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Janus Henderson Corporate Debt Index: Nettoverschuldung der Unternehmen wird 2021 zunehmen


07.07.21 08:30
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Laut dem jährlichen Janus Henderson Corporate Debt Index haben die Unternehmen weltweit im Jahr 2020 Schulden in Rekordhöhe von insgesamt 1,3 Billionen Dollar aufgenommen, während die Gewinne weltweit um ein Drittel gesunken sind, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Die Gesamtverschuldung (ohne Berücksichtigung von Cash-Beständen) sei um 10,2% auf ein Allzeithoch von 13,5 Billionen US-Dollar für das Geschäftsjahr 2020 gestiegen. Die Unternehmen hätten Cash aufgenommen, um sich für eine globale Rezession und mögliche Einschränkungen beim Zugang zu den Finanzmärkten zu wappnen.

Die Unternehmen hätten jedoch nahezu nichts von diesen neuen Schulden ausgegeben und bis heute so gut wie keine weiteren Anleihen im Jahr 2021 emittiert. Die Analyse von Janus Henderson zu den weltweiten Unternehmensanleihemärkten zeige, dass die Gesamtverschuldung in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 nur um 1% weiter gestiegen sei.

Diese Sparsamkeit habe dazu geführt, dass die Nettoverschuldung der Unternehmen (Gesamtverschuldung abzüglich Cash) weltweit nur um 151 Mrd. US-Dollar gestiegen sei und das Jahr mit 8,30 Billionen US-Dollar geschlossen habe (im Vergleich zu 8,15 Billionen US-Dollar vor einem Jahr). Bereinigt um Wechselkursschwankungen habe der Anstieg nur 36 Mrd. US-Dollar betragen.

Für 2021 erwarte Janus Henderson, dass die Gesamtverschuldung weitgehend unverändert bleibe, die Nettoverschuldung jedoch schnell ansteigen werde, da die Unternehmen beginnen würden, einen Teil ihres Bargeldbergs abzutragen. Die Nettoverschuldung dürfte in diesem Jahr um 500 bis 600 Mrd. US-Dollar auf 8,8 bis 8,9 Billionen US-Dollar steigen.

Janus Henderson sehe beträchtliche Chancen für Anleiheinvestoren, da die Kombination aus sich verbessernden Fundamentaldaten und den Maßnahmen der Zentralbanken als Reaktion auf die Pandemie ein günstiges Umfeld sowohl für das Angebot an als auch die Nachfrage nach High Yield-Anleihen biete.

Die Bemühungen, die Ausgaben zu reduzieren, hätten dazu geführt, dass der größte Teil der Neuverschuldung immer noch als Liquidität oder Wertpapiere in den Bilanzen der Unternehmen liege. Die Cash-Bestände seien um 1,1 Billionen US-Dollar auf einen Rekordwert von 5,2 Billionen US-Dollar im Jahr 2020 gestiegen und damit in einem Jahr fast doppelt so schnell wie in den vergangenen fünf Jahren insgesamt.

Anstatt neue Kredite auszugeben, hätten Unternehmen stattdessen Maßnahmen zur Stärkung ihrer Bilanzen ergriffen. Die Unternehmen im Janus Henderson Corporate Debt Index hätten Dividenden in Höhe von 130 Mrd. US-Dollar gestrichen, Investitionen gekürzt, Hunderte von Milliarden US-Dollar von Aktionären und durch den Verkauf von Vermögenswerten eingenommen und Aktienrückkäufe reduziert. Im Zuge der anhaltenden Erholung prognostiziere Janus Henderson jedoch einen Boom bei Investitionen, Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen für das zweite Halbjahr 2021 und danach.

"Auch in Deutschland werden die Unternehmen von dem nun wieder positiven wirtschaftlichen Umfeld und dem daraus folgenden Investitionsboom profitieren", sage Daniela Brogt, Head of Sales Germany & Austria bei Janus Henderson Investors. Und weiter: "Davon sollten insbesondere auch unsere Anlagelösungen im Hochzinsbereich profitieren."

