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Kapitalmarkt: Niveaus nach wie vor gut, doch der Ausblick trübt sich etwas ein


08.06.18 16:07
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Argumentation für den positiven Aktienausblick der letzten Monate ruhte vor allem auf fundamentalen Faktoren: Positiver Wirtschaftsausblick, steigende Unternehmensgewinne, nur langsam steigende Inflation, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

Dieses für Aktien positive Umfeld habe dazu geführt, dass sich die Märkte nach der Korrektur wieder erholt hätten. In der Zwischenzeit habe sich die Gesamtsituation jedoch etwas eingetrübt. Einige Wirtschaftszahlen hätten zuletzt unter den Erwartungen gelegen und das Gewinnwachstum habe seinen Höhepunkt überschritten. Nur um sicher zu gehen: Das Niveau sei weiterhin gut, aber der Ausblick habe sich ein wenig verschlechtert. Und in aller Regel sei für die Finanzmärkte letzteres wichtiger als ersteres. Das allein hätte aber noch nicht gereicht, um Aktien vorsichtiger zu positionieren, auch technische Faktoren würden auf kürzere Sicht für eine Reduktion dieser Assetklasse sprechen.

So habe beispielsweise die steile Erholung in den letzten Wochen dazu geführt, dass die Märkte übergekauft seien und es daher unwahrscheinlich sei, dass die charttechnischen Widerstände bald überwunden werden könnten. Die Gewichtung von Positionen sei allerdings nicht nur eine Frage bei den Aktien, sondern mehrdimensional. Wenn Aktien bevorzugt würden, müssten natürlich andere Kategorien geringer gewichtet sein. Wir hatten diese Übergewichtung der Aktien zulasten von Euro Staatsanleihen, so die Experten der der Raiffeisen KAG. Diese seien zuletzt spürbar gefallen, somit sei die Positionierung durchaus vorteilhaft gewesen.

Die Gründe für die Rückgänge seien zum Teil jedoch andere als erwartet gewesen. Nicht nur der positive Wirtschaftsausblick habe zu steigenden Renditen geführt, sondern insbesondere das neuerliche Auflodern des politischen Risikos in Italien habe vor allem die Anleihen der Südländer belastet. Politische Risiken würden regelmäßig zu steigenden Schwankungen an den Märkten führen. Allzu oft stelle sich jedoch - gemäß der Börsenweisheit, dass politische Märkte kurze Beine hätten - nach absehbarer Zeit eine Beruhigung ein. Die Situation in Italien werde da keine Ausnahme bleiben. Folgerichtig würden die Experten nun vermehrt wieder auf Anleihen setzen.

Ausgehend von sehr hohen Niveaus hätten sich die Konjunkturindikatoren insbesondere in Europa eingetrübt. Alles beherrschend sei die Divergenz zwischen europäischen Peripherie-Renditen und Kerneuropa-Renditen, die durch die politischen Querelen in Italien verursacht worden sei. Der geldpolitisch begründete Anstieg des US-Dollar habe gegenüber dem Euro, aufgrund einer nun wieder aus Tapet gebrachten möglichen Euro-Krise, weiteren Antrieb erhalten.

An den europäischen Unternehmensanleihe-Märkten seien die Risikoprämien in den letzten paar Wochen stark angestiegen. Verursacht worden sei diese Entwicklung durch die Turbulenzen rund um die Regierungsbildung in Italien. In den europäischen High-Yield Anleihe-Indices betrage das Gewicht italienischer Emittenten rund 10% und habe somit dieses Segment vergleichsweise deutlich belastet. Vielen Emittenten falle es im aktuellen Umfeld schwerer, sich zu refinanzieren und gestiegene Primärmarktprämien würden die Spreads am Sekundärmarkt vorerst weiter mit nach oben ziehen.

Der Anstieg der realen US-Renditen habe sich negativ auf Schwellenländer-Anleihen ausgewirkt.

Sowohl die Finanzierungsbedingungen als auch die relative Anlageattraktivität hätten sich damit verschlechtert. Auf der Währungsseite hätten zusätzlich zu den global wirkenden US-Zinsen auch "hausgemachte" Themen wie in der Türkei und Brasilien teilweise dramatische Abwertungen bewirkt. Das wirtschaftliche Bild bleibe grundsätzlich positiv, auch wenn die Gegenkräfte - Trump'sche Handelspolitik, US-Zinsen, hausgemachte Probleme - zuletzt stärker geworden seien.

Die entwickelten Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen zulegen können. Eine Entspannung bei einigen Belastungsthemen der letzten Monate (Ängste vor einem globalen Handelskrieg, Liquiditätsrückführung durch die Notenbanken) habe diese Entwicklung unterstützt. Die Experten würden jedoch erwarten, dass diese Themen auch in den kommenden Monaten immer wieder für Volatilität an den Märkten sorgen würden. Das fundamentale Umfeld (Konjunkturumfeld und Ausblick für Unternehmensgewinne) präsentiere sich nach wie vor positiv - wenngleich etwas schwächer als noch vor ein paar Wochen angenommen. Nach den Kursanstiegen der letzten Wochen seien die Experten aber wieder etwas vorsichtiger gestimmt.

Die Euphorie, die im Januar an den Emerging Markets geherrscht habe, sei einigermaßen verflogen. Dabei habe sich an den fundamentalen Gegebenheiten kaum etwas geändert. Vielmehr handele es sich hierbei wohl um eine Anpassung einer überhöhten Positionierung von Investoren in dieser Assetklasse. Sehe man sich die Gewinnentwicklung der einzelnen EM-Regionen an, gehe der Trend weiterhin den richtigen Weg. Insbesondere der asiatische Raum zeige eine sehr ansprechende Entwicklung. Gesamt würden Emerging Markets-Aktien relativ attraktiv bewertet bleiben. (08.06.2018/alc/a/a)