Moderate Inflation im Euroraum - Europäische Renten reagieren freundlich


04.12.17 09:15
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die gegen Ende der Handelswoche veröffentlichten Verbraucherpreise im Euroraum zeigten sich weitgehend moderat, so die Experten von Union Investment.

Trotz der nach wie vor expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bleibe die Preisentwicklung weiterhin verhalten. So habe die Teuerung im November laut Statistikamt Eurostat gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,5 Prozent angezogen. Sie habe damit leicht über jener des Vormonats (1,4 Prozent), aber auch etwas unterhalb der Erwartung zahlreicher Ökonomen (1,6 Prozent) gelegen. Im Wesentlichen seien einmal mehr steigende Energiepreise für den Anstieg verantwortlich gewesen. Die um die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kernrate habe hingegen bei 0,9 Prozent verharrt. Damit hätten die im Sommer aufkommenden Erwartungen hinsichtlich eines verstärkten Preisauftriebs zuletzt wieder einen erheblichen Dämpfer erhalten. Die EZB werde sich wohl noch ein wenig gedulden müssen, bis ihr selbst gestecktes Inflationsziel von um die zwei Prozent erreicht sein dürfte.

Im Handel mit europäischen Staatsanleihen habe sich zunächst eine, auch durch den US-Markt bedingte, verhaltene Entwicklung gezeigt. In Richtung Wochenschluss habe sich unter dem Eindruck der Inflationsdaten eine freundliche Tendenz durchgesetzt. Auf Indexebene (iBoxx Euro Sovereign) sei es zu Kursgewinnen gekommen. Dies sei vor allem in den Peripheriemärkten zu beobachten gewesen, insbesondere in Italien. Das italienische Schatzamt sei in der letzten Woche wieder am Primärmarkt aktiv gewesen, habe jedoch aufgrund einer aktuell komfortablen Refinanzierungslage sowohl die Volumina der zu platzierenden Bonds gesenkt als auch die Platzierung eines neuen Bonds komplett gestrichen, was gut aufgenommen worden sei.

An den Kernmärkten sei es per Saldo zu leichten Renditerückgängen gekommen. Deutsche Bundesanleihen hätten zunächst in Richtung 0,4 Prozent Renditemarke tendiert, ehe es wieder nach unten gegangen sei. Die deutsche Zinsstrukturkurve habe sich im Vergleich zum Vorwochenschluss so gut wie unverändert gezeigt.

Am US-Markt hätten Sorgen um eine neutrale Gegenfinanzierung des US-Steuerpaketes zunächst für steigende Renditen geführt, zehnjährige US-Treasuries hätten verloren, sodass die Rendite über 2,4 Prozent gestiegen sei. Es sei im Anschluss jedoch eine leichte Reaktion auf den vorangegangenen Anstieg erfolgt. Die Zinsdifferenz zwischen zehnjährigen US-Treasuries und Bundesanleihen, der so genannte Transatlantikspread, habe über 200 Basispunkte betragen.

Unter Druck gestanden habe zudem der britische Anleihemarkt. Im Rahmen fortschreitender Brexit-Verhandlungen zeige sich London wohl zu deutlichen finanziellen Zugeständnissen bereit. Während das Britische Pfund kräftig zugelegt habe und auf ein Zweimonatshoch gestiegen sei, hätten Staatsanleihen verloren. Die britischen Gilt-Renditen seien in einer ersten Reaktion um 12 Basispunkte auf knapp 1,4 Prozent nach oben geschnellt.

Die mit Risiko behafteten Anleihemärkte aus den Schwellenländern und auch europäische Unternehmenspapiere hätten in der Berichtswoche ohne größere Impulse gehandelt. Es habe weitere Neuemissionen gegeben, dabei sei der chinesische Internethändler Alibaba aufgefallen, der mehrere Anleihetranchen über insgesamt sieben Milliarden US-Dollar platziert habe. In den Orderbüchern habe sich eine Nachfrage nach Alibaba-Papieren über 45 Milliarden US-Dollar summiert. (Ausgabe vom 01.12.2017) (04.12.2017/alc/a/a)