Erweiterte Funktionen

Keine Deflation - kein PEPP


10.09.20 17:15
Bank für Kirche und Caritas

Paderborn (www.anleihencheck.de) - Bernhard Matthes, CFA, Bereichsleiter BKC Asset Management, kommentiert die aktuelle Erklärung der EZB nach ihrem heutigen Meeting.

Keine Deflation - kein PEPP

"Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat heute versichert, dass die Projektion der EZB keine Deflationsrisiken sieht, trotz der im August negativen Inflationsrate. Wenn es aber kein Deflationsrisiko gibt, so stellt sich die Frage nach der weiteren Existenzberechtigung des Pandemic Emergency Purchase Program (PEPP). Dieses Programm wurde aufgelegt, damit die EZB im Rahmen ihres geldpolitischen Mandats Risiken "für den geldpolitischen Transmissionsmechanismus im Euroraum" entgegenwirken kann. Wenn jedoch aktuell weder ein Inflations- noch ein Deflationsrisiko besteht, müsste die EZB konsequenterweise das PEPP einstellen."

Inflation

"Aufgabe der EZB ist es, Preisstabilität zu gewährleisten. Es gibt jedoch keine vernünftige Begründung dafür, warum das Ziel für "Preisstabilität" bei einer Preissteigerung von "2 oder nahe 2 Prozent" verankert sein soll und nicht bei 0 Prozent. Eine Inflation von 2 Prozent setzt die Kaufkraft vorsätzlich Jahr für Jahr herab. Inflation richtet sich gegen die Interessen von Sparern und Anlegern, indem sie einen laufenden Vermögenstransfer hin zu Besitzern realer Vermögenswerte, zu Schuldnern und dem Staat bewirkt.

Hinzu kommt: Konnten sich Anleger und Sparer in der Vergangenheit darauf verlassen, dass eine steigende Inflation letztlich auch wieder zu steigenden Zinsen führte, kann diese Annahme heute nicht mehr ohne Weiteres getroffen werden. Es scheint politisch gewünscht, die hohen Staatsschulden "wegzuinflationieren", sodass davon ausgegangen werden muss, dass die Notenbanken mit Ankaufprogrammen und Zinskurvenkontrolle die Kapitalmarktzinsen selbst bei künftig steigenden Inflationsraten niedrig halten werden.

War es in der Vergangenheit Aufgabe der Notenbanken, Preisstabilität in Form von niedriger Inflation zu gewährleisten, scheint es nun das vorrangige Ziel der "Währungshüter" geworden zu sein, Inflation vorsätzlich herbeizuführen. Die Notenbankpolitik richtet sich damit gegen die Interessen von Sparern und Anlegern, die auf festverzinsliche Anlagestrategien vertrauen. Schützen können sich Anleger, in dem sie ihr Portfolio zunehmend auf inflationsschützende Bausteine, etwa Sachwerte und Edelmetalle, ausrichten."

Starker Euro

"Die EZB hat heute zurecht darauf hingewiesen, dass Maßnahmen zur Beeinflussung des Euro-Kurses nicht zu ihren Aufgaben gehören. Dies ist aus unserer Sicht nicht nur formal richtig, sondern es wäre auch unnötig. Die Bedenken, dass ein zu starker Euro negative Auswirkungen auf die Exportnation Deutschland habe, sehen wir als nicht so eindeutig, wie oft suggeriert. Die Preiselastizitäten in den Exportmärkten werden - wie auch im Fall des Schweizer Frankens - stark überschätzt. Deutschland war auch in Zeiten der starken D-Mark Exportweltmeister, da "Made in Germany" wegen der Qualität und innovativer Technologie weltweit geschätzt wurde. Auf diesen Lorbeeren haben sich jedoch weite Teile der Industrie in den vergangenen Jahren ausgeruht. Gestützt durch den vergleichsweise schwachen Euro sind Innovations- und Entwicklungskraft verloren gegangen, wie beispielsweise an der deutschen Automobilindustrie deutlich zu sehen ist. Relevant für den künftigen Exporterfolg der deutschen Unternehmen ist weniger ein schwacher Euro als eine Rückbesinnung auf die verlorengegangen Innovationskultur in relevanten Bereichen mit Zukunftspotenzial, allen voran der Digitalisierung. Langfristige und dauerhafte Prosperität wurden noch nie mit einer Weichwährungsstrategie erreicht." (10.09.2020/alc/a/a)