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Langfristige Renditen: Es tut sich was


12.01.18 08:45
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Kapitulation. Das war der vorherrschende Eindruck, den man in den vergangenen Monaten im Gespräch mit Anlegern gewinnen konnte, wenn es um die Aussichten für die Zinsen ging, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Mit den Worten "die steigen nie mehr, Zero4Eva, die Renditen sind wie festgenagelt" sei diese Resignation beschrieben worden. Auf der Jagd nach Rendite würden für Unternehmensanleihen Risikoprämien akzeptiert, die diesen Namen nicht verdient hätten; Kryptowährungen würden eine an die holländische Tulpenmania erinnernde Spekulationswelle erfahren; und die als alternativlos dargestellten Aktien würden unter anderem in den USA von einem Rekord zum nächsten jagen. Aber Sie kennen das Sprichwort, das sich hier auf die Zinsentwicklung anwenden lässt: Wenn die Nacht am dunkelsten ist, ist die Dämmerung am nächsten, so die Analysten der HSH Nordbank AG.

Der jüngste Anstieg der Staatsanleiherenditen lasse ahnen, dass die Sonne bald aufgehen könnte. So seien die zehnjährigen T-Notes-Renditen aus den USA auf über 2,50% gestiegen, immerhin 50 Basispunkte seit September 2017 und das höchste Niveau seit März 2017. Und auch die Bunds würden wieder Lebenszeichen zeigen.

Man werde sagen: Das sei eine von den vielen Warnungen vor höheren Zinsen, die in den letzten Jahren von verschiedenen Seiten immer wieder geäußert worden seien. Am Ende habe sich der angebliche Trend stets als ein vorübergehendes Strohfeuer entpuppt. Könne man diesen Irrtum dieses Mal ausschließen? Nein. Statt zu kapitulieren, sollte man sich jedoch mit drei Fragen auseinandersetzen. Komme die Inflation? Was würden die Notenbanken machen? Und schließlich: Würden die Anleger risikofreudig bleiben?

Komme die Inflation? Die Inflationszahlen seien bislang ernüchternd. Die Kernraten (ohne Lebensmittel und Energie) lägen bei 1,3% in den USA und 0,9% in der Eurozone und somit weit von den 2 Prozent-Zielmarken entfernt. Laut dem DPI-Onlinepreisindex von Adobe sei die Digitalwirtschaft teilweise dafür verantwortlich, dass die Teuerungsrate trotz boomender Konjunktur nicht in Gang komme. Mit dem steigenden Auslastungsgrad der Volkswirtschaften, der sich in fallenden Arbeitslosenraten dies- und jenseits des Atlantiks sowie einer zunehmenden Kapazitätsnutzung in der Industrie äußere, sollte die Inflation in den USA vermutlich noch in diesem Jahr auf über 2% steigen und auch in der Eurozone sei mit einer leicht höheren Teuerungsrate zu rechnen.

Damit könne man sich der Frage zuwenden, was die Notenbanken machen würden. In den USA sei der Pfad vorgezeichnet. Mit drei Zinserhöhungen dürfte in diesem Jahr das Straffungstempo von 2017 beibehalten werden. Innerhalb des EZB-Rates würden sich gleichzeitig die Stimmen mehren, die für eine baldige Beendigung des QE-Programms plädieren würden. Selbst in Japan mache man sich Gedanken über die Zukunft des Staatsanleihenankaufprogramms. Kurz: Die Unterstützung der Bondmärkte durch die Notenbanken werde geringer und werde in absehbarer Zeit in Gegenwind umschlagen.

Bleibe die Risikofreude der Anleger. Gemessen an der Kaufbereitschaft an den Aktienmärkten, sei diese derzeit hoch. Natürlich könnte US-Präsident Donald Trump oder der nordkoreanische Staatschef Kim Jong-un hier einen Strich durch die Rechnung machen. Auch ein Platzen der vermutlichen Bitcoin-Blase würde für Nervosität sorgen. Die erfreulichen Konjunkturdaten, die US-Steuerreform und die größere politische Stabilität in der Eurozone würden jedoch dafür sprechen, dass die Anleger weiterhin bereit seien, Risiken einzugehen und von Staatsanleihen in andere Vermögensklassen umschichten würden.

Die Nacht gehe zu Ende und den Anlegern dämmere, dass Renditen auch steigen könnten. (Ausgabe vom 11.01.2018) (12.01.2018/alc/a/a)