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Langfristiges Inflationsniveau von drei bis 3,5 Prozent zu erwarten


10.01.22 11:30
Fisch Asset Management

Zürich (www.anleihencheck.de) - Wir gehen zwar davon aus, dass die Inflation ihren kurzfristigen Höhepunkt überschritten hat, allerdings halten wir das Erreichen des 2%-Zielbereichs der Zentralbanken für unwahrscheinlich. Denn mittel- bis langfristig wirken die so genannten 3D-Faktoren: Deglobalisierung, Dekarbonisierung und Demographie, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Die ersten beiden Faktoren würden direkt für höhere Produktionskosten sorgen. Und demographische Faktoren würden außerdem bereits jetzt für einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbstätigen Alter sorgen. Dies habe einen Arbeits- und Fachkräftemangel zur Folge. Damit sei mittelfristig für merklichen Lohndruck gesorgt.

Die 3D-Faktoren dürften deshalb das Inflationsniveau auch längerfristig im Bereich zwischen drei und 3,5 Prozent halten und damit deutlich oberhalb der Zentralbankziele. Entsprechend sollten sich Investoren darauf einstellen, dass die Inflation weiterhin vorherrsche und sich nicht der Hoffnung hingeben, dass sie in absehbarer Zeit auf die tiefen Raten des vergangenen Jahrzehnts sinke. Trotzdem rechnen die Experten von Fisch Asset Management vorerst nicht mit einer Stagflation, die das Worst-Case-Szenario darstellen würde. Dazu sei das Wirtschaftswachstum zu robust und die Inflation trotz 3D-Faktoren kurzfristig noch zu gut unter Kontrolle.

An den Aktienmärkten gelte - trotz der mittlerweile deutlich spürbaren Volatilität - weiterhin das Motto TINA (There Is No Alternative), da tiefe Zinsen und die aktuell noch hohe Inflation die Bargeldhaltung unattraktiv machen würden. Im weiteren Jahresverlauf dürften aber die straffere Geldpolitik, temporär fallende Inflation, hohe Bewertungen und steigende Zinsen für eine Dämpfung der Börsen sorgen. Ähnliches sei an den Märkten für Unternehmensanleihen zu erwarten. Eine ausgeprägte Baisse erscheine den Experten allerdings im Moment wenig wahrscheinlich. Dennoch nehme das Chancen/Risikoverhältnis damit deutlich ab. Zudem würden die Experten mit starken Sektorrotationen rechnen. Und zwar insbesondere, wenn sich aufgrund der Covid-19 Omicron-Welle ein hohe Herdenimmunität der Bevölkerung und damit ein vorzeitiges Ende der Pandemie ergeben würde.

Für Investoren im Anleihensegment würden dieses Jahr vor allem Corporates aus den Schwellenländern interessant erscheinen. Denn die Experten von Fisch Asset Management schätzen die Risikoaufschläge bei Emerging-Markets-Unternehmensanleihen weiterhin als attraktiv ein. Und im Unterschied zu den Pendants aus Industrieländern bestehe 2022 noch Spielraum für eine Verengung. Hochzinsanleihen sowohl aus Schwellenländern als auch aus Industrienationen würden aufgrund der laufenden Verzinsung ebenfalls auf den Radar der Investoren gehören. Und nachdem Wandelanleihen im vergangenen Jahr aus Performance-Sicht hinter den Aktienmärkten zurückgeblieben seien, würden die Experten hier ein Comeback erwarten, da Convertibles gerade bei höherer Volatilität ihre Stärken ausspielen könnten. Aufgrund der Rahmenbedingungen, darunter steigende Zinsen, sei hier jedoch die Titelselektion entscheidend. (10.01.2022/alc/a/a)