Erweiterte Funktionen

Neue Stolpersteine für den geldpolitischen Ausstieg?


13.09.17 11:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es könnte alles so schön sein: Die Weltwirtschaft wächst synchron über alle Regionen, die Arbeitslosigkeit fällt europaweit, die Stimmung bei Unternehmen und privaten Haushalten ist prächtig, so die Analysten der DekaBank.

Doch die Finanzmärkte hätten im August dieses eigentlich sehr beruhigende fundamentale Gerüst kaum beachtet, sondern seien von zahlreichen Störfaktoren abgelenkt worden, von der Geopolitik bis zur Hurrikan-Saison. Aktien hätten nachgegeben, bonitätsstarke Anleihen hätten sich großer Beliebtheit erfreut, entsprechend seien die Renditen von soliden Staatsanleihen gesunken. Vereinzelt seien wichtige technische Marken erreicht worden, die Unsicherheit sei angestiegen.

Zwei Ursachenkomplexe hätten offenbar unheilvoll zusammengewirkt: Erstens, die jüngsten enttäuschend schwachen Inflationsdaten würden mit Blick auf die künftige Geldpolitik der großen Notenbanken für sinkende Zinserwartungen sorgen. Zweitens, geopolitische Unwägbarkeiten, die aus der Eskalationsspirale rund um Nordkorea resultieren würden, würden das Bild aus Marktsicht trüben. Letzteres berge unkalkulierbare Risiken, wenn sich nicht zumindest ein Minimum an Rationalität bei allen Beteiligten durchsetze. Die Analysten der DekaBank gehen allerdings davon aus, dass es gelingt, aus dem Ping-Pong des sich stärker Bedrohtfühlens herauszukommen. Dann habe man zwar keine gänzlich heile Welt, aber das gegenseitige Unwohlsein werde wenigstens nicht schlimmer, sodass vor allem das Risiko einer militärischen Eskalation wieder sinken könne.

Was aber auf jeden Fall bleibe, sei das Problem der Inflationsaussichten. Die US-Notenbank FED wie die Europäische Zentralbank stünden unter spürbarem Rechtfertigungsdruck, ob die anhaltend niedrigen Inflationsraten es überhaupt erlauben würden, langsam aus der ultra-lockeren Geldpolitik auszusteigen. Die Hurrikane und ihre verheerenden Auswirkungen auf die betroffenen Gebiete seien aus konjunktureller Sicht zwar absolut verkraftbar, doch auch sie hätten die Zweifel der Märkte am weiteren Zinserhöhungspfad der FED genährt. Der Europäischen Zentralbank dagegen dürfte die Euro-Aufwertung kaum schmecken. Zwar sollte die Bewegung nun erstmal ausgelaufen sein, und auch hier würden die konjunkturellen Bremseffekte im Rahmen bleiben, aber die ohnehin schon schwachen Inflationsprognosen müssten zusätzlich nach unten revidiert werden. Und so seien die Anleiherenditen bei Bunds und Treasuries zuletzt spürbar gesunken.

Die Analysten der DekaBank sehen gute Chancen, dass die Störfaktoren in den kommenden Wochen etwas abklingen. Übrig bleibe eine ordentliche Weltkonjunktur bei immer noch faktischer Inflationsfreiheit. Das mache das Umfeld für Aktien wieder freundlicher in den kommenden Wochen, ganz zu schweigen davon, dass in dieser Welt Aktien generell attraktiver seien als Rentenanlagen. Das nervöse Warten auf Inflation und damit auf höhere Zinsen halte allerdings an und bleibe damit als Quelle für höhere Marktvolatilität erhalten. (Ausgabe September/Oktober 2017) (13.09.2017/alc/a/a)