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Lehren aus Glasgow für die Finanzmärkte


09.11.21 11:30
fairesearch

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit zunehmender Überwindung der Pandemiekrise steigen die Inflationsraten in der ganzen Welt wieder an, so Dr. Eberhardt Unger von "fairesearch".

Die wichtigsten Zentralbanken hätten diese allgemeine Verteuerung bisher beschwichtigt und an ihrer ultra-expansiven Geldpolitik festgehalten. Daran ändere auch die jüngste FED Maßnahme nichts, die monatlichen Stützungskäufe zurückzufahren. Dieser Beschluss komme ohnehin zu spät und ändere die Nullzinsen am Geldmarkt nicht.

In den OECD-Ländern sei die Inflationsrate in den letzten zwölf Monaten im September auf 4,6% nach 4,3% im August gestiegen. In der Eurozone sei sie im September auf 3,4% nach 3,0% im August geklettert, vor einem Jahr habe sie noch bei -0,3% gelegen. Die USA würden im September 5,4% nach 5,3% melden.

Hauptursache für den Preisauftrieb seien die Energiepreise. Sie seien in den OECD-Ländern im September um 18,9% gestiegen, das sei ein ganzer Prozentpunkt höher als im August oder im September vorigen Jahres. Auch die Nahrungsmittelpreise hätten im September mit 4,5% einen ganzen Prozentpunkt höher als im August gelegen. In den einzelnen Ländern würden sich nur die Größenordnungen unterscheiden, die Richtung sei in allen gleich.

Wie werde sich die Inflationsrate in der ganzen Welt weiterentwickeln? Die Zentralbanken würden die Gefahren beschwichtigen, indem sie auf bald wieder sinkende Raten setzen würden. Doch ihre Erwartungen müssten zunehmend infrage gestellt werden. Zwar würden die Basiseffekte vom Frühjahr 2022 an automatisch wieder zu einer Entlastung führen, aber das Grundproblem höherer Teuerungsgefahren aufgrund steigender Energiekosten bleibe bestehen. Die Konferenz in Glasgow zeige dies deutlich an.

Zwar könne man als neutraler Analyst die Annahme teilen, dass die vielen Teilnehmerländer in einer Art von Lippenbekenntnissen für die ganze Welt den Klimawandel mehr oder weniger strikt fordern würden, dass aber jedes Land sehr egoistisch in erster Linie auf seine eigenen Bedürfnisse achte, um seine Wirtschaftsentwicklung und seine internationale Wettbewerbsposition nicht zu gefährden.

Dennoch ergebe sich der Eindruck, dass die einzelnen Parteien in den Ländern doch auf mehr Klimaschutz achten würden, sodass im Laufe der Zeit doch einige Teilerfolge erzielt werden könnten. Dies aber werde zweifellos Geld kosten. Neue Energiequellen seien zu erschließen, Produktionsprozesse müssten umgestellt werden, Konsumenten müssten ihre bisherigen Verbrauchsgewohnheiten ändern. Energie sei gegenwärtig einfach noch zu preiswert, um schnelle Erfolge zu erzielen. Höhere Kosten aber würden höhere Inflation bedeuten. Und diese würden sich auch nicht durch Basiseffekte aus der Welt schaffen lassen.

Die Notenbanken würden trotz der jüngsten FED Maßnahme ihre ultra-expansive Geldpolitik weiter fortsetzen und seien damit die eigentliche Ursache für die steigende Inflation. Nullzinsen oder gar negative Zinsen würden alle Sektoren zur ungehemmten Kreditaufnahme verleiten und damit in die nächste Finanzkrise führen.

Geld- und Rentenmarkt würden als Anlagen weiter ausfallen. An den auf Allzeithoch notierenden Aktienmärkten werde die Luft nach oben dünner, wenn die Geldschöpfung der Notenbanken abebbe. Aktienanlagen von alternativen Energien würden interessant bleiben. Edelmetalle würden durch steigende Inflationsraten weiter Auftrieb erhalten. (Ausgabe vom 08.11.2021) (09.11.2021/alc/a/a)