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Landesbanken im Vergleich: Corona-Pandemie wirkt sich kaum negativ aus


09.11.21 11:00
Creditreform Rating AG

Neuss (www.anleihencheck.de) - Creditreform Rating hat im Rahmen der diesjährigen Ratingprozesse weitere Analysen durchgeführt und präsentiert infolgedessen wesentliche Erkenntnisse, Kennzahlen und Einschätzungen zur gegenwärtigen Situation der vier größten Landesbanken in Deutschland, so die Creditreform Rating AG.

Im Rahmen der Analyse habe Creditreform Rating wesentliche und repräsentative Kennzahlen analysiert. Die Zahlen für 2021 würden auf Halbjahreswerten basieren, indikativ für das Gesamtjahr.

Für die Ertragslage und -kraft der analysierten Landesbanken habe Creditreform Rating das Kosten-Ertrags-Verhältnis (Cost Income Ratio, CIR) sowie die Gesamtkapitalrentabilität (Return on Assets, RoA) herangezogen. Die Corona-Krise habe sich für die Landesbanken im Jahr 2020 anhand der CIR nur bedingt negativ ausgewirkt. Das erste Halbjahr 2021 dagegen sei für die meisten Landesbanken von starken Erholungsprozessen geprägt gewesen, lediglich die NORD/LB sei diesbezüglich aufgrund unzufrieden stellendem Neugeschäft negativ aufgefallen. Im Rahmen der Gesamtkapitalrentabilität habe sich die Corona-Krise aufgrund hoher Risikovorsorgeaufwendung deutlich sichtbar ausgewirkt, gleichwohl sei die Erholungsbewegung im ersten Halbjahr deutlich erkennbar.

Der mehrheitliche Trend der rückläufigen CIR sei branchenweit zu beobachten und zeige zum einen die ursprünglichen Erwartungen der Institute zu den Auswirkungen der Corona-Krise, zum anderen aber auch, dass diese nicht in dem erwarteten Umfang eingetreten seien und in der Folge nun die Risikovorsorgen bereits in Teilen wieder aufgelöst werden könnten.

Für die Vermögenslage und Asset-Qualität habe Creditreform Rating die NPL-Quote (IFRS Stufe 3 Kundenkredite/Bruttokundenkredite) und die Bilanzsumme zu Rate gezogen. Die Corona-Krise habe sich, u.a. aufgrund groß angelegter Stützungsprogramme, kaum negativ auf die Asset-Qualität ausgewirkt. Ratingmigrationen hätten fast ausschließlich aufgrund negativer Makroszenarien stattgefunden, tatsächliche Ausfälle seien im Krisenjahr 2020 rar geblieben. Anstiege im ersten Halbjahr 2021 seien zwar erkennbar, allerdings auf sehr geringem Niveau. Währenddessen würden sich die Landesbanken größentechnisch teils in unterschiedliche Richtungen entwickeln: Während die LBBW und BayernLB (hier insbesondere aufgrund der DKB) robust wachsen würden, stagniere die Helaba. Die NORD/LB verfolge konsequent einen Schrumpfungsprozess und sei dabei bereits fast am Ziel (110 Mrd. Euro) angelangt.

Ein Trend lasse sich bei der Entwicklung der NPL-Quoten aktuell noch nicht ablesen. CRA gehe jedoch davon aus, dass sich diese in der mittleren Sicht leicht über dem Vorkrisenniveau verstätigen würden.

Für die Kapitalqualität habe Creditreform Rating das regulatorische Eigenkapital in Form der harten Kernkapitalquote (CET1) sowie die Verschuldungsquote (Leverage Ratio) zu Rate gezogen. Insgesamt seien die Landesbanken solide mit Eigenkapital ausgestattet. Nach der Rekapitalisierung im Jahr 2019 stehe nun auch die NORD/LB auf einem stabilen Fundament, welches zudem durch den Schrumpfungsprozess und Entledigung von Abbauportfolien an Stärke gewinne, wie die neuesten Zahlen belegen würden.

Der Trend in der Kapitalisierung großer Landesbanken sei uneinheitlich. Die Banken selbst sähen ebenfalls ausreichend Puffer zu den jeweiligen einzuhaltenden Mindestquoten. Unter diesen Vorzeichen erwarte CRA keine wesentliche Verbesserung der Kapitalisierung in der mittleren Frist. (09.11.2021/alc/a/a)