Erweiterte Funktionen

Marktturbulenzen in der Türkei halten an


10.11.20 10:15
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Nachdem die Türkische Lira gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn knapp 24 Prozent abgewertet und der Kursverfall sich innerhalb der letzten beiden Wochen stark beschleunigt hatte, kam es gestern erstmals zu einer Gegenreaktion, so die Analysten von Postbank Research.

Grund hierfür seien die Entlassung des Präsidenten der Türkischen Zentralbank, Uysal, und der Rücktritt des Finanzministers Albayrak gewesen. Die Türkische Lira habe sich zeitweise um knapp sechs Prozent gegenüber dem Euro erholt, aber bereits am Nachmittag einen Teil ihrer Zugewinne wieder abgegeben. Die Marktbewegung scheine von der Hoffnung getragen zu sein, dass sich unter dem neuen Zentralbankpräsidenten Agbal und mit einem neuen Finanzminister die Geldpolitik der türkischen Notenbank ändere. Aufgrund einer möglichen Weisungsgebundenheit Agbals erscheine dies allerdings fraglich.

Die Lira leide weiterhin darunter, dass der Leitzins in Höhe von 10,25 Prozent unter der Inflationsrate von knapp zwölf Prozent liege. Das hohe Leistungsbilanzdefizit, die starke externe Verschuldung und die sinkenden Währungsreserven der Türkei bedürften einer deutlichen Anhebung der Leitzinsen auf der nächsten Zentralbanksitzung am 19. November. Sollten die Hoffnungen der Investoren auf eine signifikante Zinsanhebung schwinden, könnte die Lira allerdings ihren Abwärtstrend wieder aufnehmen. (10.11.2020/alc/a/a)