Ist es die Angst vor Inflation oder vor einer Finanzkrise?


11.05.18 11:45
Janus Henderson Investors

London (www.anleihencheck.de) - Nick Maroutsos und Daniel Siluk, Fixed Income-Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors und Fondsmanagers des Janus Henderson Absolute Return Income Fund (ISIN IE00BZ76W439/ WKN A2AEJW), diskutieren über die Marktaussichten und ob Inflation und eine flachere Renditekurve Grund zur Sorge sind.

In allen großen Regionen der Welt brumme die Wirtschaft und wachse synchron. Den UN-Prognosen zum Bevölkerungswachstum zufolge werde die Zahl der Arbeitnehmer bis 2030 weltweit um weitere 700 Millionen steigen. Das könnte der Produktivität und dem Wachstum der globalen Wirtschaft enormen Schub verleihen (Quelle: UN-Bevölkerungsabteilung, Weltbevölkerungsprognosen 2017, Altersgruppe 15-64 Jahre, 2015 bis 2030). Derweil hätten die Asset-Preise rund um den Globus ein solides Niveau erreicht oder seien sprunghaft gestiegen. Warum aber seien die Optimisten dann so dünn gesät?

Nach Einschätzung der Experten von Janus Henderson Investors ist die Inflation durch technologische Neuerungen schlichtweg obsolet geworden. Das seien schlechte Nachrichten für nicht bzw. gering qualifizierte Arbeitskräfte und früher oder später selbst für Facharbeiter. Denn immer dann, wenn die Arbeitskosten stark steigen und Arbeitnehmer nach mehr Urlaub sowie besserer Kranken- und Altersversorgung rufen würden, würden rasante technologische Entwicklungen dafür sorgen, dass Unternehmen (und der Staat) hart arbeitende Menschen durch Maschinen ersetzen würden. Die würden den gleichen Job besser, billiger und ohne Murren machen. Computer würden nicht streiken und keine Lohnerhöhung fordern. Dieser unglaublich starke Substitutionseffekt werde nach Erachten der Experten auf lange Sicht die Lohninflation im Zaum halten.

Seit den 1990er Jahren befänden sich die Zentralbanken rund um den Globus in einem groß angelegten Ausbildungsprogramm. Zunächst hätten sie den "Greenspan Put" erforscht, die Bernanke-Hochschule des Helikoptergelds mit Auszeichnung abgeschlossen, im Draghi-Institut für "Alles Nötige tun" promoviert und sich schließlich aller Zweifel durch die radikale Laborarbeit der Japaner entledigt im Stile "Egal was wir tun und wie viel wir ausgeben, Inflationsexperimente sind tabu". Nach der Volatilität an den Märkten zu schließen, seien die smartesten und finanzstärksten professionellen Anleger offenbar der Meinung, dass die Risiken an den Finanzmärkten so gering seien wie selten zuvor. Daraus spreche ein enormes Vertrauen darauf, dass die Währungshüter schon bei leichten Turbulenzen eingreifen und Vermögenswerte kaufen würden, um die Stabilität wieder herzustellen.

Nicht nur die Australische Zentralbank und die US-Notenbank (FED), auch die Englische Zentralbank (Bank of England), die Japanische Zentralbank (Bank of Japan) und die Europäische Zentralbank: Sie alle hätten nach der Krise unverzüglich interveniert und den Aktienmärkten über billige bzw. kostenlose Liquidität und Anleihekäufe neues Leben eingehaucht. Aber würden sie auch künftig zur Stelle sein? Man werde sehen, aber offenbar hätten sie einen Präzedenzfall geschaffen. Bis auf weiteres würden die Zentralbanker wohl einen vorhersagbaren, wenig aufregenden Kurs in der Geldpolitik steuern und sich nicht nur bei Zinsstraffungen, sondern auch beim Zurückfahren ihrer Anleihekaufprogramme Zeit lassen.

