Kein Gegenwind für EZB-Zinssenkungserwartung


06.09.19 09:45
Helaba

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Am Morgen richtet sich der Fokus der Marktbeobachter auf die deutsche Industrieproduktion im Monat Juli, so die Analysten der Helaba.

Die Vorgaben seien durchwachsen und insbesondere die enttäuschend schwachen Auftragseingänge, die gestern mit -2,7% VM veröffentlicht worden seien, würden vor zu viel Optimismus mahnen. Zwar sei die jüngste Volatilität auf Auslandsbestellungen zurückzuführen, die inländischen Aufträge seien aber ebenfalls im Juli gesunken, insbesondere auch die ohne Großaufträge. Positive Daten habe dagegen die Automobilindustrie (laut VDA) zu berichten und auch die Stahlproduktion habe zugelegt. Positives Überraschungspotenzial würden die Analysten per saldo nicht ausmachen. Die Erwartungen, wonach die Europäische Zentralbank in der nächsten Woche erneut Lockerungen der Geldpolitik bekannt gebe, dürfte kaum geschmälert werden.

Das Hauptaugenmerk liege am Nachmittag auf dem US-Arbeitsmarktbericht vom August, denn auch die FED-Erwartungen würden eine wichtige Rolle bei den Entwicklungen an den Finanzmärkten spielen. Aktuell würden bis Ende des Jahres noch mehr als 50 Basispunkte Zinssenkung eskomptiert und auch für das kommende Jahr seien weitere Schritte eingepreist. Die Arbeitslage sei derweil als solide zu bezeichnen.

So lägen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf niedrigem Niveau und der ADP-Report weise auf einen soliden Stellenzuwachs hin. Den Angaben von ADP zufolge belaufe sich der Arbeitsplatzaufbau in der Privatwirtschaft auf 195 Tsd. Die Dynamik des Beschäftigungsaufbaus habe im Vergleich zu den vergangenen Jahren zwar nachgelassen, dürfte aber ausreichen, um die Arbeitslosenquote auf 3,7% zu halten. Die Meinungen darüber, ob die US-Wirtschaft die Vollbeschäftigung erreiche oder nicht, würden auseinandergehen.

Auch bei der FED herrsche Uneinigkeit in der Frage und manche der Geldpolitiker würden dabei auf das verhaltene Lohnwachstum verweisen, das signalisiere, dass noch immer freie Kapazitäten vorhanden seien. Als gering könnten die Lohnsteigerungen aber weder nominal noch real eingestuft werden. Für die avisierten Anpassungen der Geldpolitik im Sinne einer Versicherung gegenüber bestehenden Risiken würden die Löhne gleichwohl kein Hindernis darstellen. Um die starken Zinssenkungserwartungen nachhaltig zu reduzieren, bedürfte es wohl einer ganzen Serie von positiven Überraschungen, nicht nur bei Lohn- und Preiszahlen sondern vor allem auch bei Stimmungsindikatoren. (06.09.2019/alc/a/a)