Für Anleiheinvestoren würden sich einige interessante Möglichkeiten bieten, da sich die Bonität verbessere, insbesondere im High Yield-Segment. Janus Henderson erkenne erheblichen Spielraum bei der Identifizierung von Rising Stars im kommenden Jahr, einschließlich der Erholung einiger der Fallen Angels des letzten Jahres. Die Portfoliomanager würden auf Nahrungsmittel und Getränke (z.B. Kraft), ausgewählte Automobilhersteller (z.B. Ford) sowie Chancen im Energie- und Konsumsektor setzen.

Tom Ross und Seth Meyer, Portfoliomanager für Fixed Income bei Janus Henderson Investors, würden erklären: "Unternehmen auf der ganzen Welt haben die letzten 16 Monate mit beeindruckendem Können gemeistert. Ein Investitionsboom ist nach dem durch Corona verursachten Stopp sehr wahrscheinlich. Dies wird einen Großteil des Rückgangs der Cash-Bestände in diesem Jahr bewirken, aber auch Aktienrückkäufe und höhere Dividenden werden ihren Teil dazu beitragen."

"Für Anleiheinvestoren gibt es im Moment einige wirklich interessante Möglichkeiten. Die Aussicht auf ein höheres Wirtschaftswachstum und steigende Inflation wird normalerweise als negativ für festverzinsliche Wertpapiere erachtet, aber sie bedeutet auch eine Verbesserung der Fundamentaldaten: besserer Cashflow, verbesserte Verschuldungsquoten. Entscheidend ist, dass die Märkte für Unternehmensanleihen keine einheitliche Anlageklasse sind. Obwohl die Fremdkapitalkosten insgesamt niedrig sind, wollen Unternehmen im Ranking aufsteigen, da es immer noch billiger wird. Die Mehrkosten für die Kreditaufnahme eines BB-Emittenten sind 100 Basispunkte höher als für einen BBB-Emittenten, der nur eine Stufe besser eingestuft ist."

"Entscheidend ist, dass sich der High Yield-Markt in einem ständigen Wandel befindet. Auf der einen Seite gibt es Anleihen, die zwischen Investment Grade und High Yield hin und her pendeln. Auf der anderen Seite gibt es Anleihen, die kurz vor dem Ausfall stehen. Gleichzeitig gibt es Hunderte verschiedener Emittenten, die entlang des Kreditspektrums um ihre Position kämpfen. Wenn sich diese Positionen ändern, bewegen sich die Anleihekurse und schaffen so Investitionsmöglichkeiten."

"Ein starkes Wirtschaftswachstum kann eine dauerhaft höhere Inflation auslösen. Es ist jedoch wichtig, dass die Angst vor höheren Zinsen, die die Rendite schmälern, die Anleger nicht davon abhält, die potenziellen Chancen zu nutzen. Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken die wirtschaftliche Erholung weiterhin unterstützen werden, indem sie die Zinssätze niedrig halten und das Anleihekaufprogramm fortführen (quantitative Lockerung). Dies sollte ein günstiges Umfeld sowohl für das Angebot als auch für die Nachfrage nach High Yield-Anleihen schaffen, wodurch sich Chancen für eine gute Titelauswahl ergeben."

Zum Ausfallrisiko würden Ross und Meyer hinzufügen: "Die Ausfallraten waren in der Pandemie dank staatlicher Unterstützung sehr niedrig. Wir erwarten, dass sie niedrig bleiben, vielleicht unter 1% in diesem Jahr und nur leicht höher im nächsten. Sicherlich ist die Verschuldung gestiegen, aber die Liquidität hat sich erhöht, die Märkte sind offen und der freie Cashflow nimmt zu, sodass die Unternehmen ausreichend Rückenwind haben. Es gibt immer noch Risikobereiche. Fluggesellschaften zum Beispiel bleiben anfällig für unvorhersehbare politische Entscheidungen über internationale Reisen. Auch der allgemeine Freizeit- und Gastgewerbesektor leidet stark unter dieser Unsicherheit." (07.07.2021/alc/a/a)