Erweiterte Funktionen

Makro-Ausblick 2022: "Eine fortgesetzte Rally, die Ende 2022 Streuung und damit Chancen bringt"


25.11.21 12:49
Nordea Asset Management

Stockholm (www.anleihencheck.de) - Die Inflationsprognosen werden von den Lieferkettenengpässen, der außerordentlichen Verfügbarkeit von Liquidität und den Energiepreisen bestimmt, so Sebastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Während der Pandemie, als viele Dienstleistungen nicht verfügbar gewesen seien, seien die Verbraucher auf Fertigwaren ausgewichen. Zunächst hätten die Verkäufer von ihren Lagerbeständen zehren können, um die steigende Nachfrage zu decken, bevor in weiten Teilen der globalen Lieferkette Engpässe aufgetreten seien. Einige Produktionsketten hätten sich bereits erholt, bei anderen werde es noch Monate dauern, da Investitionen zur Kapazitätssteigerung erforderlich seien.

Was die Geldpolitik betreffe, so würden sowohl die EZB als auch die FED hinter der Kurve liegen. Beide seien überzeugt, dass die Inflation mehrheitlich ein vorübergehendes Phänomen sei und dass ihre Glaubwürdigkeit unbestritten sei. Dies könne zu einem Zyklus steigender Preise führen, der in ein Lohnwachstum münde, das weit über der Produktivität liege, was wiederum eine höhere Inflation bedinge. Dies bestimme zum Teil auch das globale Nachfrageniveau zu einer Zeit, in der das Warenangebot nicht mithalten könne - mit anderen Worten, die Weltwirtschaft liege oberhalb der sogenannten Produktionslücke. In den USA habe die Inflation ein Niveau erreicht, das seit den 1990er Jahren nicht mehr zu beobachten gewesen sei, und die FED - und in geringerem Maße die EZB - spiele ein gefährliches Spiel, indem sie den Erfahrungen der Vergangenheit und vieler Schwellenländer wenig Aufmerksamkeit schenke. Die Experten würden erwarten, dass diese Zentralbanken zunehmend vorsichtig und damit restriktiver würden. Dies dürfte bis Ende 2022 zu einer rascheren Konjunkturverlangsamung führen.

Sollte die Inflation in der zweiten Jahreshälfte 2022 schneller als erwartet abnehmen, werde die OPEC+ einen starken Anreiz haben, die Ölproduktion zu drosseln, um ihre Erträge im Vorfeld einer immer grüner werdenden Wirtschaft zu maximieren. Vor diesem Hintergrund sei es möglich, dass der Markt ESG-Investitionen schnell beschleunigen werde und einen weniger starken, dafür aber längeren Wachstumspfad betrete.

In einem solchen Umfeld, in dem sich viel Liquidität durch das System bewege, ein ordentliches Wachstum vorliege und die Zentralbanken die Inflation erst verspätet unter Kontrolle zu bringen versuchen würden, dürfte man eine anhaltende Rally bei populären Stilen wie Growth und Quality sehen, aber auch bei der Suche nach Credit und schließlich Duration. Ein längeres, aber geringeres Wachstum dürfte letztendlich eine Bremse für den Growth- und teilweise für den Quality-Stil sein - insbesondere, wenn Unternehmen schließlich beginnen würden, bei den Preisen zu konkurrieren, um Marktanteile zu gewinnen. Dazu würden sie voraussichtlich durch den ständig steigenden regulatorischen Druck ermutigt werden, den man Ende 2022 sehen dürfte.

In einem Umfeld, in dem die Angst vor steigender Inflation angesichts hoher Liquidität immer weiter sinke, gehe der Trend in Richtung nordamerikanische Aktien sowie Growth- und Quality-Stile. Doch dahinter würden gewaltige Kräfte stecken, die sich stetig verschieben würden, da ESG-Lösungen immer mehr in den Vordergrund drängen würden und sich zunehmend abzeichne, wer die Gewinner und wer die Verlierer seien. Das mache nach Ansicht der Experten eine angemessene Analyse von Trends und Sektoren sowie eine intelligente Diversifizierung über verschiedene Stile hinweg nötig, wie dies mit flexiblen Lösungen möglich sei.

Bis Ende 2022 dürften die Aktienmärkte einige Turbulenzen erleben, weshalb es sich empfehle, langfristige US-Staatsanleihen als teilweise Absicherung zu halten. In dieser Phase der starken Streuung dürfte man zahlreiche Verschiebungen und, daraus resultierend, enorme Chancen sehen, da einige fundamentale Kräfte sich rasch durchsetzen sollten. Dazu gehören erstens der Klimawandel und die Notwendigkeit von nachhaltigen Investments und zweitens die Erneuerung der alten Wirtschaft durch neue Unternehmen und Innovationen, da alte Sektoren sich nur schwer anpassen lassen und einige dominierende Unternehmen unter starken Regulierungsdruck geraten dürften, so die Experten von Nordea Asset Management. Drittens werde sich bei Hochzins- und Finanztiteln wahrscheinlich eine großartige, aber rasch vorübergehende Kaufgelegenheit bieten, da sich der Markt schnell auf eine Welt konzentrieren werde, in der festverzinsliche Wertpapiere stärker nachgefragt seien. (25.11.2021/alc/a/a)