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Ist die Inflation wirklich nur von kurzer Dauer?


03.11.21 12:58
Edmond de Rothschild Asset Management

Paris (www.anleihencheck.de) - Das globale Wirtschaftswachstum ist nach wie vor sehr robust, so die Experten von Edmond de Rothschild Asset Management.

Benjamin Melman, Global Chief Investment Officer von Edmond de Rothschild Asset Management, erwarte, dass die Dynamik weiter anhalten werde. "Mit Beginn der Berichtssaison für das dritte Quartal und trotz des unerwarteten und erheblichen Drucks auf die Produktionskosten - vor allem aufgrund der Energiepreise - ist es bemerkenswert, dass es nur sehr wenige Ergebniswarnungen gibt. Dies deutet darauf hin, dass die Gewinnspannen der Unternehmen robust sind", sage Benjamin Melman.

Als Grund nenne der Experte, dass Analysten in einem starken Wachstumsumfeld dazu neigen würden, die Auswirkung des Operating Leverage auf die Gewinne zu unterschätzen, dieser Effekt wiederum gleiche die Auswirkungen des Kostenanstiegs aus. Melman rechne deshalb damit, dass das Gewinnwachstum in absehbarer Zukunft weitergehe: "Analysten hingegen äußern sich für die Zukunft sehr vorsichtig, da das EPS-Wachstum 2022 für die wichtigsten entwickelten Märkte bei etwa 7 Prozent und damit unter den traditionellen 10 Prozent liegt."

Der fortschreitende Anstieg der Energiepreise und die anhaltenden Kapazitätsengpässe würden Zweifel am vorübergehenden Charakter der Inflation wecken. Viele Zentralbanken, darunter die Bank of England, würden nun von einem schneller als erwarteten Zinserhöhungszyklus sprechen. Die Federal Reserve (FED) und die Europäische Zentralbank (EZB), die vor kurzem ihre Inflationsziele geändert hätten, um nicht automatisch reagieren zu müssen, wenn die Inflation vorübergehend über 2 Prozent steige, hätten es laut Melman nicht eilig mit der Umsetzung weiterer Schritte. "Vorläufig zeigen die wichtigsten Indikatoren, dass die langfristigen Inflationserwartungen weder bei den Wirtschaftsakteuren noch bei den Anlegern verankert sind, was die derzeitige Einschätzung einer vorübergehenden Inflation und damit die Trägheit der beiden großen Zentralbanken rechtfertigt."

Je länger die Inflation jedoch kurzfristig anhalte, desto größer sei die Gefahr, dass die langfristigen Erwartungen nicht mehr verankert seien - wie es bei den inflationsgebundenen Anleihen im Vereinigten Königreich der Fall gewesen sei - und desto größer seien die Befürchtungen einer raschen Straffung der Geldpolitik. "Zweifellos werden die kurzfristigen Energiepreise weiterhin eine wichtige Rolle spielen, und die Anleger werden ihr Augenmerk auf das nächste OPEC Plus-Treffen am 4. November richten, bei dem entschieden werden soll, ob das Ölangebot erhöht werden kann", sage Melman. Außerdem würden Anleger die laufenden Verhandlungen über die Inbetriebnahme der Nord Stream 2-Pipeline beobachten, die Russland unter Umgehung der Ukraine mit Deutschland verbinden solle. "Die Marktanalyse zeigt, dass die Investoren derzeit davon ausgehen, dass die Inflation nur vorübergehend sein wird. Ein anhaltender Inflationsdruck könnte daher zu mehr Volatilität führen", füge Melman hinzu.

Edmond de Rothschild Asset Management nehme an, dass sowohl die FED als auch die EZB Maßnahmen soweit wie möglich hinauszögern würden, weshalb der französische Asset Manager vorerst nichts an seiner Anlage-Allokation geändert habe. "Wir haben im September europäische Aktien zugunsten von US-Aktien reduziert, aufgrund der höheren Sensibilität Europas gegenüber den chinesischen Unsicherheiten. Wir bevorzugen weiterhin unsere wichtigsten Post-Covid Themen: Big Data, Gesundheitswesen, die Energiewende und Humankapital", erkläre Benjamin Melman. (03.11.2021/alc/a/a)