Mehr Skepsis gegenüber monetären Impulsen der EZB


04.09.19 11:45
XTB

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch wenn sich die Finanzmärkte auf die Entwicklungen beim Brexit konzentrieren, sollten andere wichtige Ereignisse nicht ignoriert werden, so die Experten von XTB.

Zu diesen Ereignissen gehöre zweifellos die nächste Woche anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank, die einen erheblichen Einfluss auf europäische Anleihen und Aktien haben könnte. Die Erwartungen scheinen recht hoch zu sein, allerdings gebe es immer noch keinen Konsens unter den Mitgliedern des EZB-Rats über die nächsten geldpolitischen Schritte. Angesichts dieser Unsicherheiten sollte die gestrige Rede von EZB-Ratsmitglied François Villeroy de Galhau berücksichtigt werden.

Mehrere EZB-Mitglieder - darunter Weidmann, Knot und Lautenschlaeger - hätten bereits ihre Skepsis gegenüber einer Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms (QE) kommende Woche geäußert. Am Dienstag habe sich der französische Zentralbank-Gouverneur François Villeroy de Galhau dem hawkischen Lager angeschlossen, da er gesagt habe, dass die EZB nicht alle verfügbaren geldpolitischen Werkzeuge gleichzeitig verwenden müsse. Dies könnte bedeuten, dass Villeroy die Möglichkeit ausschließe, dass die EZB die Einlagenzinsen senke und das QE-Programm wieder aufnehme (auch mit möglicher Stärkung der Forward Guidance). Andererseits habe er nächste Woche keine Maßnahmen ausgeschlossen, da er zugegeben habe, dass die Wiederaufnahme der quantitativen Lockerung "eine zu diskutierende Frage" sei.

Villeroy de Galhau habe auch auf die große Bilanzsumme verwiesen, die in einer Abflachung der Anleiherenditen resultiere. Er habe hinzugefügt, dass eine Zinssenkung erforderlich sein könnte, um zu verhindern, dass die kurzfristigen Renditen steigen würden. Daher könnten sich einige politische Entscheidungsträger für eine Senkung der Zinssätze entscheiden, anstatt auf die Option eines QE-Programms zurückzugreifen. Wenn die EZB jedoch die Markterwartungen nicht erfülle, riskiere sie, dass das Vertrauen untergraben werde. Das dürfte das Letzte sein, was EZB-Präsident Mario Draghi im letzten Abschnitt seiner Amtszeit erreichen wolle. Aus diesem Grund könnte die EZB möglicherweise die Einlagezinsen um 10 bis 20 Basispunkte senken, wenn sie ihr QE-Programm wieder aufnehme. Diese Entscheidung könne jedoch nur mit einer Reihe von Meinungsverschiedenheiten einhergehen, die die negativen Auswirkungen auf den Euro sowie die positiven Auswirkungen auf Aktien und Anleihen mildern dürften.

Bei Betrachtung der DAX (ISIN DE0008469008/ WKN 846900)-Übersicht könne man feststellen, dass alle gelisteten Titel im heutigen frühen Handel im Aufwind seien. Die Aktie von Wirecard (ISIN DE0007472060/ WKN 747206) führe die Gewinne an, nachdem das Unternehmen berichtet habe, dass es seine Partnerschaft mit der japanischen Mizuho Bank ausbauen werde. Die verstärkte Zusammenarbeit solle eine deutliche geografische Ausweitung beinhalten und an neuen Auszahlungsprodukten sowie gemeinsamen digitalen Zahlungslösungen arbeiten. (04.09.2019/alc/a/a)