Erweiterte Funktionen

Investoren sollten sich in Erinnerung rufen - Jerome Powell ist kein Anleihenmanager


15.07.21 09:00
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Es fühlt sich derzeit so an, als würden wir mindestens 40 Prozent unserer Zeit damit verbringen, über Inflation zu sprechen, oder genauer gesagt, darüber, warum die US-Notenbank FED eine andere Auffassung von Inflation zu haben scheint als nahezu jeder andere, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management, einer Tochter von Vontobel Asset Management.

Für Anleihemanager sei die Sorge um die Inflation verständlich; sie bedeute in der Regel Verluste bei US-Treasuries, was wiederum Verluste bei Kreditprodukten nach sich ziehen könne, bei denen der Spread zu gering sei, um die Zinsbewegung aufzufangen. Die endlosen Schlagzeilen der jüngsten Zeit, die dieses Thema zu generieren scheint, mögen einige Augen rollen lassen, aber wir denken, dass es eine Debatte ist, die es wert ist, geführt zu werden, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management. Denn wenn es eine Sache gebe, an die sich Anleihemanager überall erinnern sollten, dann sei es dies: Jerome Powell sei keiner von Ihnen. Monatelang hätten der Vorsitzende der US-Notenbank FED und andere führende Mitarbeiter den Marktteilnehmern eine zunehmend vertraute Diät der Beruhigung und des anhaltenden Engagements serviert, um die Erholung nach der COVID-19-Pandemie so lange wie nötig zu unterstützen.

Das sei bis zur letzten Sitzung des Federal Open Market Committee (FOMC) am 15. und 16. Juni auch der Fall gewesen, als die aktualisierten Dot Plots gezeigt hätten, dass einzelne FED-Mitglieder hawkischer geworden seien (der Median des Dot Plots sage nun zwei Zinserhöhungen im Jahr 2023 voraus). Ebenso habe die FED ihre eigenen Inflationserwartungen für 2021 deutlich von zwei Prozent auf drei Prozent angehoben.

Trotz der von vielen als "hawkish turn" empfundenen Wende habe Powell erneut betont, dass das Tempo der Ankäufe von Vermögenswerten durch die FED so lange beibehalten werde, bis substanziell weitere Fortschritte bei Beschäftigung und Inflation erzielt würden. Gleichzeitig habe er auch die Bedeutung der Dot Plots heruntergespielt. Angesichts der scheinbar widersprüchlichen Signale hätten die Renditen von US-Staatsanleihen entsprechend reagiert und seien zunächst auf 1,58 Prozent gesprungen, bevor sie sich auf ihrem Niveau von vor der Sitzung von 1,48 Prozent eingependelt hätten.

Der Kern von Powells Aussagen sei die fortgesetzte Behauptung der FED, dass sich jegliche Anzeichen von Preisinflation in der gegenwärtigen Phase des Aufschwungs als vorübergehend erweisen würden und letztlich angesichts der vorherrschenden disinflationären säkularen Trends der Globalisierung, des Abbaus von Gewerkschaften, der niedrigen Bevölkerungswachstumsraten und der Automatisierung schwinden würden. Allerdings könnten die jüngsten Datenpunkte für sich genommen dazu führen, dass ein Anleger das Mantra der FED zunehmend als hohl klingend betrachte. So habe der US-Verbraucherpreisindex im April einen jährlichen Preisanstieg von 4,2 Prozent gegenüber den Erwartungen von 3,6 Prozent gezeigt. Im Mai sei eine Beschleunigung von 5 Prozent gegenüber den Schätzungen der Umfrage von 4,7 Prozent gefolgt. Sei dieser ganze Aufschwung tatsächlich nur vorübergehend?

Man könne den bedeutenden Einfluss von Basiseffekten auf die jüngsten Inflationszahlen nicht außer Acht lassen. Die signifikanten Sprünge im Jahresvergleich würden zum Teil das niedrige Preisniveau in der Zeit widerspiegeln, als die COVID-19-Restriktionen am stärksten gewesen seien. Dementsprechend seien die Basiseffekte in den Sektoren, die am stärksten von COVID-19 betroffen gewesen seien, am deutlichsten gewesen, was auf eine vorübergehende Inflation hindeuten könnte, die sich normalisieren könnte, wenn die Schmerzen der Wiedereröffnung abklingen würden.

