Mittelstandsanleihen: Den Letzten beißen die Hunde


19.06.17 12:15
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Den Letzten und das sind leider zumeist die Privatanleger, beißen die Hunde, so das Team des Steubing German Mittelstand Fund I (SGMF) (ISIN LU0934080986/ WKN A1WY59, ausschüttend; ISIN LU0934081281/ WKN A1WY6A, thesaurierend), das sich im "Standpunkt German Mittelstand" regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen äußert.

Bleiben wir fair: Oft genug haben wir in diesem Standpunkt die Gier der Kleinanleger bemängelt, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Kleinanleger, die das Chance-Risiko-Profil einer Mittelstandsanleihe nicht verstanden hätten. Kleinanleger, die nur auf der Suche nach dem höchsten Kupon gewesen seien. Kleinanleger, die bekannte Marken mit betriebswirtschaftlicher Qualität verwechselt hätten. Abgestraft worden seien diese Anleger dann häufig in den letzten Jahren, wenn ihre Investments notleidend geworden seien, Insolvenz angemeldet hätten und aus der Insolvenzmasse die Anleihe niedrig quotiert zurückgezahlt worden sei. Zwischen der sich abzeichnenden Insolvenz und einer quotierten Rückzahlung der Anleihe gebe es erfahrungsgemäß für Privatanleger noch einmal Tage großer Unsicherheit. Es stehe die Frage im Raum, ob man seine Anteile zu einem extrem niedrigen Wert an der Börse verkaufe, oder ob man weiterhin ins Risiko gehe und auf eine höhere Quote hoffe.

Die zweite Variante stelle sich nunmehr als völlig unattraktiv dar. Denn wenn der Anleger davon ausgegangen sein sollte, dass er seine Verluste mit möglichen Gewinnen aus anderen Investments steuerlich gegenrechnen könne, liege er damit falsch. Der Fiskus mache ihm einen Strich durch die Rechnung. "Gehandhabt wird das so: Verzichtet der Anleihegläubiger nolens volens auf einen Teil seiner Forderung, verringern sich die Anschaffungskosten um den gleichen Anteil. Wird also eine Anleihe, die der Anleger einst voll bezahlt hat, nur zu 20 Prozent zurückgezahlt, ergibt sich nicht etwa ein Verlust von 80 Prozent, der sich verrechnen ließe, sondern vielmehr ein Gewinn von null." ("Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 7. Juni 2017)

Überraschenderweise gewinne die erste Variante an Attraktivität für den Kleinanleger. Entscheide er sich noch schnell für einen Verkauf der Anleihe über die Börse, könne er Veräußerungsverluste geltend machen und sich somit einen Verlustvortrag sichern. Gleichzeitig mache er damit aber wieder auch professionelle Investoren, die sich auf Unternehmen in Restrukturierungen spezialisiert hätten, sehr glücklich. Denn diese würden deutlich unter dem noch zu erzielenden Wert der Anleihe im Rahmen einer Regelinsolvenz einkaufen. Bei der Anleihe der Gebr. Sanders Ende letzten Jahres habe so etwas beobachtet werden können. Vermutlich geschehe das Gleiche gerade bei Rickmers und Beate Uhse.

Verdoppelungen oder Verdreifachungen der Investments innerhalb von wenigen Monaten seien dabei eine Seltenheit. Es sei auch schon vorgekommen, dass diese Hedgefonds im Rahmen der Anleihegläubigerversammlungen gegen die noch verbliebenen Privatanleger stimmen würden, um ihre Gewinne als "Großanleger" weiter zu optimieren.

Den Letzten würden die Hunde beißen. Hier sei es wieder mal der Kleinanleger, der zu wenig diversifiziert anlege und sich dieser steuerlichen Konsequenten nicht bewusst sei. Deswegen ist es aus Sicht der Analysten der Wolfgang Steubing AG wichtig, Profis die Geldanlage in Direktinvestments zu überlassen. Profis, die auch im Rahmen von Anleihegläubigerversammlungen Hedgefonds die Stirn bieten könnten. Deswegen lieber das Geld einem Fonds anvertrauen. (19.06.2017/alc/a/a)





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