Negative Leitzinsen in den USA?


12.05.20 11:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Vergangenen Freitag wurde an den Terminmärkten erstmals die Möglichkeit eingepreist, dass die FED die Leitzinsen in den negativen Bereich senkt, so die Analysten von Postbank Research.

Die implizite Wahrscheinlichkeit negativer Leitzinsen in einem Jahr sei auf 28 Prozent gestiegen. Die Entwicklung dürfte aber technischer Natur und durch Absicherungsgeschäfte getrieben worden sein und keine Überzeugung der Marktteilnehmer widerspiegeln. Denn die US-Währungshüter hätten in ihrer Kommunikation zuletzt einstimmig darauf hingewiesen, dass null Prozent die effektive untere Grenze des Leitzinsbandes darstelle. "Government Only" Geldmarktfonds, die 99,5 Prozent ihres Anlagevolumens in regierungsbezogene Wertpapiere investieren müssten, könnten durch längerfristig negative Zinssätze in Bedrängnis geraten, was Verwerfungen an den Kapitalmärkten zur Folge hätte.

Zudem dürfte der Spielraum der US-Geldpolitik unter null Prozent relativ gering sein. Laut einer FED-Analyse liege der Zinssatz, bei dem der positive Effekt einer geldpolitischen Lockerung aufgrund der erhöhten Belastung des Bankensektors ins Negative drehe, bei - 0,35 Prozent. Statt über negative Leitzinsen dürfte die weitere Lockerung der US-Geldpolitik daher durch eine Ausweitung der Liquiditäts- und Kreditprogramme erfolgen. (12.05.2020/alc/a/a)