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Marktattraktivität Renten: Versicherungsinstrument gegen Stressphasen


12.01.21 09:02
Moventum

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Erstklassige Staatsanleihen sind immer noch ein passendes Versicherungsinstrument gegen Stressphasen an den Märkten, so die Anlageexperten der Luxemburger Fondsplattform Moventum.

"Als Renditebringer allerdings werden sie auch 2021 nicht die erste Wahl sein", sage Carsten Gerlinger, Vice President von Moventum AM.

"Werden all die beschlossenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen umgesetzt, wird sich das noch weit über 2021 hinaus positiv auf das Weltwirtschaftswachstum auswirken", sage Gerlinger. Zudem seien, etwa in den USA, weitere fiskalpolitische Hilfsmaßnahmen in der Pipeline. Die Notenbanken hätten ebenso angekündigt, ihre expansive Geldpolitik fortzuführen beziehungsweise gegebenenfalls noch einmal zu verstärken. Gute Aussichten also für die Weltwirtschaft, die in einen neuen Konjunkturzyklus starten könnte.

Auch die Inflationsraten würden sich im laufenden Jahr an die Ziele der Notenbanken annähern: Covid-19 sowie der Ölpreisverfall hätten die Inflation leicht unter null Prozent gedrückt. "Wir sehen hier aber, dass die beschlossenen fiskal- und geldpolitischen Programme zu keiner grundsätzlichen Güterpreisinflation, sondern vielmehr zu einer Assetpreisinflation (Anleihen, Immobilien, Aktien) führen", sage Gerlinger. 2021 würden dann vor allem Basiseffekte wie der höhere Ölpreis, die CO2-Steuer in Europa sowie in Deutschland die Wiederheraufsetzung der Mehrwertsteuer greifen und die Inflation in Richtung der bisherigen Zentralbankziele ansteigen lassen. "In den USA sind sogar Inflationsraten von etwas mehr als zwei Prozent möglich", so Gerlinger.

Für die Portfoliokonstruktion bedeute dies, dass Bundesanleihen im Kontext des Konjunkturszenarios 2021 unattraktiv seien. "Kursgewinne halten wir nur bei einer Risikozunahme für möglich", so Gerlinger. Von daher würden sich die Anleihen nur noch als Versicherungsinstrument gegen Stressphasen eignen. Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten würden zwar noch einen Renditeaufschlag bieten, die Risikoprämie sei aber relativ gering. "Wie in den USA erwarten wir auch bei Bundesanleihen am langen Ende eine leichte Versteilung der Renditestrukturkurve. Das Renditeniveau bleibt absolut gesehen unattraktiv", sage Gerlinger.

In den USA gelte Ähnliches: Der neue US-Präsident Biden stehe für hohe Staatsausgaben und damit für eine höhere Staatsverschuldung. "Wir erwarten am langen Ende einen Anstieg der Renditen auf etwas über ein Prozent", sage Gerlinger. "Dies wird zu einer Versteilung der Zinsstrukturkurve führen. Am kurzen Ende werden die Zinsen auf dem ganz niedrigen Niveau stabil bleiben." Mit einem ersten Zinsschritt würden die Marktteilnehmer nicht vor 2023 rechnen, manche sogar erst in Richtung 2025. Sollte es zu einem stärkeren Renditeanstieg auf deutlich über ein Prozent bei den 10-Jährigen kommen, so sei es möglich, dass die US-Notenbank die Zinsstrukturkurve nach japanischem Vorbild direkt steuern werde. Auch hier gelte: "An US-Staatsanleihen als ein erstklassiges Versicherungsinstrument gegen Stressphasen gibt es keinen Zweifel", so Gerlinger.

US-High-Yields seien durch die Ankündigung der US-Notenbank, im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms auch solche Anleihen kaufen zu wollen, abgesichert. Die Volatilität werde hoch bleiben, das Timing werde unverändert ambitioniert sein. "Beim Bond-Picking trennt sich hier die Spreu vom Weizen", so Gerlinger. "High Yields genau wie Corporates haben aufgrund des zusammengelaufenen Spreads deutlich an Attraktivität eingebüßt. Beide Segmente sind nur noch Halte-Positionen", sage Gerlinger.

Die Entwicklung von Schwellenländeranleihen werde zu einem großen Teil von der Entwicklung des US-Dollar und der US-Zinsen beeinflusst, entsprechend hoch sei die Korrelation mit dem US-Segment. In Hartwährungen begebene Anleihen würden dabei vom freundlichen FED-Kurs profitieren, die Spreads gegenüber High Yields und Investment-Grade-Anleihen würden noch die Investoren anlocken. Belastend könnten ein fallender Ölpreis und Zinssenkungen wirken, die aber noch nicht absehbar seien. "Wir favorisieren unverändert Hartwährungsanleihen und hier regional die Region Asien", sage Gerlinger. (12.01.2021/alc/a/a)