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Kapitalmarktkommentar: Endlich wieder Wachstum


07.04.21 10:15
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Ein Jahr und ein paar Tage sind vergangen, seit die Weltbörsen im März letzten Jahres ihren Tiefpunkt infolge der Covid-19-Krise erreicht hatten, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

Dieser damals extrem negativen Vorwegnahme künftiger fundamentaler Entwicklungen sei ein sehr deutlicher Einbruch bei den Unternehmensgewinnen gefolgt. Das zweite Quartal 2020 habe mit einem Minus von 31% den stärksten Gewinnrückgang im Jahresvergleich seit der globalen Finanzkrise 2008 hervorgebracht.

Zu beachten sei allerdings, dass mit der Berichterstattung über exakt dieses sehr negative zweite Quartal 2020 ein Phänomen begonnen habe, das die Experten inzwischen bei jeder nachfolgenden Berichtssaison und auch nahezu im selben - historisch gesehen, weit überdurchschnittlichen - Ausmaß hätten beobachten können: Die Tendenz der deutlich positiven Überraschungen in Relation zu den Analystenschätzungen. Denn für das genannte zweite Quartal 2020 sei ein noch wesentlich dramatischerer Gewinneinbruch infolge der Gesundheitskrise und der wirtschaftlichen Auswirkungen erwartet worden.

Der Markt blicke jedoch meist mit einem gewissen Grundoptimismus voraus und honoriere einerseits diese positiven Überraschungseffekte und preise andererseits infolge dessen eine ähnliche Tendenz auch für das nächste Quartal. Zurecht, wie bereits erwähnt. Denn seit dem zweiten Quartal 2020, hätten insbesondere US-Unternehmen die Erwartungen des Marktes nicht nur erfüllen, sondern Quartal für Quartal bei weitem übererfüllen können.

Bereits das vierte Quartal 2020 habe schon wieder eine leicht positive Gewinnentwicklung gegenüber dem Vorjahr hervorgebracht. Nun würden mit dem ersten und zweiten Quartal 2021 jene beiden Berichtsphasen folgen, die erwartungsgemäß infolge des Basiseffekts und der klaren Erholungstendenzen der Weltwirtschaft die in diesem Jahr höchsten positiven Veränderungsraten bei den Unternehmensergebnissen aufweisen sollten.

Bei Euro-Staatsanleihen - vor allem bei französischen und deutschen Papieren - würden die Experten weiterhin zurückhaltend bleiben. Ausgenommen seien italienische Staatsanleihen, die die Experten neutral sehen würden. Schwellenländer-Hartwährungsanleihen würden sie im Vergleich zu globalen Staatsanleihen (vor allem aus den USA und aus Japan) als chancenreicher sehen.

Euro-Unternehmensanleihen (Non-Financials) würden die Experten gegenüber Euro-Staatsanleihen als bessere Wahl betrachten. Ebenso gegenüber anderer Euro-Non-Sovereign-Anleihen (Quasi Government, Collateralized Bonds). Der von den Experten beobachtete und erwartete kurzfristige Newsflow sollte diese Anleiheklasse weiter unterstützen.

Schwellenländer-Hartwährungsanleihen würden die Experten weiterhin positiv sehen und seien entsprechend positioniert. Emerging Markets-Hartwährungsanleihen hätten seit Anfang 2021 im Zuge stärker steigender US-Renditen und einer steileren US-Zinskurve leichte Verluste hinnehmen müssen. Ihre Risikoprämien seien jedoch nahezu unverändert geblieben. Die Experten würden denken, dass die Risikoprämien von Schwellenländer-Hartwährungsanleihen keinen wesentlichen Aufwärtsdruck verspüren würden.

Die internationalen Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen weiter zulegen können, wobei die Gewinnerliste von zyklischeren Marktsegmenten angeführt werde. Trotz negativer Nachrichten zum Thema Covid-19 (weitere Mutationen) würden die positiven Gewinnrevisionen sowie der Impffortschritt etwa in den USA stützen. Kurzfristig würden verschiedene Stimmungsindikatoren zwar zu Vorsicht mahnen (überkaufte Marktsituation), die Experten würden aber auf Sicht der nächsten Monate ein unverändert positives Kapitalmarktumfeld erwarten.

Auch bei Aktien aus den Emerging Markets sei in den letzten Wochen ein klarer Trend gut erkennbar: Aktien des Wachstumsbereichs ("Growth") seien im aktuellen Marktumfeld steigender Renditen deutlich mehr belastet als Aktien aus dem Wertebereich ("Value"). Nachdem mittlerweile Aktien aus dem Wachstumsbereich im Emerging-Markets-Index sehr hoch gewichtet seien, komme es aktuell zu einer Underperformance von Emerging Markets vs. entwickelter Märkte. Der Aufholprozess zyklischer aufgestellter Regionen setze sich fort.

Die Rohstoffmärkte würden sich in diesem Jahr weiterhin von der starken Seite zeigen. Nach den Anstiegen im Januar und Februar würden sich zuletzt vor allem die Energiepreise in einer Konsolidierungsphase befinden. In diesem sehr freundlichen Marktumfeld, mit steigenden Renditen in den USA, hätten sich Edelmetalle hingegen schwächer präsentiert. (Ausgabe vom 06.04.2021) (07.04.2021/alc/a/a)