Negative Leitzinsen in Großbritannien?


24.07.20 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nach dem Corona-Einbruch im März/April verzeichnete das britische BIP im Mai mit einem Plus von 1,8 Prozent zum Vormonat nur einen enttäuschenden Anstieg, so die Analysten von Postbank Research.

Im Dreimonatsvergleich (März bis Mai vs. Dezember bis Februar) ergebe sich nach zuvor -10,8 Prozent nun ein Rückgang um 19,1 Prozent. Die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor würden sich zwar wieder in der Nähe der Expansionsschwelle bewegen, ohne allerdings klare Erholungssignale auszusenden.

Die britische Regierung habe vor diesem Hintergrund im Juli ein weiteres Fiskalpaket angekündigt, das allerdings mit einem Volumen von rund einem Prozent des BIP hinter früheren Maßnahmen zurückbleibe. Dennoch könnte die Neuverschuldung im Gesamtjahr bis zu 20 Prozent betragen, was im Angesicht von fortgesetzten Corona-Belastungen - Großbritannien komme deutlich langsamer als andere Länder aus der Krise - und Brexit-Sorgen Zweifel an der Nachhaltigkeit der britischen Staatsfinanzen wecke.

Neben den konjunkturellen Belastungen und der politischen Unsicherheit würden auch die laufenden Diskussionen im geldpolitischen Rat der Bank of England über die Möglichkeit negativer Leitzinsen derzeit Aufwertungsphantasien für das GBP dämpfen. Der EUR/GBP (0,908; Stand: 20.07.2020) dürfte in zwölf Monaten mit 0,9 nahe an seinem aktuellen Niveau notieren. (Ausgabe August 2020) (24.07.2020/alc/a/a)