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Kommt der Bärenmarkt bei Anleihen?


06.03.18 12:45
LYNX Broker

Berlin (www.anleihencheck.de) - In den letzten drei Jahrzenten konnten Anleger fast ausschließlich steigende Kurse an den Anleihenmärkten beobachten. Experten prophezeien, dass sich diese Entwicklung bald umkehren könnte. Sascha Sadowski, Finanzexperte beim Online-Broker LYNX erklärt, warum der Bullenmarkt bei Anleihen bald ein Ende haben könnte.

Der seit 35 Jahren andauernde Bullenmarkt bei Anleihen könnte in absehbarer Zeit ein Ende finden. Diese Befürchtung würden derzeit einige prominente Finanzexperten teilen. So habe der ehemalige Vorsitzende der amerikanischen Notenbank FED, Alan Greenspan, erst vergangene Woche vor einer stetig wachsenden Blase auf dem Anleihenmarkt gewarnt. Und mit dieser Einschätzung sei er nicht allein, auch Hedge-Fonds-Manager Paul Tudor Jones habe erst kürzlich gewarnt, dass der Anleihenmarkt derzeit sowohl überteuert als auch übersättigt sei. In das gleiche Horn würden Warren Buffett, der Anlegern eher Aktien als Anleihen empfehle, sowie der Investor Bill Gross stoßen, der bereits heute die Anfänge eines Bärenmarktes erkennen wolle.

"Ganz unbegründet sind diese Befürchtungen nicht, denn je weiter die Preise bei Anleihen ansteigen, desto unattraktiver fällt die Rendite aus - und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem sich ein Investment schlicht nicht mehr lohnt, da die Verzinsung den Preis nicht mehr rechtfertigt", erläutere Sascha Sadowski vom Online-Broker LYNX. Wie die amerikanischen Experten sehe Sadowski einen Grund für diesen rasanten Preisanstieg in der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken in den vergangenen Jahren.

"Um die Wirtschaft anzukurbeln werden die Zinsen künstlich niedrig gehalten. Normales Sparen im Sinne eines Sparbuches oder Tagesgeldkontos lohnt sich dadurch kaum noch. Wer trotzdem Geld zurücklegen will, weicht also auf andere Produkte wie Aktien oder Anleihen aus. So wurde in den letzten Jahren viel Geld in die Märkte gespült, was die Blasenbildung natürlich begünstigt hat. Und diese Blasen werden irgendwann, vermutlich eher früher als später, platzen, insbesondere, wenn die Leitzinsen weltweit wieder steigen und andere, sicherere Produkte dann attraktiver werden", führe der Finanzexperte aus.

Hinzu komme das Schreckgespenst einer steigenden Inflationsrate, das von der amerikanischen Steuerreform weiter befeuert worden sei. "Wenn die Menschen mehr Geld in der Tasche haben, aber das Angebot nicht im gleichen Maße wächst, steigen irgendwann die Preise und damit die Inflation. Den Grundstein für diese Entwicklung haben die Zentralbanken mit ihrer Niedrigzinspolitik schon vor Jahren gelegt. Nun kommen weitere Faktoren hinzu. Dadurch kann der Kurs der Anleihen unter Druck geraten, was wiederum die Rendite erhöhen würde", erkläre Sadowski. Ein Bärenmarkt bei Anleihen würde also vor allem diejenigen treffen, die zur Hochzeit der Kurse eingestiegen seien. Für neue Investoren könnte er jedoch auch Renditechancen eröffnen. (06.03.2018/alc/a/a)