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Marktpotenzial trotz zweieinhalb Unwägbarkeiten - Der Blick richtet sich auf die Zentralbanken


05.10.20 12:00
AXA Investment Managers

Köln (www.anleihencheck.de) - Nach einer starken konjunkturellen Erholung im dritten Quartal schwächt sich das Wirtschaftswachstum ab und wird sowohl in den Vereinigten Staaten als auch der Eurozone verhaltener; Dr. Franz Wenzel, Anlagestratege für institutionelle Kunden bei AXA Investment Managers, geht daher von einer Swoosh-förmigen Konjunkturentwicklung aus, deren Form dem Logo von Nike ähnelt.

Angesichts der regional variierenden Pandemieentwicklung und entsprechenden Einschränkungen stehe dabei die Angebotsseite im Fokus. Sektoren wie das Gastgewerbe unterlägen regional erheblichen Einschränkungen und würden die Nachfrage zusätzlich dämpfen. Die Unberechenbarkeit der Corona-Pandemie sei die erste Unwägbarkeit im Markt.

Unter den gegebenen Bedingungen sei eine berechenbare, expansive Fiskal- und Geldpolitik für das Geschäftsklima weiterhin entscheidend. In den USA würden sich nach anfänglich umfangreichen Fiskalpaketen Demokraten und Republikaner jedoch zusehends gegenseitig blockieren und könnten sich nicht auf ein Notfallpaket einigen. "Mit den nahenden Präsidentschaftswahlen, bei denen keine der Parteien für das Scheitern ökonomischer Stimuli verantwortlich gemacht werden will, ist ein Deal zwar nicht ausgeschlossen", sage Wenzel. "Doch die Unberechenbarkeit des Wahlausgangs - verstärkt durch die fehlende Zusage des amtierenden Präsidenten, einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten - stellt neben Corona eine zweite Unwägbarkeit für die wirtschaftliche Entwicklung dar." Ein neues Fiskalprogramm werde in der aktuellen Situation wohl erst nächstes Jahr greifen. Daher müsse die Notenbankpolitik der FED gegenwärtig für zwei arbeiten und das ausbleibende Konjunkturprogramm kompensieren.

Europa sehe sich dahingegen einem politisch ereignisärmeren Jahr gegenüber, was die Politik berechenbarer mache. "Aufgrund neuer partieller Lockdowns müssen teure konjunkturelle Programme jedoch verlängert werden", so Wenzel. "Die Geldpolitik der EZB muss daher weiterhin für lockere Finanzbedingungen sorgen, damit die Regierungen weiterhin ihre expansive Fiskalpolitik betreiben können." Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa sei damit mit einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zu rechnen. Die FED lasse zukünftig ein gewisses Übersteigen der Inflationsrate zu, um das mittelfristige Ziel zu erreichen und nach Einschätzung des Experten werde die EZB das Pandemie-Notfallprogramm (PEPP) im Dezember verlängern und aufstocken.

"Neben den Variablen der Corona-Pandemie und der US-Präsidentschaftswahl liegt eine weitere "halbe" Unwägbarkeit in potenziellen Interdependenzen", erläutere Wenzel. "Entwickelt sich etwa Corona dynamischer als erwartet, hätte das zeitgleich deutliche Auswirkungen auf die konjunkturelle Entwicklung." Unter Einbeziehung aller aktuell prognostizierbaren Variablen erscheine jedoch ein gewisses Risiko im Portfolio attraktiv. Die - wenn auch gedämpfte - nach wie vor positive Konjunkturerwartung biete den notwendigen Rückenwind.

"Angesichts des sich erholenden Wirtschaftswachstums und der expansiven Geld- und Fiskalpolitiken bieten insbesondere Aktien aus der Eurozone, den USA und den Schwellenländern Opportunitäten", analysiere Wenzel. "Gleichzeitig profitieren Unternehmensanleihen von der expansiven Geldpolitik und den damit einhergehenden Kaufprogrammen der Zentralbanken. Ganz nach dem Motto: "Don't fight the FED." Anleihen mit Investmentgrade-Rating erscheinen dem Experten dabei vielversprechender als High-Yield-Papiere, so die Experten von AXA Investment Managers. Eine leichte Übergewichtung könnte außerdem bei US-Staatsleihen als robuste Beimischung fürs Portfolio angestrebt werden. (05.10.2020/alc/a/a)