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Krisenkorsett für Anleihen


04.09.20 09:00
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die Jahresrate der OECD-Industrieproduktion brach im Frühjahr um rund 20% ein, so die Analysten der Helaba im aktuellen "Zinsreport".

Die aggregierte Jahresrate der Bilanzsummen der drei großen Notenbanken sei inzwischen um mehr als 50% gestiegen. Die in diesem Umfeld eingeleitete Neuausrichtung der US-Geldpolitik könnte als Muster für andere Notenbanken dienen, was weltweit längere Phasen im Lockerungsmodus implizieren würde.

Die Euro-Teuerung sei erstmals seit 2016 wieder ins Minus gerutscht. Die Kernrate sei im Juli auf einen historischen Tiefstand von 0,4% gesunken. Gleichwohl dürfte die EZB ihre ultralockere Geldpolitik vorerst nicht ausweiten, zumal die Inflationserwartungen zuletzt relativ stabil gewesen seien.

Solange der Virus nicht im Griff sei, werde der Spielraum für steigende Renditen begrenzt bleiben. Gleichzeitig scheine das Kurspotenzial bei Anleihen beiderseits des Atlantiks ausgereizt zu sein.

Der Einfluss der weltweit ultralockeren Geldpolitik auf die Finanzmärkte sei als sehr hoch einzuschätzen. Davon würden vor allem die Aktienmärkte profitieren, die bereits wieder auf Vor-Corona-Niveau notieren würden. Andererseits gebe es immer noch eine große Unsicherheit über das Ausmaß und die Folgen der Pandemie, ablesbar u.a. am hohen Goldpreis. Solange der Virus nicht im Griff sei - derzeit gehe eher die Angst vor neuen schweren Infektionswellen um - würden die Renditen vermutlich kaum steigen. Gleichzeitig scheine der Kursspielraum für Anleihen ausgereizt zu sein. Die Rendite 10-jähriger italienischer Anleihen klettere zeitweise wieder über die 1%-Marke. (04.09.2020/alc/a/a)