Nähert sich US-Leitzinsanhebungsphase ihrem Ende?


08.01.18 11:50
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - In den nächsten Tagen stehen zwar wieder zahlreiche interessante US-Konjunkturdaten zur Veröffentlichung an, spannend dürfte es aus Sicht der meisten Marktteilnehmer allerdings erst am Freitag werden, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Vor allem die Verbraucherpreiszahlen für Dezember würden im Mittelpunkt stehen. Nachdem der Preisauftrieb in der Abgrenzung ohne Energie und Nahrungsmittel - so genannte Kernrate - im November mit einem Plus von 0,12% p.m. die Markterwartungen enttäuscht hatte, zeichnet sich für Dezember unseren Berechnungen zufolge eine Zunahme um 0,22% p.m. ab, so die Analysten der RBI. Die annualisierte Dreimonatsveränderung würde damit auf 2,2% steigen, nachdem sie im Juni noch bei 0,6% gelegen habe. Da im Dezember die Kraftstoffpreise stärker gesunken seien als es dem saisontypischen Muster entspreche, dürfte der Verbraucherpreisindex mit 0,1% p.m. weniger stark zugelegt haben als die Kernrate. Die Inflationsrate würde damit auf 2,1% p.a. sinken.

Abseits der Inflationsdaten halten die Analysten der RBI die Einzelhandelsdaten für Dezember für sehr wichtig. Der Einzelhandelsumsatz habe seit September jeden Monat kräftig zugelegt. Für Dezember würden sie erneut ein spürbares Plus von 0,6% p.m. erwarten. Gestützt werde die Analysten-Prognose unter anderem vom merklichen Zuwachs beim Automobilabsatz.

Das Protokoll der FED-Zinssitzung vom 13. Dezember habe keine Überraschungen enthalten. Zwar seien einige FOMC-Mitglieder besorgt angesichts der nach wie vor niedrigen Inflationsrate, die Mehrheit rechne aber angesichts der positiven Konjunkturperspektiven unverändert damit, dass die Inflationsrate im Laufe der nächsten Quartale nachhaltig auf den Zielwert der Notenbank von 2% p.a. steige. Sollte die Inflationsrate im Zuge der Ende letzten Jahres verabschiedeten Steuerreform stärker steigen als erwartet, wären mehr als die zuletzt avisierten drei Zinsanhebungen in diesem Jahr nötig. Mehrheitlich sei man sich auch einig, dass die sehr flache Renditekurve nicht ungewöhnlich sei.

Die Abflachung der Renditekurve habe sich in den letzten Tagen fortgesetzt. Die Kurvensteilheit zehn minus zwei Jahre sei in den letzten Tagen auf 50 Basispunkte gesunken. Maßgeblich verantwortlich für die Kurvenverflachung sei weiter der Anstieg der Rendite 2-jähriger Staatsanleihen, der den der Rendite 10-jähriger Staatsanleihen übertreffe. Typischerweise sei eine flache Renditekurve ein Merkmal einer sich ihrem Ende nähernden Leitzinsanhebungsphase. Unserer Meinung sind wir davon aber noch zwei Jahre entfernt, so die Analysten der RBI. Die Analysten würden deshalb davon ausgehen, dass sich die Kurvenverflachung in den nächsten Monaten nicht (ungebremst) weiter fortsetzen werde. Schon gar nicht würden sie in absehbarer Zeit eine inverse Renditekurve erwarten. (Ausgabe vom 05.01.2018) (08.01.2018/alc/a/a)