
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In fünf afrikanischen Ländern südlich der Sahara wurden gestern die Umfrageergebnisse zur monatlichen Lagebeurteilung durch Einkaufsmanager veröffentlicht, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

In Nigeria, der größten Volkswirtschaft der Region, sei dabei das August-Ergebnis mit 55 Punkten so optimistisch ausgefallen, wie seit 26 Monaten nicht mehr. Über den Durchschnitten der zurückliegenden zwölf Monaten hätten auch die Vergleichswerte in Uganda (54,1) und Sambia mit (51,8) gelegen. In Südafrika sei das Konjunkturbarometer mit 49,8 Zählern hingegen knapp unter die Wachstumsschwelle von 50 Punkten gefallen. Die Zeichen stünden somit bei der regionalen Wirtschaftsnation Nummer Zwei auf einer stagnierenden Wirtschaftsaktivität.

Auf den niedrigsten Stand der 2014 beginnenden Datenreihe sei indes das Umfrageergebnis in Kenia gesackt: Nachdem im Juli ein Indexstand von 48,1 verzeichnet worden sei, habe es im August nur noch für magere 42 Zähler gereicht. Landesweit würden die Betriebe von einem deutlich niedrigeren Output und ausbleibenden Neuaufträgen sowie einer dadurch restriktiveren Personalpolitik berichten. Vor allem die im August abgehaltenen Wahlen hätten sich für die Unternehmen als Belastung erwiesen, die in den kommenden Monaten anhalten werde, nachdem das Verfassungsgericht das Ergebnis der kenianischen Präsidentschaftswahl gekippt habe.

Demgegenüber bestätige die optimistische Lagebeurteilung in Nigeria die Rückkehr der gestern berichteten BIP-Zahlen zu Wachstum. Demnach sei die nigerianische Wirtschaft erstmals seit dem Schlussquartal 2015 im Vergleich zur Vorjahresperiode wieder gewachsen. Allerdings sei die erste Schätzung des Statistikamtes mit 0,6% in der Jahresrechnung deutlich hinter den vorherigen Prognosen zurückgeblieben. Der Grund dafür sei die starke Expansion im Öl- und Gasbereich bei weitgehend fehlender Wertschöpfung in anderen Sektoren gewesen. Die optimistischen Einschätzungen bei Unternehmen und Investoren würden eine dennoch robuste Konjunktur im Jahresverlauf versprechen, weshalb die Analysten insgesamt ein BIP-Plus von 1,5% für dieses Jahr unterstellen würden.

Die Währungshüter in Nigeria hätten derzeit kaum Spielraum für Zinssenkungen, um die Wirtschaft zusätzlich zu stützen. Mit zuletzt 16,1% (Juli) habe sich die Inflation im Vergleich zum Jahresauftakt um fast drei Prozentpunkte abgeschwächt, verfehle aber weiterhin signifikant die von der Notenbank angestrebte Zielmarke von 6% bis 9%. Hinzu komme, dass der PMI-Teilindex "Output"-Preise im August zum zweiten Mal in Folge wieder gestiegen sei. Eine Rücknahme der aktuell bei 14% stehenden Leitzinsen würden die Analysten frühestens in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres erwarten. Die Analysten würden dann mit Zinssenkungen um insgesamt 100 Basispunkte rechnen. (06.09.2017/alc/a/a)