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Mario Draghi schreibt das Drehbuch: Reduzierung der Anleihekäufe in einem stabilen wirtschaftlichen Umfeld


03.11.17 12:17
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den USA werden gerade verschiedene Blockbuster gedreht, die die Kapitalmärkte in Zukunft sichtlich beeinflussen könnten, so Alexander Lokat von der Weberbank.

Neben der robusten US-Wirtschaft, die im dritten Quartal 2017 etwas stärker als erwartet um 3 Prozent gewachsen sei, seien viele Augen auf die Entwicklung der Steuerreform gerichtet. Nach dem US-Senat habe auch das Repräsentantenhaus den Haushaltbeschluss für das Jahr 2018 gebilligt. Das bedeute, dass sich die Wahrscheinlichkeit, die Steuerreform mit einer einfachen Mehrheit im Senat verabschieden zu können, erhöht habe.

Der Höhepunkt dieser Woche sei allerdings die Verkündung des neuen FED Vorsitzenden Jerome Powell gewesen. Die Analysten der Weberbank sind der Meinung, dass der Notenbanker den bisherigen Kurs von Janet Yellen fortführen wird und somit den Märkten Stabilität vermittelt. Außerdem sollte seine offene Einstellung gegenüber der Deregulierung des Bankensektors positiv Impulse für den Kapitalmarkt geben.

Ob und wie lange Donald Trump aber überhaupt noch Regisseur sei, scheine besonders von den neuesten Entwicklungen im Zuge der Ermittlungen zur Russland-Affäre abzuhängen. So sei am Montag der ehemalige Wahlkampfmanager von Donald Trump, Paul Manafort, aufgefordert worden, sich den US-Behörden zu stellen. Im Extremfall könnten am Ende belastende Aussagen oder Beweise für Kapitalverbrechen und Fehlverhalten seitens des US-Präsidenten Grundlage für ein Amtsenthebungsverfahren bieten und die Kapitalmärkte durcheinanderbringen.

Die Stimmung der Wirtschaft sei gut - weltweit. Doch man solle sich den Kinofilm Europa genau anschauen. Das BIP der Eurozone sei überraschender Weise von Juli bis September um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal angestiegen. Auch auf der Ebene der einzelnen europäischen Länder erkenne man eine gesamtheitliche Verbesserung der Konjunktur. In Deutschland würden die Unternehmen sehr optimistisch auf die kommenden Monate blicken. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Oktober überraschend auf 116,7 Punkte gestiegen und in Frankreich sei die inländische Wirtschaft im dritten Quartal so kräftig wie seit 2011 nicht mehr gewachsen. Doch damit nicht genug. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie in der gesamten Eurozone sei im Oktober entgegen den Erwartungen auf ein neues Hoch von 58,6 geklettert.

Dennoch sei das Wachstum laut EZB Präsident Mario Draghi in der Eurozone noch nicht selbsttragend. Er habe in der letzten Woche eine weiterhin lockere Geldpolitik angekündigt. Eine Zinserhöhung noch vor dem Ende der Anleihekäufe gelte als sehr unwahrscheinlich und das derzeitige Anleihekaufprogramm werde bis mindestens September 2018 verlängert. Allerdings werde zukünftig das Volumen der monatlichen Anleihekäufe der EZB von 60 auf 30 Milliarden Euro reduziert. Diese Informationen seien allgemein positiv aufgenommen worden, hätten aber auf dem Euro gelastet, der derzeit um die 1,16 EUR/USD notiere. Die Analysten der Weberbank erwarten für die deutschen Bundesanleihen in diesem Zusammenhang weiterhin keine nachhaltigen Renditeanstiege, solange keine Impulse von der Inflationsseite erfolgen.

Aufgeregt würden die Marktteilnehmer derzeit auf die weltweiten Wirtschafts- und Unternehmensdaten sowie die Entscheidungen der Zentralbanken schauen. Politische Ereignisse, wie die in Spanien, seien für die Aktienmärkte aktuell eher eine Randnotiz. In den USA dominiere die Berichtssaison die Nachrichtenlage und sei etwas weiter fortgeschritten als in Europa und daher aussagekräftiger. Mehr als die Hälfte der Unternehmen habe dort bereits berichtet; zumeist überraschend positiv.

Historisch gesehen sei der Markt in den USA allerdings teuer und im Vergleich zu Europa teurer. Aber der Bewertungsfaktor scheine derzeit keine wichtige Rolle einzunehmen, denn man sehe fast täglich neue Rekordstände am dortigen Aktienmarkt. Und auch in Deutschland: Der DAX habe die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten nachhaltig überwinden können, obwohl die bisher eher durchwachsenen Unternehmensdaten (noch) keine weiteren Impulse für den Kapitalmarkt liefern würden. Neben den entwickelten Ländern würden derzeit auch die Schwellenländer beeindrucken. So habe z.B. der indische Leitindex aufgrund der Re-Kapitalisierung des Bankensektors ein neues Rekordhoch markiert. Aufgrund der weltweit stabilen Konjunktur und den allgemein positiven Gewinntrends der Unternehmen sind die Analysten der Weberbank der Meinung, dass sich für Aktieninvestments weiterhin ein attraktives Bild ergibt. (03.11.2017/alc/a/a)