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Lokalwährungs-Anleihen aus Schwellenländern bieten selektiv noch Chancen


04.02.21 14:15
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.anleihencheck.de) - Die Rentenmärkte unterlagen zu Jahresbeginn einer Korrektur, ausgelöst durch den Renditeanstieg bei US-Staatsanleihen, so die Analysten der Bank für Kirche und Caritas eG (BKC).

Ausschlaggebend dafür sei insbesondere das überraschende Nachwahlergebnis in Georgia gewesen, welches den Demokraten die Senatsmehrheit gesichert habe. Die Erwartungen noch höherer Ausgabeprogramme und staatlicher Defizite habe kurzzeitig auf den Anleihemärkten gelastet. Aus Sicht der Analysten würden steigende Zinsen in den langen Laufzeiten aber auch 2021 immer nur kurzlebig sein können.

Die Renditen könnten nicht merklich ansteigen, solange die Notenbanken der großen Währungsräume mehr als das Nettoangebot ankaufen und damit im Prinzip monetäre Staatsfinanzierung betreiben würden. Darüber hinaus hätten sie den Spielraum, jederzeit mit noch aggressiveren Maßnahmen, wie beispielsweise der Zinskurvenkontrolle, dafür zu sorgen, dass zu scharfe Renditeanstiege ausgebremst würden. Spätestens wenn steigende Realzinsen beginnen sollten, den Aktienmärkten weh zu tun, würden die Analysten davon ausgehen, dass die Notenbanken mit noch weitreichenderen Ankäufen eingreifen würden.

Im Segment der in Euro notierten Unternehmensanleihen würden die derzeit erzielbaren Risikoaufschläge bei Investment Grade Bonds nicht mehr adäquat für die Risiken kompensieren. Auch im historischen Vergleich seien Corporate Bonds alles andere als attraktiv: In Folge der Corona-Krise hätten zwischen März und Mai 2020 durchaus lukrative taktische Gelegenheiten bestanden, die die Analysten auch umfänglich genutzt hätten. Inzwischen seien die Preise bedingt durch die Ankaufprogramme der EZB nicht mehr auf einem Niveau, das den Aufbau weiterer Positionen rechtfertigen würde.

Für Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern gelte analog, dass sich die Risikoaufschläge und mithin Renditen bereits stark hätten einengen können und somit keine zwingenden Opportunitäten mehr bieten würden. Im Lokalwährungsbereich habe die Rally vieler Valuten, begleitet von weiteren Zinsrückgängen, ebenfalls einen Teil der nötigen Aufholbewegung gegenüber anderen Risiko-Assets geschlossen. Dennoch würden in diesem Segment selektiv Chancen verbleiben. Insbesondere rohstoffbasierte Währungen könnten im Jahr 2021 von festeren Preisen bei Industriemetallen, Edelmetallen und Energie profitieren.

Ein möglicher globaler "Reflation-Trade", getragen vom schwächeren US-Dollar, dem globalen Wachstumsaufschwung und steigenden Investitionen (auch in Folge des starken chinesischen Kreditimpulses) würde durchaus freundliche Rahmenbedingungen für Emerging Markets Lokalwährungsmärkte bedeuten. Nach jahrelanger Underperformance könnten ausgewählte Lokalmärkte ein gut diversifiziertes Rentenportfolio daher mit zu Euro-Zinsrisiken gering korrelierten Ertragsmöglichkeiten ergänzen.

Einige Währungen seien in der Corona-Krise über Gebühr abverkauft worden, teils stärker als zu Zeiten der großen Schwellenländerkrisen in den 1980er und -90er Jahren. Sie hätten in einigen Fällen vermutlich sogar den fundamental gerechtfertigten Bewertungskorridor verlassen. Trotz verbleibender Risiken aus schweren Covid-Einschnitten (etwa in Mexiko oder Brasilien) und vielfach deutlich höherer Schuldenstände (wie in Südafrika) könnte 2021 gerade für die zyklischeren Märkte Rückenwind bestehen.

Die Analysten würden es für möglich erachten, dass die langanhaltende Outperformance der eher defensiven, stärker Dollar-korrelierten asiatischen Lokalwährungsmärkte (z.B. koreanischer Won oder Thailändischer Bhat) ihrem Ende entgegen gehen könnte, während zyklischere "Hoch-Beta" Währungen positiv überraschen könnten. Von einem solchen Trendwechsel würden besonders lateinamerikanische Märkte profitieren, mit ihrer üblichen Stärke im "Risk-on" Umfeld und ihrer starken Euro-Korrelation, aber auch osteuropäisch Währungen. In unserem Mischfonds BKC Treuhand Portfolio gehören aktuell die Tschechische Krone, der Polnische Zloty und der Mexikanische Peso zu den aktiv höher gewichteten Lokalwährungsbeimischungen, so die Analysten der Bank für Kirche und Caritas eG (BKC). (04.02.2021/alc/a/a)