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Nachholeffekte am Rentenmarkt


02.02.18 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Rendite 10-jähriger Bunds ist zuletzt auf 0,7% geklettert und überwand bereits im ersten Monat des noch jungen Jahres die Renditehöchststände von 2017, berichten die Analysten der Helaba.

Der Kapitalmarktzins für 5-jährige Bundesanleihen falle erstmals seit 2015 wieder positiv aus. Neben dem Renditeanstieg in den USA - auch hier scheine sich das Renditeniveau signifikant zu verschieben - seien es vor allem veränderte Erwartungen bezüglich der EZB-Geldpolitik gewesen, die für die fallenden Kurse verantwortlich gewesen seien. Möglicherweise würden am deutschen Rentenmarkt auch die jüngsten Ideen bezüglich einer europäischen Super-Anleihe, der so genannten Sovereign Bond-Backed Securities (SBBS), verunsichern. Die Sätze an den Terminmärkten hätten zwar noch Luft nach oben. Bremsend würden sich hier allerdings die noch moderate Teuerung sowie der sprunghaft gestiegene Euro/US-Dollar-Kurs auswirken.

Die Zinsen würden steigen und steigen. Angeführt von den USA habe sich der globale Zinszug in Bewegung gesetzt und ziehe sowohl US-Treasuries als auch Bundesanleihen auf beinahe schon vergessene Renditegipfel hoch. Während die Verzinsung für US-Treasuries im vergangenen Jahr unter Schwankungen auf der Stelle getreten sei, werde nun in den ersten Wochen des neuen Jahres scheinbar alles nachgeholt. Allein in der abgelaufenen Handelswoche sei die Verzinsung für 10-jährige US-Staatsanleihen 17 Basispunkte bis auf knapp 2,8% geklettert. Damit ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zu unserem Jahresendziel von 3% - ein Wert, der zuletzt Ende 2013 erreicht wurde, so die Analysten der Helaba. Indes müssten sich Bundesanleihen hinter dieser Entwicklung nicht verstecken. So würden 10-jährige Bunds um 0,7% auf einem 2-Jahreshoch rentieren, was vor dem Hintergrund einer immer noch äußerst zurückhaltenden EZB durchaus beachtlich sei. Auch in diesem Fall ist unser Jahresendziel von 1% in Reichweite gerückt, so die Analysten der Helaba. Doch was sei der Auslöser dieser Entwicklung? Hätten die Inflationsrisiken signifikant zugenommen, sodass die Geldpolitik die Zügel schneller und deutlicher werde straffen müssen?

Die Analysten der Helaba meinen nein. Vielmehr werde insbesondere an den US-Rentenmärkten nun das nachgeholt, was im vergangenen Jahr ausgeblieben sei. Die US-Notenbank setze ihren graduellen Zinserhöhungskurs fort. Für 2018 würden die Analysten mit drei Zinsschritten rechnen, wobei der erste auf der nächsten FOMC-Sitzung im März erfolgen dürfte. Für die EZB stehe erst einmal die Reduzierung des Kaufprogramms bis hin zum Auslaufen Ende des Jahres im Fokus. Darüber hinaus sei nicht mit einem kräftigen Anziehen des Verbraucherpreisanstiegs zu rechnen. Seit 2017 finde lediglich eine "Normalisierung der Inflation" in Richtung 2% statt, die nun endlich an den Rentenmärkten angemessen berücksichtigt werde. Sonst bleibe alles beim Alten. So habe die japanische Notenbank zuletzt ihre Bondkäufe aufgestockt und bis zuletzt ein Aufspringen auf "Normalisierungszug" ausgeschlossen.

Dennoch bringe die Zinskorrektur Aktien in Bedrängnis. Aber auch hier wird nach Erachten der Analysten der Helaba nachgeholt, worauf sie seit geraumer Zeit hinweisen: Aktien sind vergleichsweise hoch bewertet und in Phasen steigender Zinsen korrekturanfällig, trotz des weiterhin guten Wachstumsumfelds sowohl in den USA als auch im Euroraum. Die anstehende datenarme Berichtswoche könnten Anleger für eine Verschnaufpause nutzen und gegebenenfalls über den Euro/US-Dollar-Kurs nachdenken. (02.02.2018/alc/a/a)