Und dennoch: Spreche man mit Regierungsvertretern, Finanzexperten, Menschen auf der Straße und Taxifahrern oder lese Zeitung, dränge sich der Eindruck auf, dass viele die aktuelle Lage als sehr fragil und unbefriedigend erleben würden und die Weichen für eine Katastrophe gestellt seien. Nach wie vor würden viele Anleger vor Aktien und Risikoanlagen zurückschrecken, wie die Unsummen an Kapital belegen würden, die in Japan, Europa und den USA in Spar- und Tagesgeld angelegt seien. Und das, obwohl diese nur kümmerliche oder sogar Minusrenditen abwerfen würden. Was um Himmels Willen sei da los? Wenn es ums Anlegen geht, rät unser Verstand offensichtlich zur Zuversicht, unser Gefühl aber zur Vorsicht, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Der Ökonom Hyman Minsky sei, wenn auch posthum, Namensgeber des Minsky-Moments. Krisen an den Finanzmärkten habe er für unausweichlich gehalten. Je länger der Konjunkturaufschwung in einer Wirtschaft, umso sorgloser die Marktteilnehmer. Sie würden höhere Risiken eingehen, mehr Schulden machen und damit den Boden für die nächste Phase der Instabilität bereiten.

Könnten demnach die niedrigen Niveaus bei den Volatilitätsindices die Ruhe vor dem Sturm sein? Seien Präsident Trumps Maßnahmen zur Deregulierung der Banken Anzeichen für ein Lockern der Zügel, die derzeit noch die Spekulanten im Zaum halten würden? Oder verlagere sich der Fokus der Regulierer schlicht und ergreifend auf andere Branchen wie die Technologie? Sei das sich schneller drehende M&A-Karussell ein Hinweis auf unternehmerische Hybris oder nur eine vernünftige Strategie, sich Wachstum einzukaufen, solange die Finanzierungskosten noch so niedrig seien?

Pessimisten würden auf die sich abflachende Renditekurve in den USA verweisen, die ihnen Sorgen mache. In der Vergangenheit sei eine inverse Kurve mit Renditen zehnjähriger Treasuries unter denen ihrer zweijährigen Pendants Vorbote einer Rezession und ein gutes Barometer für zunehmende Zahlungsausfälle an den Unternehmensanleihemärkten gewesen. Ein fehlendes positives Renditegefälle heiße schließlich nichts anderes, als dass der Markt den Konjunkturausblick auf längere Sicht weniger rosig einschätze als auf kurze Sicht.

Im April sei dieses Gefälle zwischen dem zwei- und zehnjährigen Segment auf unter 50 Basispunkte gesunken. Aus der Zeit Mitte bis Ende der 1990er wisse man jedoch, dass dieser Laufzeitbereich über Jahre mit Negativzinsen liebäugeln könne, ohne dass man es mit einer Rezession zu tun habe. Die Frage laute deshalb: Werde die FED an all ihren prognostizierten Zinsschritten festhalten, wenn sie glaube, dass diese eine inverse Renditekurve nach sich ziehen würden?

Wo im Zyklusverlauf wir uns gegenwärtig befinden, lässt sich nur schwer bestimmen, so die Experten von Janus Henderson Investors. Und das sei einer Gründe, die einen flexiblen Ansatz in der Festzinsanlage so wertvoll machen würden. Denn er gebe den Fondsmanagern mehr Spielraum, auf Veränderungen an den Märkten und in der Wirtschaft zu reagieren.

Die Experten von Janus Henderson Investors haben keinen Zweifel daran, dass sich das weltweit starke synchrone Wachstum fortsetzt. Und ebenso sicher dürfte sein, dass es immer wieder zu Korrekturen an den Märkten komme. Aber die Zentralbanken würden ihr Möglichstes tun, um die Höhen und Tiefen mit ihren neuen Instrumenten und mit Anleihekäufen zu glätten. Die Weltbevölkerung werde weiter wachsen und mit ihr die technologiegetriebene Produktivität. Auf einen Aufschwung wird ein weiterer Abschwung folgen: Aber die Weltwirtschaft wird nach unserer Einschätzung weiter solide wachsen, so die Experten von Janus Henderson Investors.

Und schließlich sollten sich Anleger auf anhaltend flachere Renditekurven einstellen, denn die von den Zentralbanken begünstigte niedrige Volatilität wird ein zentrales Merkmal unserer neuen globalen Realität bleiben, so die Experten von Janus Henderson Investors. (Ausgabe vom 09.05.2018) (11.05.2018/alc/a/a)





hier klicken zur Chartansicht

Aktuelle Kursinformationen mehr >
Kurs Vortag Veränderung Datum/Zeit
10,21 $ 10,21 $ -   $ 0,00% 23.05./-
 
ISIN WKN Jahreshoch Jahrestief
IE00BZ76W439 A2AEJW 10,22 $ 10,09 $