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Italienische und spanische Staatsanleihen sowie Euro-Unternehmensanleihen mit guter Bonität weiter attraktiv


05.10.20 12:30
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Wahl in den USA wirft ihre Schatten voraus, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).

Die erste TV-Konfrontation deute darauf hin, dass für die kommenden Wochen keine niveauvolle Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten zu erwarten sei. Das habe viele Wähler und Beobachter enttäuscht zurückgelassen. Offen sei nun auch, welche Auswirkung die Covid-19-Erkrankung Trumps auf die weiteren geplanten TV-Duelle und natürlich auch auf seine politischen Aktionen haben werde. Für die Finanzmärkte sei es wichtig, dass es am Wahlabend, oder wenigstens innerhalb von wenigen Tagen nach der Wahl, einen anerkannten Sieger geben werde. Doch daran gebe es beträchtliche Zweifel. Und auch das Gezerre um zusätzliche Fiskalspritzen in den USA trage nicht unbedingt zu einer positiven Stimmung am Markt bei. Überbewerten sollte man diese politischen Einflüsse aber nicht, insbesondere was den mittelfristigen Ausblick betreffe. Die Wahl werde vorübergehen und früher oder später würden die USA einen Präsidenten und ein Fiskalpaket haben. Eine erhöhte Volatilität sei in den nächsten Wochen dennoch zu erwarten.

Andererseits gebe es auch positive Einflussfaktoren. Zunächst sei die Weltwirtschaft auf Erholungspfad, auch wenn der eine oder andere Indikator vorübergehend schwächele. Die Unternehmensgewinne hätten ihre Talsohle durchschritten und würden im nächsten Jahr zweistellig wachsen. Und am Anleihemarkt seien die Renditen vieler Segmente, wie etwa Euro-Staatsanleihen, wieder zu ihren Tiefständen zurückgekehrt und damit unattraktiver geworden. Die taktische Strategie sei nun, die Positionierung für eine mittelfristig positiv erwartete Marktphase einzugehen. Die Marktkorrektur der letzten Wochen habe gute Gelegenheiten geboten, den Aktienanteil wieder stärker aufzubauen. Bestimmt würden sich Rücksetzer, die in den nächsten Wochen durchaus wahrscheinlich seien, für diese Strategie nutzen lassen.

In dieser Assetklasse sähen die Experten der Raiffeisen KAG bei Staatsanleihen der europäischen Peripherie die größten Chancen, insbesondere bei italienischen und spanischen Staatsanleihen, deren Risikoprämien zuletzt weiter gesunken seien. Sie befänden sich nun auf Niveaus vom Februar 2020. Das weitere Abwärtspotenzial sei definitiv gesunken. Aber: Selbst wenn Peripherie-Spreads in etwa auf den aktuellen Niveaus verharren würden, würden Anleihen der Peripherie relativ zu Staatsanleihen Kerneuropas attraktiv bleiben.

Die Experten der Raiffeisen KAG würden den Euro-Investmentgrade-Unternehmensanleihe-Markt weiterhin als attraktiv erachten und sähen diese Anleihekategorie gegenüber europäischen Staatsanleihen als chancenreicher. Hingegen seien die Experten bei US-Dollar-High-Yield-Unternehmensanleihen inzwischen etwas vorsichtiger geworden.

Nachdem wir Schwellenländer-Hartwährungsanleihen über Monate hinweg gegenüber globalen und europäischen Anleihen favorisiert haben, sehen wir für diese Assetklasse nun gewisse Risiken, so die Experten der Raiffeisen KAG. Denn vor dem Hintergrund der Unwägbarkeiten der politischen Entwicklung vor der US-Präsidentschaftswahl Anfang November und der zuletzt stärker angestiegenen Covid-19-Infektionsraten könnten diese von einer abermaligen gedämpften globalen Handelsaktivität stark negativ getroffen werden.

An den internationalen Aktienmärkten sei es in den letzten Wochen zu einer leichten Konsolidierung gekommen. Die umfangreichen Fiskalpakete und geldpolitischen Maßnahmen würden weiterhin einen wichtigen Unterstützungsfaktor darstellen. Erfreulich sei, dass sich die negative Gewinnrevisionsdynamik zuletzt deutlich abgeflacht habe bzw. teilweise sogar ins Positive gedreht habe.

Mittlerweile könne zweifelsfrei festgestellt werden, dass Asien am wenigsten weit von einer Form der Normalität entfernt sei. Insbesondere in China würden sich kaum mehr Einschränkungen der wirtschaftlichen Leistungen durch Corona erkennen lassen. Das sehe man an der deutlich stabileren Gewinnentwicklung der asiatischen Unternehmen. In der Peripherie der Emerging Markets (Lateinamerika und Osteuropa) seien die Spuren der Covid-19-Krise dafür überdeutlich.

Nach einer Erholung in den letzten Monaten hätten sich die Rohstoffpreise zuletzt seitwärts entwickelt. Bei den zyklischeren Sektoren (Energie- und Industriemetalle) sähen die Experten der Raiffeisen KAG das kurzfristige Aufwärtspotenzial limitiert. Nach einer übertrieben positiven Marktstimmung würden sie die Korrektur der letzten Wochen bei Edelmetallen zu einem Positionsaufbau nutzen. Die unverändert sehr expansiven globalen Notenbanken in Kombination mit deutlich negativen Renditen bei sicheren Staatsanleihen würden diesen Sektor weiterhin unterstützen. (05.10.2020/alc/a/a)