Könnte das EZB-Anleiheankaufprogramm bereits im Oktober beendet werden?


02.01.18 09:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die Aktivität im Bondhandel dürfte heute und in den kommenden Tagen unterdurchschnittlich sein, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Die Investoren würden erst einmal zurückhaltend bleiben, abwarten und später mit einer Positionierung beginnen. Alle hätten jedoch gemeinsam, dass sie weiterhin auf ein Niedrigzinsumfeld blicken würden, in dem die Risikoprämien für die Übernahme von Kreditrisiken gering seien.

Zudem werde die EZB nun nur noch 30 Mrd. Euro pro Monat zuzüglich der Investition von Zins- und Tilgungszahlungen nachfragen. Das dürfte zusammengenommen immer noch ein großes Volumen sein, das die Kurse auf dem Bondmarkt stützen werde. Es sei jedoch weniger Volumen als im vergangenen Jahr. Aufgrund der guten konjunkturellen Entwicklung im Euroraum nehme der Finanzierungsbedarf der einzelnen Euroländer zugleich nicht so stark zu wie in vergangenen Jahren. Einige Länder würden vermutlich weniger emittieren als in 2017. Unklar bleibe außerdem, wie die EZB agieren werde. Weitere Abweichungen vom Kapitalschlüssel seien durchaus wahrscheinlich, ebenso eine stetige Nachfrage nach Anleihen aus dem Unternehmenssektor. Nichtsdestotrotz würden sich die Investoren auf das veränderte Nachfragemuster der EZB einstellen müssten.

Die verheißungsvollen wirtschaftlichen Perspektiven des Euroraums würden die europäischen Zentralbanker allerdings dazu veranlassen, ihren Kurs nach September 2018 zu überdenken. So habe Benoit Coeure, der im EZB-Rat bislang nicht durch ein besonders deutliches Eintreten für eine restriktivere Geldpolitik aufgefallen sei, Ende letzten Jahres angemerkt, dass die im Oktober 2017 beschlossene Verlängerung des Anleiheankaufprogramms bis Ende September 2018 durchaus die letzte gewesen sein könne.

Die Abkehr von der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB könnte also durchaus näher sein, als es bislang angenommen worden sei. Die Entwicklung des Preisniveaus werde hierbei ein zentraler Einflussfaktor sein. Im Dezember seien beispielsweise die deutschen Konsumentenpreise deutlich stärker gestiegen, als es geschätzt worden sei. Auch in einigen anderen Ländern des Euroraums sei durchaus Preisauftrieb zu beobachten. Die zu Beginn eines Jahres üblichen Basiseffekte würden die Beurteilung der Teuerungsdynamik zwar erschweren. Mehr Preisdynamik im Euroraum sei jedoch nicht ausgeschlossen. Zudem laufe die Kreditvergabe, was die Daten zu M3 für den November gezeigt hätten. Das Nord-Süd-Gefälle sei in den Daten jedoch immer noch zu erkennen. Der südlichere Teil der Euroländer bleibe also auf geldpolitische Stützung angewiesen.

Erfreuliches habe es aus China gegeben: Die Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe würden auf eine Fortsetzung des Wirtschaftswachstums hinweisen. Die chinesische Wirtschaft dürfte demnach zu Beginn des laufenden Jahres etwas an Fahrt gewinnen. Ein ähnliches Bild würden die teils endgültigen Markit-Einkaufsmanagerindices für das Verarbeitende Gewerbe verschiedener Euroländer zeigen. Hierzulande wird es in den kommenden Monaten aufwärts gehen, so die Analysten der National-Bank AG.

Der Bund-Future (ISIN DE0009652644 / WKN 965264) dürfe das Jahr bei dünnen Umsätzen mit Verlusten beginnen, denn die Aussagen von Benoit Coeure dürften durchaus Nachwirklungen haben. Im Tagesverlauf sollte er sich zwischen 161,05 und 162,40 bewegen. Die Rendite der 10-jährigen US-Treasuries dürfte zwischen 2,34% und 2,49% schwanken. (02.01.2018/alc/a/a)