Investmentidee: Rückenwind für Europäische Luftfahrtunternehmen - Anleiheanalyse


02.07.21 10:30
Bank Vontobel Europe AG

München (www.anleihencheck.de) - Für Vontobel sind die Aktien von Airbus und Deutsche Lufthansa eine Investmentidee und die Bank Vontobel Europe AG liefert Vorschläge, wie Anleger mit Anleihen von dieser Einschätzung profitieren können.

Nach dem Krisenjahr 2020 wachse der Optimismus in der Flugbranche. Denn mit dem Rückgang der Inzidenzen und den Lockerungen der Einschränkungen steige auch wieder die Nachfrage nach Flügen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr zeige sich daher wieder vorsichtig optimistisch. Nichtsdestotrotz befinde sich der Konzern aktuell im Umbau und plane milliardenschwere Einsparungen. Der größte Flugzeughersteller Airbus hingegen setze sich hohe Ziele und möchte die Flugzeugproduktion weiter ausbauen.

Aufgrund des steigenden Impffortschritts und der Lockerungen der Beschränkungen würden die deutschen Fluggesellschaften wieder optimistischer auf das Sommergeschäft blicken. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft habe gemeldet, dass ab Juli wieder 217 Orte in 38 Ländern von Deutschland aus angeflogen würden. Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Lufthansa AG, habe am Dienstag bei der Vorstellung der mittelfristigen Ziele der Kranich-Airline gesagt: "Jetzt ist es Zeit, mit Zuversicht nach vorne zu schauen". Bis 2024 prognostiziere er ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von mindestens acht Prozent, sowie ein Ergebnis auf das eingesetzte Kapital von mindestens zehn Prozent für die größte deutsche Fluggesellschaft.

Entgegen der besseren Buchungszahlen und der positiven Prognose habe der Kurs der Deutschen Lufthansa AG am Dienstag erst einmal wieder nachgegeben. Während die Aktie am Dienstag bei Eröffnung auf Xetra noch bei EUR 10,76 gelegen habe, habe das Papier zum Schluss schon über drei Prozent tiefer bei EUR 10,33 notiert. Die Zurückhaltung unter den Anlegern resultiere vor allem aus der näher rückenden Kapitalerhöhung, welche auf der Hauptversammlung des Unternehmens Anfang Mai bereits von den Aktionären genehmigt worden sei.

Aktionäre würden offenbar eine Verwässerung ihrer Anteile befürchten. Zur Vorbereitung seien bereits vier Banken mandatiert worden. Mit den bis zu EUR 5,5 Mrd. an frischem Kapital wolle man vor allem die unbeliebten Gelder aus dem staatlichen Rettungspaket zurückzahlen und somit die Einflussmöglichkeiten der Deutschen Bundesregierung verringern. Von den auf Deutschland entfallenden EUR 6,8 Mrd. an Hilfsgeldern habe die AirlineGruppe bisher nur knapp EUR 2 Mrd. genutzt. Die Hälfte hiervon sei mit Geld aus neuen Anleihen bereits wieder getilgt worden, womit der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit der Lufthansa bald umgesetzt werden könnte.

Der Konzern befinde sich aktuell im Umbau und plane, gestärkt aus der Krise zurückzukommen. Profitabilität wolle man vor allem durch massive Kosteneinsparungen erreichen. Etwa die Hälfte der geplanten Einsparungen in Höhe von EUR 3,5 Mrd. solle durch niedrigere Personalkosten erfolgen. Auch der Abbau von knapp 26.000 Mitarbeitern falle hierunter. Die Lufthansa Group verspreche sich durch die Kombination aus neuem Kapital und neuen Kostenstrukturen, in Zukunft wieder wettbewerbsfähiger zu werden.

Noch in der Hochphase der Pandemie habe der weltgrößte Flugzeughersteller Airbus massive Einschnitte hinnehmen müssen. Denn aufgrund ausbleibender Flüge sei die Produktion neuer Maschinen zeitweise um bis zu 40 Prozent gekürzt worden. Viele Airlines hätten entweder aus finanziellen Gründen bereits bestellte Maschinen nicht mehr übernehmen können oder aufgrund des Lockdowns sei es ihnen nicht möglich gewesen, die Jets an den Airbus Produktionsstandorten in Toulouse oder Hamburg abzuholen.

