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Kursrally bei Risikoanlagen ist noch nicht vorbei


07.08.17 13:10
Merck Finck Privatbankiers

München (www.anleihencheck.de) - Vor dem Hintergrund eines robusten globalen Wachstums und geringen Risikos einer Rezession in den USA oder der Eurozone erwartet die Münchner Privatbank Merck Finck, dass der Aufwärtstrend von risikobehafteten Anlageformen noch nicht vorüber ist.

"Trotz möglicher kurzfristiger Korrekturgefahren gehen wir weiter davon aus, dass der positive Grundtrend an den Aktienmärkten anhält", so Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck im aktuellen "Marktkompass". Dafür sprächen schon das gute konjunkturelle Umfeld, die reichlich vorhandene Liquidität und die Unterstützung der Notenbanken.

Der Konjunkturtrend der Eurozone sei zurzeit so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Wenngleich die Wirtschaftsdaten im Vergleich zu den Markterwartungen nicht mehr ganz so positiv überraschen würden wie vor einigen Monaten, würden die meisten Zahlen weiterhin auf höhere Wachstumsraten als bisher hindeuten. Das Wachstum könnte aber an seine Grenzen stoßen, weil sich die Unterstützung für die Fiskalpolitik und die Finanzierungsbedingungen abschwächen dürften. Auch ein weiterer Anstieg des Euro und politischer Gegenwind könnten dieses positive Bild trüben.

In den USA gebe es Anzeichen, dass sich die Konjunkturdaten zum Positiven wenden würden. Der aktuelle Aufschwung werde - sofern er wie erwartet anhalte - bald der längste in der Geschichte sein, aber auch einer der schwächsten im Hinblick auf das Wachstum. Zugleich gewinne Japans Wirtschaft an Stärke, und auch die meisten Schwellenländer würden sich eines positiven Konjunkturtrends erfreuen.

Die weitere Entwicklung hänge natürlich auch von der Politik der Notenbanken ab, die derzeit eine geldpolitische Straffung in Erwägung ziehen würden. "Richtig spannend wird es am 7. und am 20. September, wenn die EZB und die FED ihre Meetings abhalten. Dann wird sich klären, wie der zukünftige geldpolitische Kurs aussieht", so Greil.

Restriktiver ausgerichtete Zentralbanken könnten die derzeit ansonsten überwiegend "heile Welt" in Bezug auf Aktien gefährden. Der erwartete Aufwärtstrend könnte etwas holprig ausfallen, weil die Märkte sich an die geldpolitische Unterstützung klammern und empfindlich auf diesbezügliche Veränderungen reagieren würden. Dennoch bleibe der Grundtrend an den Aktienmärkten aufwärts gerichtet.

Merck Finck rechne damit, dass die Anleihenrenditen weiter steigen würden, weil sich die Rohstoffpreise erholen würden, stärkeres Lohnwachstum wahrscheinlich sei und sich Zentralbanken und weitere Institutionen mehr Gedanken über mögliche Konjunkturrisiken machen würden. Einige Segmente der Rentenmärkte würden aber noch immer Chancen bergen, so beispielsweise kurzlaufende Euroland-Hochzinsanleihen.

Für die aktuelle Dollar-Schwäche seien gleich mehrere Faktoren verantwortlich: Trumps Unvermögen, eine neue Strategie zu entwickeln, die sinkenden Renditeabstände zwischen den USA und Europa, Amerikas steigende Defizite und der Verkauf von US-Dollar zugunsten anderer Währungen durch die Zentralbanken. "Der US-Dollar erscheint zurzeit aber überverkauft und dürfte sich etwas erholen", erwarte Greil. Die Bank belasse ihre Euro-Dollar-Spanne bei 1,05 bis 1,20.

Das Umfeld für Rohstoffe verändere sich nach der verhaltenen Entwicklung in den ersten Monaten des Jahres zum Positiven. Bei den Ölpreisen sei eine Trendwende eingeläutet worden, und die OPEC habe die Förderkürzungen verlängert. Der Goldpreis werde sich innerhalb der Spanne von 1.150 bis 1.350 US-Dollar je Unze bewegen. Etwas Gold bleibe als eine Art Versicherung im Portfolio ratsam. Bei den Industriemetallen dürfte sich der Preisanstieg fortsetzen. (Ausgabe August 2017) (07.08.2017/alc/a/a)