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Legg Mason-Tochtergesellschaft Western Asset zum morgigen FED-Meeting


12.06.18 14:00
Legg Mason

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Der Markt wartet auf die morgige Zinsentscheidung der FED - nicht etwa, weil unklar ist, ob es eine weitere Erhöhung gibt, sondern weil der Offenmarktausschuss seine künftigen Ziele anpassen könnte. Und das könnte dann doch wiederum viele Marktteilnehmer überraschen, wie John Bellows, Portfoliomanager und Research Analyst bei der Legg Mason-Tochtergesellschaft Western Asset, zu bedenken gibt.

John Bellows sage zum bevorstehenden FED Meeting am Mittwoch:

Die FED nähere sich mit ihrer Politik wieder einer "neutralen Zone" und das erfordere eine Strategieänderung. Neben der bereits antizipierten Zinserhöhung bedeute das, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) vermutlich auch seine künftigen Ziele in dieser Woche anpassen werde.

Ganz konkret könnte das heißen, die Empfehlung, die Policy Rate unter ihrem langfristigen Niveau zu halten, fallen zu lassen. Auch eine abgestufte Charakterisierung der Politik von "expansiv" auf "gemäßigt expansiv" wäre möglich. Zusammen würden diese Veränderungen bestätigen, dass sich die FED-Politik nach drei Jahren und sieben Zinserhöhungen nun langsam in Richtung Neutralität bewege. Das sei ein wichtiges Signal und könnte ein Vorbote eines Richtungswechsels im FOMC-Ansatz sein. Jede weitere Erhöhung über ein neutrales Niveau hinaus könnte dann nicht länger als Teil der Normalisierung gerechtfertigt werden. Stattdessen müsste jeder weitere Zinsschritt eine Antwort auf die zugrunde liegenden Daten sein. Einmal im neutralen Bereich angekommen, müsse die FED also mit Blick auf ihren beabsichtigten geldpolitischen Kurs noch vorsichtiger agieren.

Das Pricing am Markt spiegele bereits die Erwartung wider, dass die FED im nächsten Jahr die Neutralität hinter sich lassen werde. Nach der Zinsanhebung diesen Mittwoch rechne der Markt mit drei weiteren Zinsschritten der FED bis Ende 2019. Das würde den Leitzins auf 2,75 Prozent heben.

John Williams, neuer Chef der regionalen Federal Reserve in New York, habe erst kürzlich gesagt, er denke, "neutral" läge bei etwa 2,5 Prozent. Noch bemerkenswerter sei, dass die heute für in fünf Jahren erwartete Fünfjahresrate bei 3,15 Prozent liege. Mit anderen Worten: Der Markt erwarte für die nächsten fünf Jahre einen durchschnittlichen Leitzins, der deutlich über dem neutralen Wert liege. Eine anhaltende Phase einer restriktiven Geldpolitik habe es in der Geschichte der FED aber bisher noch nie gegeben. Natürlich habe es Phasen gegeben, in denen die Politik kurzfristig mal angezogen worden sei, doch niemals für fünf Jahre in Folge. Es müsste schon ein komplett anderes Inflationsumfeld geben, um einen solchen Zinsweg zu rechtfertigen.

Die Gründe für eine straffe Geldpolitik seien unklar. Es sei alles andere als offensichtlich, dass die FED sich dazu entschließe, auch jenseits der Neutralität eine straffe Geldpolitik zu verfolgen. Das Wachstum in den USA sei nach einem schwächer als erwarteten ersten Quartal wieder angezogen, die Arbeitslosenquote sei seit dem letzten Treffen im Mai um 0,3 Prozent gefallen. Und das Wachstum könnte in diesem Jahr aufgrund der steuerlichen Anreize Unterstützung erfahren. Jenseits dieser Anreize sei aber unklar, ob sich die zugrundeliegende Wachstumsdynamik tatsächlich gewandelt habe - und es gebe Gründe, dies anzuzweifeln.

Vielleicht noch viel wichtiger: Die Inflationskulisse sei nicht wirklich bedrohlich. Das von der FED bevorzugte Inflationsmaß liege unter dem Ziel von zwei Prozent und auch der Lohnzuwachs bleibe - was vermutlich für viele frustrierend sei - unter drei Prozent. Darüber hinaus steche das Abwärtsrisiko bei der Inflation hervor, was nach fünf Jahren unter dem Inflationsziel in den USA und einer geringen Inflation in Europa und Japan nicht sonderlich verwundern sollte. Wenn das Risiko einer höheren Inflation nicht doch noch bedrohliche Züge annehme, könnte die FED entscheiden, ihre Politik doch innerhalb des neutralen Bereichs zu belassen, um sich der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung nicht in den Weg zu stellen.

Die wohl wichtigste Botschaft der FED werde demnach der Plan für den Augenblick sein, in dem ihre Politik den neutralen Bereich erreiche. Die morgige Zinserhöhung werde also nicht das wichtigste Ereignis des FED-Treffens in dieser Woche - sie werde überall erwartet und niemanden überraschen. Alle Augen seien darauf gerichtet, wie das FOMC seine Absichten beschreibe, sobald die Zinsen den neutralen Bereich erreichen würden.

Der Markt gehe davon aus, dass die FED über "neutral" hinausgehe und anschließend für einige Jahre eine straffe Geldpolitik fahre. Die Experten würden hingegen denken, die FED müsse sich nicht zwangsläufig dazu verpflichtet fühlen, über ein neutrales Niveau hinaus zu gehen, da es keine größeren Veränderungen der Inflationsaussichten gebe. Sollte die FED, wie von den Experten erwartet, Zurückhaltung signalisieren, könnte das viele Marktteilnehmer überraschen. Und ein solches Signal könnte zeigen, dass die FED doch nicht so "hawkish" sei, wie von vielen befürchtet. (12.06.2018/alc/a/a)