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Mexiko: Die Zentralbank agiert vorsichtig


06.10.20 11:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die mexikanische Wirtschaft erlebt die größte Rezession der Geschichte: Im zweiten Quartal schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 17,1%, so die Analysten der DekaBank.

Für das gesamte Jahr 2020 würden die Analysten mit einer zweistelligen Schrumpfung rechnen. Die Regierung von Präsident Andres Manuel Lopez Obrador (AMLO) habe bei der Bekämpfung der Pandemie sehr zögerlich reagiert, was zu einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung geführt habe. Anders als in anderen Ländern habe AMLO auch keine nennenswerten fiskalischen Maßnahmen angekündigt, um die Folgen der Pandemie einzudämmen, was zu einer relativ schwachen Erholung führen werde. Zwar dürfte sich das Budgetdefizit weniger ausweiten als beispielsweise in Brasilien, aber die fehlende fiskalische Unterstützung dürfte für Unternehmen und Arbeitnehmer schwerwiegende Folgen haben.

Nichtsdestotrotz steige aufgrund der deutlichen Schrumpfung die öffentliche Verschuldung des Landes auf fast 60% des BIP an. Die mexikanische Wirtschaft dürfte erst im Jahr 2023 oder 2024 das Vorkrisenniveau erreichen. Die Unsicherheit sei groß, denn die vielfachen Schocks (Exportnachfrage, Lieferengpässe, Rückgang der Ölpreise, Einbruch des Tourismus und der Auslandsüberweisungen) dürften noch länger anhalten. Die zaghafte Krisenstrategie des Präsidenten habe sich negativ auf die Popularität der Regierung ausgewirkt. Etwas Entlastung sei hingegen von Seiten der Zentralbank gekommen: Sie habe den Leitzins Ende September um 25 Basispunkte auf aktuell 4,25% gesenkt.

Angesichts der zuletzt angestiegenen Inflationsrate auf über 4% sei es wahrscheinlich, dass dies trotz der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung die vorerst letzte Zinssenkung gewesen sei. Die Inflationsrate liege nun oberhalb des Zentralbankziels (2% bis 4%). Die Analysten würden damit rechnen, dass die Inflation in den kommenden Monaten leicht zurückgehen sollte. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen für die als konservativ geltende Banxico dürfte dennoch sehr begrenzt bleiben. Vor allem angesichts der Volatilität des Mexikanischen Pesos in den vergangenen Wochen dürften die Währungshüter in einer abwartenden Position verharren.

Präsident Andres Manuel Lopez Obrador verfolge seit seiner Amtseinführung verschiedene Ziele: Die Bekämpfung der Korruption und die Ausweitung der Sozialausgaben. Letzteres solle allerdings ohne eine Ausweitung des Budgetdefizits erfolgen, weshalb die öffentlichen Investitionen eingeschränkt würden. Bei der Bekämpfung der aktuellen Krise habe er sehr zurückhaltend agiert, was die Ausbreitung der Pandemie begünstigt und den wirtschaftlichen Ausblick zusätzlich eingetrübt habe. Seine Politik nehme wenig Rücksicht auf die Belange der Unternehmen, was zu einer deutlichen Investitionszurückhaltung geführt habe. Die Beziehung zum wichtigsten Handelspartner USA könne sich jederzeit wieder deutlich verschlechtern.

Die aktuelle Krise stelle die Bonität Mexikos auf den Prüfstand. Der starke Anstieg der Verschuldung und der schwache Wachstumsausblick würden die Gefahr erhöhen, dass aus einer der traditionell besten Bonitäten Lateinamerikas ein "Fallen Angel" werde. Noch profitiere das Land von einer guten Schuldenstruktur und einer großen lokalen Investorenbasis. Aber das Land sei krisenanfällig: Die starke Abhängigkeit von der Entwicklung in den USA sei im Zuge der globalen Finanzkrise sehr deutlich geworden. Ein Schwachpunkt im Bonitätsprofil sei die hohe fiskalische Abhängigkeit von den Öleinnahmen. Die Zunahme der Drogengewalt laste ebenso auf dem Investorenvertrauen wie die Unsicherheit über die Politik der Regierung. S&P habe Ende März das Rating für Mexiko auf BBB, Fitch im April sogar auf BBB- gesenkt. (Ausgabe vom 02.10.2020) (06.10.2020/alc/a/a)