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Kenia: Langsam nachlassender Preisdruck gibt der Notenbank Spielraum für abwartende Geldpolitik


01.08.17 10:45
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - In Kenia belasten nach einer anhaltenden Dürre nun Unsicherheiten im Vorfeld der für den 8. August anstehenden Wahltermine den Konjunkturverlauf, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Neben dem Präsidenten würden sich auch das Parlament und die Bezirksregierungen dem Wahlvolk stellen. Aus Sorge um einen friedlichen Ausgang des Wahlkampfs habe sich vor allem die Privatwirtschaft zuletzt mit ihren Geschäftsaktivitäten zunehmend zurückgehalten. Entsprechend habe sich die Stimmung bei den Unternehmen bei der monatlich erhobenen Lagebeurteilung durch Einkaufsmanager eingetrübt: Im Juli sei der Index schließlich auf ein Rekordtief von 47,3 Punkten abgesackt. Insgesamt würden die Analysten im laufenden Jahr nur ein Wirtschaftswachstum von 5,0% (2016: 5,9%) erwarten.

Die Inflation habe im vergangenen Jahr durchschnittlich 6,3% erreicht, habe zum Jahresbeginn 2017 aber bei über 11% gelegen. Höhere Ausgaben für Nahrungsmittel infolge erheblicher Ernteausfälle seien bislang der wesentliche Preistreiber gewesen. Inzwischen habe sich die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln durch staatliche Notstandsmaßnahmen aber stabilisiert. Dadurch würden sich die allgemeinen Verbraucherpreise langsamer erhöhen und gestern sei mit 7,5% in der Jahresrechnung für Juli eine erneut geringere Preissteigerung vorgelegt worden. Die Inflation liege dadurch - nach einem Überschießen in den zurückliegenden fünf Monaten zumindest wieder auf der Obergrenze der von der Zentralbank angestrebten Zielzone von 2,5 bis 7,5%.

Trotz des kräftigen Preisauftriebs habe der geldpolitische Ausschuss der Zentralbank den Leitzins bei seiner jüngsten Sitzung im Juli unverändert bei 10% belassen. Die Währungshüter hätten diesen Schritt vor allem mit der nachlassenden Teuerung der Nahrungsmittel begründet. Die Zinsentscheidung habe man daher mit Blick auf die Inflationserwartungen getroffen. Mit abnehmenden Preisrisiken würden die Währungshüter nun vermutlich auf eine abwartende Geldpolitik setzen.

Die Analysten würden auf Basis ihrer Inflationsprognose von 8,5% zum Jahresende 2017 bis Mitte 2018 einen unveränderten Leitzins von 10% erwarten. Mit Zinssenkungen würden sie frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2018 rechnen. In diesem Umfeld werde der US-Dollar nach Einschätzung der Analysten bis zum Jahreswechsel 2017/18 leicht auf 106 KES (Kenia-Schilling) je US-Dollar aufwerten. (01.08.2017/alc/a/a)