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Neue EZB-Strategie bestärkt zurückhaltende Zinspolitik


02.09.21 12:30
Generali Investments Europe

Köln (www.anleihencheck.de) - Die Angst vor einer langanhaltenden Stagnation und das Bestreben eine Lösung für die aktuelle ungleiche Verteilung zu finden, läuten in der Fiskal- und Geldpolitik eine neue Ära ein, so die Experten von Generali Investments.

Die neue Strategie der EZB stärke die Orientierung über ihre zukünftige Zinspolitik, erweitere ihr geldpolitisches Instrumentarium und mache die Geldpolitik ökologischer. Vor allem die Finanzierungskonditionen würden im Niedriginflationsumfeld die Geldpolitik der EZB beeinflussen. "Wir entwickeln einen Indikator der Finanzierungskonditionen und kommen zu dem Ergebnis, dass die Finanzierungskonditionen eine zunehmende Bedeutung für die Geldpolitik haben", resümiere Martin Wolburg, Senior Economist bei Generali Investments. Dazu würden auch die Staatsanleihe-Spreads innerhalb der EWU und die Laufzeitprämie gehören. "Indirekt unterstützt dies die Tragbarkeit der Staatsverschuldung."

Die EZB sei zu einem symmetrischen Inflationsziel übergegangen und habe ihre Analysen und ihr geldpolitisches Instrumentarium erweitert. Auch wenn die Inflationsaussichten in der Zeit nach Covid-19 unsicherer würden, stelle die Inflation laut der Experten von Generali Investments immer noch eine weit entfernte Bedrohung dar. Auf Grund der Konjunkturzyklen würden sie negative Zinssätze allerdings noch für einige Zeit notwendig halten.

Zu den Inflationserwartungen sage Martin Wolburg: "Wir rechnen mit einem Wert von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent und erwarten mittelfristig nur einen verhaltenen Aufwärtstrend bei der Gesamtinflationsrate wie auch bei der zugrunde liegenden Inflationsrate. Unserer Meinung nach hat die EZB Spielraum, um mit der ersten Leitzinserhöhung bis nach 2024 zu warten und so zur Fortdauer eines Umfelds mit niedrigen Renditen beizutragen."

Gleichzeitig sehe der Experte mehr Raum für Innovationen in der stärkeren ökologischen Ausrichtung der Geldpolitik: "Der Schwerpunkt wird dabei auf dem Anleihemarkt liegen. Der Klimawandel wird in Konjunkturprognosen und Stresstests einfließen. Die EZB will ihre Marktneutralität in Bezug auf ihr Ankaufprogramm im Unternehmenssektors ("CSPP") bis 2022 aufgeben und Klimarisiken in ihr Rahmenwerk für Sicherheiten aufnehmen. Wir sehen zum Beispiel gute Chancen für nachhaltige langfristige Refinanzierungsgeschäfte, kurz TLTROs."

Zukünftig würden die Experten von Generali Investments erwarten, dass die EZB angesichts der angespannten öffentlichen Finanzlage und der Spätfolgen der Covid-19-Pandemie zu einer Verschlechterung der Kreditsituation führen würden.

Martin Wolburg füge hinzu: "Das Hauptrisiko ist ein extern verursachter Inflationsanstieg. Eine höhere und länger anhaltende Inflation in den USA könnte auf die Eurozone übergreifen, oder die Inflationsaussichten könnten durch mehrere angebotsseitige Schocks nachhaltig verändert werden. Zudem könnte einer Preisblase bei Wohnimmobilien irgendwann nicht mehr nur durch makroprudenzielle Maßnahmen entgegengewirkt werden, sondern sie könnte auch strengere Finanzierungskonditionen erforderlich machen.

In der anhaltenden Unterstützung durch die Geldpolitik sehen wir einen Segen für risikobehaftete Vermögenswerte, die dadurch aber einem größeren Risiko aus dem möglicherweise folgenden Renditeanstieg ausgesetzt sind." (02.09.2021/alc/a/a)