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Der Markt für grüne Anleihen erholt sich


09.09.20 11:30
Union Investment

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Deutschland setzt derzeit starke grüne Akzente am Kapitalmarkt: Die erste grüne Bundesanleihe zog ein Rekord-Orderbuch von 33 Milliarden Euro an, so die Experten von Union Investment.

Ausgegeben worden sei am Mittwoch schließlich eine 6,5-Milliarden-Euro-Anleihe, mehr als ursprünglich geplant (mindestens 4 Milliarden Euro). Die Investoren seien außerdem bereit gewesen, einen leichten Renditeabschlag von einem Basispunkt gegenüber einer vergleichbaren, konventionellen Bundesanleihe zu akzeptieren. Eine Premiere habe am Folgetag auch der Autokonzern Daimler gefeiert, dessen erste grüne Anleihe ebenfalls stark überzeichnet gewesen sei: Für die eine Milliarde Euro schwere zehnjährige Anleihe seien über 6,5 Milliarden Euro Gebote eingelaufen.

Dies zeige zwei Dinge: Der Markt für grüne Anleihen, der in der Corona-Krise an Schwung verloren habe, erhole sich. Und: Die Anleger seien bereit und willens, den grünen Umbau der europäischen Wirtschaft zu unterstützen. Vor Deutschland habe auch Schweden seinen ersten Green Bond über knapp 2 Milliarden Euro an den Markt gebracht, die Emission sei mindestens um das Doppelte überzeichnet gewesen. Seitens der europäischen Unternehmen seien diese Woche der Flughafenbetreiber Schiphol und die spanische Banco de Sabadell gefolgt. Damit dürfte das Emissionsvolumen am europäischen Green-Bond-Markt das Vorjahresvolumen wohl bald übersteigen.

Was hätten die Anleger von einer grünen Bundesanleihe? Damit werde zum einen der Transformationsprozess der deutschen Wirtschaft hin zu mehr Klimaschutz unterstützt. Zudem bringe das Papier Vorteile für die Portfoliokonstruktion. Denn der Investor könne mit Grünen Bunds vom Triple-A-Rating Deutschlands und der hohen Sicherheit und Liquidität von Bundesanleihen profitieren und dabei gleichzeitig einen Nachhaltigkeitsfaktor in sein Portfolio bringen. Der Emittent und damit auch das Kreditrating sowie die Laufzeit seien identisch mit konventionellen Bundesanleihen. Konkret bedeute dies, dass sich die Zwillinge lediglich im Kurs unterscheiden würden. Damit sei sofort erkennbar, welche Prämie beziehungsweise welchen Abschlag der Kapitalmarkt dem grünen Zwilling beimesse. Eine positive grüne Prämie lasse sich direkt aus der positiven Kursdifferenz der grünen zur konventionellen Anleihe ablesen.

Dieses hohe Maß an Vergleichbarkeit sei bislang einzigartig am Kapitalmarkt, denn grüne Anleihen würden sonst als unabhängige Staatsanleihen platziert und damit in Konkurrenz zu bestehenden konventionellen Staatsanleihen treten. Das Vorgehen beim Grünen Bund sei aber anders: Es werde zuerst eine traditionelle, nicht grüne Staatsanleihe aufgelegt und bereits zu dieser Emission angekündigt, dass dazu später eine ausstattungsgleiche grüne Bundesanleihe an den Markt gebracht werde. Perspektivisch plane der Bund, Zwillingsanleihen mit den Laufzeiten zwei, fünf, zehn und 30 Jahre anzubieten und auf diese Weise eine grüne Zinskurve aufzubauen. Deutschland wolle auch im europäischen Green-Bond-Markt zur Benchmark werden, habe es aus dem Bundesfinanzministerium geheißen.

Geplant sei ein Emissionsvolumen von bis zu 12 Milliarden Euro für 2020. Vor dem Hintergrund des großen Anlegerinteresses scheine das erklärungsbedürftig. Der Bund betone, dass dem für 2020 geplanten Emissionsvolumen bereits getätigte Ausgaben aus sieben Ministerien von 12,7 Mrd. Euro aus dem Bundeshaushalt 2019 gegenüberstünden. Dabei handle es sich um die Bereiche Verkehr, Umwelt, Internationale Zusammenarbeit, Forschung, Energie und Industrie sowie Forstwirtschaft, Naturlandschaft und Biologische Vielfalt.

Daraus werde klar: Die Mittelaufnahme über Grüne Bundesanleihen solle im Verhältnis zu den Haushaltsausgaben des Vorjahres stehen. Denn der Bundeshaushalt unterliege dem Non-Affektationsprinzip, also dem Gesamtdeckungsprinzip. Dies bedeute, dass die aufgenommenen Mittel - ob sie nun als grün oder konventionell deklariert seien - zur Deckung der Ausgaben des Gesamthaushalts genutzt würden. Damit dürfe es im deutschen Bundeshaushalt aufgrund der rechtlichen Vorgaben keine Differenzierung der Nutzung der Mittel geben. Um trotzdem belegen zu können, dass die Mittel in "grüne" Projekte fließen würden, lege der Bund seiner Emissionsplanung die in der Vergangenheit getätigten Ausgaben zugrunde. Durch die Rekordnachfrage nach der ersten grünen Bundesanleihe erhalte der Gesetzgeber aber ein starkes Signal aus dem Kapitalmarkt, dass der grüne Umbau der Wirtschaft durchaus finanzierbar sei.

Andere Arten von grünen Anleihen würden dagegen - unter Einhaltung bestimmter Monitoring-Prozesse - zweckgebundene Finanzierungen ermöglichen. So wolle Daimler mit seiner grünen Anleihe etwa die Entwicklung von Elektroautos finanzieren. Und Frankreich - das im Jahr 2017 mit ihrer ersten grünen Anleihe ein Orderbuch von 24 Milliarden Euro angezogen habe - finanziere darüber explizit grüne Projekte. Passend dazu habe die Regierung unter Emmanuel Macron nun am Donnerstag verkündet, aus einem neuen Konjunkturpaket über rund 100 Milliarden Euro rund 30 Milliarden Euro davon für die Finanzierung grüner Technologien zur Verfügung zu stellen. (Ausgabe vom 08.09.2020) (09.09.2020/alc/a/a)