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Mehr Inflation in der Eurozone


05.02.21 12:30
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auch statistische Änderungen haben die Inflationsrate in der Eurozone steigen lassen, so die Analysten der Helaba.

Die Analysten würden ihre Prognose anpassen. Der weltweite Industrieaufschwung sei intakt. Das deutsche Verarbeitende Gewerbe bleibe Konjunkturtreiber.

Der Januar habe eindrucksvoll gezeigt, dass die Inflation nicht tot sei. Der Preissprung in Deutschland im nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) auf 1% nach -0,3% erkläre sich mit der Wiederanhebung der Mehrwertsteuersätze, der neu eingeführten CO2-Steuer sowie den gestiegenen Ölnotierungen, die zu noch höheren Treib- und Brennstoffpreisen geführt hätten. Mittlerweile müssten für ein Barrel Öl rund 48 Euro bezahlt werden, der Tiefstand Ende März 2020 habe bei gut 20 Euro gelegen. Der Schub bei den deutschen Verbraucherpreisen sei von den Analysten erwartet worden. Die Prognose der Analysten von 1,9% für 2021 habe deswegen Bestand.

Bei den europäisch harmonisierten Verbraucherpreisen (HVPI) sei es allerdings zu einer statistischen Änderung gekommen. In dieser Abgrenzung habe die Inflationsrate für Deutschland im Januar sogar bei 1,6% gelegen. Für die Eurozone insgesamt sei von Eurostat eine überraschend hohe Rate von 0,9% (Dezember: -0,3%) vermeldet worden. Während im VPI weiterhin der Warenkorb von 2015 Anwendung finde, werde die Gütergewichtung im HVPI jährlich angepasst. Bisher seien die zugrundeliegenden Ausgabenanteile aus den privaten Konsumausgaben der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) des vorletzten Jahres abgeleitet worden. In der Regel lägen nach zwei Jahren die Daten in hoher Qualität vollständig vor.

Aufgrund der Corona-Pandemie und dem Wunsch, die stark geänderte Verbrauchsstruktur abzubilden, würden nun die Ausgabenanteile von 2020 genommen. Allerdings sei die Datengrundlage zu diesem frühen Zeitpunkt noch unvollständig. Somit seien die Angaben teilweise geschätzt. Die deutliche Änderung der Verbrauchsstruktur im vergangenen Jahr führe nun zu höheren Inflationsraten. So hätten Lebensmittel, die im Januar um 1,5% überdurchschnittlich gestiegen seien, ein höheres Gewicht. Die Bedeutung von Pauschalreisen sowie Gastronomie- und Beherbergungsdienstleistungen hingegen sei deutlich gesunken. Die statistischen Anpassungen würden dazu führen, dass die Analysten ihre Verbraucherpreisprognose für die Eurozone für 2021 auf 1,8% (vorher: 1,4%) anheben würden. Anfang 2022 würden die Inflationsraten temporär sinken, die Jahresrate ändere sich nicht.

Die deutschen Auftragseingänge seien im Dezember um 1,9% gegenüber dem Vormonat gesunken. Der Aufschwung im Verarbeitenden Gewerbe bleibe aber intakt. So lägen die Einkaufsmanagerindices in wichtigen Ländern zum Teil deutlich über der 50-Punkte-Marke, in Deutschland bei 57,1 im Januar. Die Auftragsbestände seien absolut in den vergangenen Monaten größer geworden und hätten das Vor-Corona-Niveau überschritten. Die Unternehmen könnten bei gleichbleibenden Umsätzen ohne neue Auftragseingänge 6,5 Monate produzieren, um diese abzuarbeiten. Die Industrieumsätze seien im Dezember um 1,9% gestiegen. Damit dürfte auch die Industrieproduktion, die in der Berichtswoche veröffentlicht werde, zulegen. (05.02.2021/alc/a/a)