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Jerome Powell: Der neue starke Mann der FED


05.12.17 11:15
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Anfang November ließ US-Präsident Donald Trump die Katze aus dem Sack und nominierte Jerome Powell als künftigen Chef der amerikanischen Notenbank (FED), so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate".

Powell solle Nachfolger von Janet Yellen werden, die im Februar 2018 nach nur vier Jahren Amtszeit als FED-Oberhaupt abgelöst werde. Die Märkte hätten kaum auf die Nominierung reagiert, da sich in den Tagen zuvor Powell bereits als Favorit herauskristallisiert habe.

Powell sei bereits im Jahr 2012 von US-Präsident Barrack Obama in das Gremium der FED-Gouverneure berufen worden und habe seither alle Entscheidungen der jeweils amtierenden Notenbank-Vorsitzenden mitgetragen. Weder in den zwei Jahren unter Ben Bernanke (bis 2014) noch in der bisherigen Amtszeit unter Janet Yellen (seit 2014) habe er sich gegen eine Entscheidung gestellt. Daher würden die Märkte davon ausgehen, dass er die Geldpolitik seiner Vorgänger, die er jahrelang unterstützt habe, künftig fortsetze.

Da es die Finanzmärkte in Hausse-Phasen bevorzugen würden, wenn alles so bleibe, wie es sei, stehe der Führungswechsel in der FED erst einmal für Kontinuität. Es sei nicht davon auszugehen, dass Donald Trump dem designierten Notenbankchef künftig vorgebe, welchen geldpolitischen Kurs er zu fahren habe. Jerome Powell habe bei seiner Nominierung im Rosengarten des Weißen Hauses klar betont, dass er seine Entscheidungen objektiv und nach bestem Wissen im Sinne der langjährigen Tradition der "unabhängigen" Geldpolitik treffen wolle. Dennoch mache die Nominierung von Powell für Trump Sinn, denn Powell genieße in Washington einen guten Ruf und könnte die US-Notenbank, den Senat und das Repräsentantenhaus, die in den vergangenen Jahren nicht immer einer Meinung gewesen seien, wieder näher zusammenbringen. Um seine zahlreichen Vorhaben in die Tat umzusetzen, dürfte Donald Trump vor allem ein wohlgesonnener Kongress in die Karten spielen.

Ein weiterer Grund für den Führungswechsel dürfte Trumps Wunsch zur Deregulierung des Finanzsektors gewesen sein. Powell gelte der Finanz-Deregulierung gegenüber als aufgeschlossener als Janet Yellen. Gemeinsam mit dem erst am 13. Oktober von Trump in das FED-Gremium berufenen Randal Quarles, der als Vizepräsident für die Aufsicht über den Bankensektor verantwortlich sei, solle Powell die Deregulierung beschleunigen.

Gemessen würden dürfte Powell aber daran, wie er auf Veränderungen der Konjunkturbedingungen reagieren werde. Sein Einstieg sei erst einmal keine große Herausforderung. Janet Yellen habe sowohl die Zinswende als auch den Bilanzabbau eingeleitet. Dem eingeschlagenen Kurs seiner Vorgängerin werde Powell somit erst einmal folgen und den Leitzins weiter behutsam anheben. Sollte die neue US-Steuerreform vom Kongress abgesegnet werden, sei jedoch mit einer Wachstumsbeschleunigung der US-Wirtschaft und einem Anstieg der Inflation zu rechnen. Powells wichtigste Aufgabe dürfte dann sein, hier die richtige Balance zu finden. Entscheidend werde auch sein, auf welchem Niveau Powell eine normale Geldpolitik definiere und sowohl Zinserhöhungen als auch den Bilanzabbau einstelle. (Ausgabe Dezember 2017) (05.12.2017/alc/a/a)