Mit Rückkehr des Flugverkehrs mache sich bei Airbus wieder vermehrt Optimismus breit und so setze man sich sehr optimistische Ziele für die Zukunft. Denn schon in zwei Jahren wolle der Konzern 64 Kurz- und Mittelstreckenmaschinen pro Monat produzieren und bis 2025 solle die Produktion sogar auf bis zu 75 Maschinen ausgeweitet werden. Ebenso solle die Auslieferungen des kleineren A220 nahezu verdreifacht werden. Der Chefökonom der International Air Transport Association (Iata) Brian Pearce erwarte eine rasche Erholung, denn bereits im zweiten Halbjahr 2021 solle die Nachfrage nach Flügen wieder deutlich anziehen. Ab 2023 sollten wieder mehr Menschen fliegen als vor dem Ausbruch der Pandemie.

Auch die politischen Rahmenbedingungen scheinen sich zu bessern, denn, wie kürzlich bekannt wurde, haben die EU und die USA einen Kompromiss im Streit über Strafzölle gefunden, so die Bank Vontobel Europe AG. Der Streit über die staatlichen Hilfen für den US-Flugzeugbauer Boeing und seinen europäischen Rivalen Airbus habe somit gelöst werden können. Bislang hätten beide Seiten über viele Jahre die jeweils eigenen Flugzeugbauer subventioniert und sich dann gegenseitig wegen Wettbewerbsverzerrung vor der Welthandelsorganisation WTO verklagt.

WTO-Schiedsgerichte hätten die Subventionen für illegal erklärt und milliardenschwere Strafzölle erlaubt. Unter dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump habe dieser Streit mit der Einführung von Strafzöllen auf Importe aus der EU eskaliert. Die EU wiederum habe mit Sonderabgaben für Einfuhren aus den USA reagiert. Am Rande des EU-USA-Gipfels in Brüssel hätten die Parteien bekannt gegeben, dass die gegenseitig verhängten Strafzölle für fünf Jahre ausgesetzt würden. "Dieses Treffen begann mit einem Durchbruch bei Flugzeug-Herstellern", habe EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärt. Die Flugzeughersteller Airbus und Boeing hätten die Einigung begrüßt. Die beiden Konzerne dürfte die Einigung stark entlasten.

Eine Investmentidee sei zum Beispiel eine Multi Aktienanleihe mit Barriere (Worst-Of) auf die Aktien von Airbus und Deutsche Lufthansa. Die Anleihe sei mit einem Nennbetrag von 1.000,00 EUR sowie einem Kupon von 10,00% p.a. ausgestattet. Der Basispreis betrage 100,00%. Die Barriere liege bei 65,00%. Fällig werde die Anleihe am 24. Juni 2022. Die Multi Aktienanleihe mit Barriere (Worst-Of) könne noch bis zum 12. Juli 2021 gezeichnet werden.

Multi Aktienanleihen mit Barriere (Worst of): Dieser Typ der Aktienanleihen beziehe sich auf mehrere Basiswerte. Damit sei der Grad der Abhängigkeit der Wertentwicklung der Basiswerte voneinander (sog. Korrelation) wesentlich für die Beurteilung des Risikos, dass mindestens ein Basiswert seine Barriere erreiche. Anleger sollten beachten, dass bei mehreren Basiswerten für die Bestimmung des Auszahlungsbetrags der Basiswert maßgeblich sei, der sich während der Laufzeit der Wertpapiere am schlechtesten entwickelt habe (sog. Worst-of-Struktur). Das Risiko eines Verlusts des investierten Kapitals sei daher bei Worst-of-Strukturen wesentlich höher als bei Wertpapieren mit nur einem Basiswert.

Marktrisiko: Die Entwicklung der Aktienkurse der jeweiligen Unternehmen sei von vielen unternehmerischen, konjunkturellen und ökonomischen Einflussfaktoren abhängig, die der Anleger bei der Bildung seiner Marktmeinung zu berücksichtigen habe. Der Aktienkurs könne sich auch anders entwickeln als erwartet, wodurch Verluste entstehen könnten.

Emittenten- / Bonitätsrisiko: Anleger seien dem Risiko ausgesetzt, dass Emittent und Garant ihre Verpflichtungen aus dem Produkt und der Garantie - beispielsweise im Falle einer Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit / Überschuldung) oder einer behördlichen Anordnung von Abwicklungsmaßnahmen - nicht erfüllen könnten. Eine solche Anordnung durch eine Abwicklungsbehörde könne im Falle einer Krise des Garanten auch im Vorfeld eines Insolvenzverfahrens ergehen. Ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals sei möglich. Das Produkt unterliege als Schuldverschreibung keiner Einlagensicherung. (Ausgabe vom 01.07.2021) (02.07.2021/alc/a/a)

Offenlegung von möglichen Interessenskonflikten:

Mögliche Interessenskonflikte können Sie auf der Site des Erstellers/ der Quelle der Analyse einsehen.






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