Dennoch ist aus unserer Sicht das potenzielle Risiko eines dauerhafteren Inflationsdrucks nicht gänzlich vom Horizont verschwunden, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management. Um es klar zu sagen: Mark Holman sage hier keinen neuen Regimewechsel voraus - der disinflationäre Druck, der die Weltwirtschaft vor der Pandemie gekennzeichnet habe, bleibe weitgehend intakt, aber es gebe eine Reihe von Gründen, warum der CEO von TwentyFour Asset Management glaube, dass man eine höhere Inflation sehen werde, als die FED derzeit zu erwarten scheine.

Nachdem die Volkswirtschaften weltweit nahezu ein Jahr heruntergefahren worden seien, würden Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten wie Halbleitern und steigende Rohstoffpreise auf die Schwierigkeit hinweisen, globale Lieferketten wieder in Gang zu bringen, wenn nicht alle Volkswirtschaften im gleichen Tempo wieder anlaufen würden. Kombiniere man dies mit einem globalen Bankensystem, das anders als in der Zeit nach der Finanzkrise gut kapitalisiert und geneigt zu sein scheine, Kredite zu vergeben, gebe es nach Meinung von Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management, genug Gründe, um eine hartnäckigere Inflation zu erwarten, als es die Haltung der FED vermuten lasse.

Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management, stelle sich die Frage, ob wir als Anleihemanager besorgt sein sollten, dass unsere Ansicht zur Inflation im Widerspruch zu der der FED zu stehen scheine. Nun, nicht unbedingt. Einfach ausgedrückt: Jerome Powell sei kein Anleihenmanager. Während Anzeichen für eine erhöhte Inflation die Anleiheinvestoren weltweit beunruhigen würden, bedeute das doppelte Mandat der FED, dass das dringende Problem für Powell die Vollbeschäftigung und die Sicherstellung des Aufschwungs für die gesamte US-Bevölkerung sei. Daher erscheine es verständlich, dass Powell und die FED eine Periode mit einer über dem Ziel liegenden Inflation als einen Preis betrachten würden, der es wert sei, bezahlt zu werden, damit acht Millionen US-Amerikaner wieder einen Job bekämen.

Die Aufgabe der FED sei es jetzt, den Aufschwung zu fördern und Kommentare zu vermeiden, die den Markt an dieser Verpflichtung zweifeln lassen würden. Als Anleihemanager wiederum ist es unsere Aufgabe, eine anständige Rendite für unsere Anlagen zu erzielen, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management. Meiner Meinung nach werde der Schlüssel dazu im restlichen Jahr 2021 darin liegen, das Risiko eines erneuten Ausverkaufs der Zinsen zu managen und gleichzeitig sicherzustellen, dass wir dem ausgesetzt bleiben, was eine rasante wirtschaftliche Erholung und sich schnell verbessernde Kreditgrundlage zu sein scheinen, so Mark Holman weiter.

Aus Holmans Sicht sei die wichtigste Überlegung das Management des Engagements in jenen Sektoren, die historisch gesehen am durationsempfindlichsten seien, da er davon ausgehe, dass die FED wesentlich inflationstoleranter sein werde, als man es sich als Anleihemanager leisten könne. Daher erscheine dem CEO Holman die Überlegung, das Engagement selbst in hoch bewerteten, durationsanfälligen Sektoren zu reduzieren, als ein kluger Schritt. Ebenso gebietet der Pragmatismus eine leichte Reduzierung des Gesamtrisikos für den Fall, dass wir eine gewisse Volatilität erleben, während die FED mit ihrer Botschaft und der daraus resultierenden Unsicherheit spielt; daher halten wir es für sinnvoll, Portfolios mit einer geringfügigen Erhöhung der Liquidität zu führen, um attraktive Bewertungsmöglichkeiten zu nutzen, sollten sie sich bieten, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.

Wir plädieren jedoch nicht für eine umfassende Rotation aus Risikoanlagen; wir glauben immer noch, dass sich die Kreditsektoren weiterhin positiv entwickeln werden und engere Spreads in diesem Zyklus vor uns liegen, insbesondere dort, wo die Kreditkomponente des Wertpapiers der dominierende Preistreiber ist und nicht die Verbindung zu den Zinsen, so Mark Holman, CEO von TwentyFour Asset Management.

Insgesamt laute Holmans Botschaft: Angesichts eines unsicheren Inflationsverlaufs und Arbeitsmarktausblicks könne es sich in der zweiten Jahreshälfte 2021 als effektive Strategie erweisen, etwas mehr Bargeld zu halten, um auf potenzielle Dips zu zielen, während das Engagement in durationsabhängigen Sektoren reduziert werde. (15.07.2021/alc/a/a)