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Marktattraktivität Renten: US-Vorteil schrumpft, Corporates attraktiv


15.10.20 12:15
Moventum

Luxembourg (www.anleihencheck.de) - Die Zinsdifferenz zwischen Euro- und Dollar-Anleihen ist durch die Senkung der US-Leitzinsen weiter geschrumpft, so die Experten von Moventum.

Trotzdem würden US-Staatsanleihen ihre Funktion als erstklassige Versicherung in Stressphasen behalten. "Wir erwarten einen Anstieg der Renditen am langen Ende und damit eine steilere Zinsstrukturkurve", sage Carsten Gerlinger, Vice President von Moventum AM.

Ein entscheidendes Kriterium sei dabei der Wechselkurs. Seit die US-FED die Leitzinsen auf null Prozent reduziert habe, hätten sich Euro und US-Dollar bei der Zinsdifferenz deutlich angenähert. Zum anderen habe die Europäische Union mit ihrer Verständigung auf eine Quasi-Fiskalunion in der Anlegergunst an Zuspruch gewonnen. Auch wenn der Dollar an Stärke wieder zugelegt habe, dürfte er gegenüber dem Euro auf Sicht der nächsten zwölf Monate eher etwas schwächer tendieren.

Bei der 10-jährigen US-Staatsanleihe sei die Rendite in den vergangenen Monaten zunächst auf 0,39 Prozent gefallen, bevor sie wieder auf fast 0,8 Prozent gestiegen sei. "Wir halten in den kommenden Monaten einen Anstieg der Renditen auf ein Prozent für möglich", so Gerlinger. Denn unabhängig vom Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen sei zu erwarten, dass beide Kandidaten für die Realisierung ihrer Programme und Vorhaben eine deutlich höhere Staatsverschuldung in Kauf nehmen würden.

Der daraus erwartete Anstieg der Renditen am langen Ende werde insgesamt zu einer Versteilung der Zinsstrukturkurve führen. Am kurzen Ende würden die Zinsen auf dem ganz niedrigen Niveau stabil bleiben. "Mit einem ersten Zinsschritt der US-Notenbank rechnen die Marktteilnehmer nicht vor 2023. Manche sogar erst in Richtung 2025", sage Gerlinger.

Interessant seien dabei auch Unternehmensanleihen: Die Verschuldung der Unternehmen bleibe hoch. "Die Spreads bei den High-Yield-Anleihen sind seit Anfang September wieder zusammengelaufen, bleibt aber mit knapp 500 Basispunkten immer noch hoch und damit absolut gesehen attraktiv", sage Gerlinger. Bisher sei es zu noch keinen nennenswerten Ausfällen gekommen, das Segment berge aber in Rezessionsphasen höhere Risiken. Das High-Yield-Segment werde von der Ankündigung der US-Notenbank, im Rahmen ihres Anleihekaufprogramms auch HY-Anleihen kaufen zu wollen, beflügelt und gestützt (FED-Put). "Wir erwarten, dass das Segment weiterhin von einer höheren Volatilität geprägt sein. Die Spreu trennt sich beim Bond-Picking vom Weizen", sage Gerlinger.

Analog zum US-Rentenmarkt hätten sich auch Bundesanleihen entwickelt: "Wie in den USA erwarten wir auch bei Bundesanleihen am langen Ende eine weitere leichte Versteilung der Renditestrukturkurve", sage Gerlinger. Das Renditeniveau bleibe absolut gesehen aber unattraktiv. "Von daher eignen sich Staatsanleihen nur noch als Versicherungsinstrument gegen Stressphasen", sage Gerlinger. "Die durch die Hintertür beschlossene Fiskalunion in der Europäischen Union begünstigt Staatsanleihen aus den Peripheriestaaten." (15.10.2020/alc/a/a)