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Vor der Italien-Wahl: Wie werden italienische Staatsanleihen reagieren?


02.03.18 10:45
M&G Investments

London (www.anleihencheck.de) - Vor den italienischen Wahlen an diesem Wochenende zeigt sich, wie deutlich sich der makroökonomische Kontext im Vergleich zu dem früherer Wahlen unterscheidet, so die Experten von M&G Investments.

Das europäische BIP sei im vergangenen Jahr um 2,5% gewachsen. Und obwohl Italien etwas hinter dem Rest Europas zurückgeblieben sei, habe es 2017 ebenfalls ein sehr positives Wachstum von 1,5% verzeichnet.

Die Auswirkungen der bevorstehenden Wahlen auf die Preise italienischer Assets seien bisher minimal gewesen. Das sei nicht verwunderlich, wenn man die Kombination zweier positiver Stimmungsfaktoren betrachte. Erstens habe sich die Wahrnehmung des politischen Risikos seit den französischen Wahlen 2017 erheblich verringert. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die gleiche Wahl vor zwei oder drei Jahren als eine der Hauptursachen für die Verunsicherung der Märkte angesehen worden wäre. Aber das sei heute nicht der Fall. Zweitens habe sich die Marktstimmung in Anbetracht des positiven makroökonomischen Umfelds deutlich verbessert.

Was die Aktienmärkte anbelange, so seien die Bewertungen in Europa im Allgemeinen attraktiv. Der italienische Leitindex FTSE MIB sei tatsächlich einer der günstigsten in der Region. Die Fundamentaldaten rund um den Index seien nach wie vor stark. Und da sich diese nicht verschlechtern würden, könnte jede Volatilität, die sich aus den Wahlen ergebe, durchaus eine Einstiegsmöglichkeit darstellen, wie man sie nach dem Verfassungsreferendum 2016 gesehen habe. In Bezug auf die Branchen und für Investoren, die optimistisch auf das aktuelle Wirtschaftswachstum blicken würden, könnte es interessante Möglichkeiten im lokalen Finanzsektor geben, wo derzeit die Bankerträge steigen würden und sich die Qualität ihrer Bilanzen verbessere.

Wenn man sich den italienischen Anleihemarkt und insbesondere die BTPs (Buoni del Tesoro Poliennali), also die Staatsanleihen, ansehe, zeige sich ein anderes Szenario - je nachdem, wie man als Investor an die Sache herangehe. Für Anleger, die direkt in BTPs mit einer aktuellen Rendite von 2% investieren würden, habe das Wahlumfeld eine risikoreichere Konnotation. Die Wirtschaft der Eurozone wachse recht schnell, was sich in einem Aufwärtsdruck auf die Renditen niederschlage. Darüber hinaus dürfte die Nachfrage nach italienischen BTPs, unterstützt von der EZB, zurückgehen, wenn das QE-Programm zurückgefahren werde.

Anleger, die dagegen auf den Spread zwischen italienischen BTPs und deutschen Bundesanleihen setzen würden, könnten sich über das Wachstum der Eurozone freuen. Für sie sei die Umkehrung der expansiven Geldpolitik eine gute Nachricht. Das QE-Programm der EZB habe die Preise vor allem für Bundesanleihen verzerrt, weniger jedoch für BTPs.

Italienische Staatsanleihen würden auf die drei wahrscheinlichsten Szenarien, die sich aus den Wahlen ergeben würden, unterschiedlich reagieren. Wenn es eine Große Koalition gebe, könne man davon ausgehen, dass die Märkte dies positiv werten und sich die Spreads verringern würden. Dies werde aber nur langsam passieren, da die politische Unsicherheit für eine Weile bestehen bleiben könnte. Eine Mitte-Rechts-Koalition könnte kurzfristig als stabiler angesehen werden. Aber mittel- bis langfristig werde die Reaktion des Marktes von dem von der Regierung durchgeführten Ausgabenplan abhängen. Das Szenario, das als das unsicherste wahrgenommen werde, wäre ein Sieg der Fünf-Sterne-Bewegung. Dann wäre auf kurze Sicht ein Markteinbruch möglich, wobei sich der BTP-Bundesanleihen-Spread auf 200 Basispunkte ausweiten könnte.

Allerdings sei die Fünf-Sterne-Bewegung in letzter Zeit konstruktiver gegenüber der Europäischen Union gewesen. Und wenn dieser Trend anhalte, würden sich die Spreads mittel- bis langfristig wieder verringern, sobald sich die Märkte an die neue Realität gewöhnt hätten. (02.03.2018/alc/a/a)