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Internationaler Zinstrend sollte weiter aufwärts gerichtet bleiben


15.11.21 12:41
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Ausstieg aus ihrem Anleihenkaufprogramm beschlossen: Wir erwarten, dass sie nunmehr ihr monatliches Kaufvolumen um jeweils 15 Mrd. Dollar reduzieren wird, sodass das Programm Mitte 2022 ausläuft, so die Analysten der National-Bank AG.

Hintergrund der wohlkommunizierten Kehrtwende der US-Notenbank sei die weitere Gesundung der US-Volkswirtschaft, was insbesondere in den substanziellen Fortschritten am Arbeitsmarkt zum Ausdruck komme. Darüber hinaus habe die FED eine frühere Zinsanhebung in Aussicht gestellt - derzeit verdichte sich die Indikation für erste Zinsschritte bereits ab dem Sommerhalbjahr 2022.

Die Analysten würden unterdessen auch weiterhin davon ausgehen, dass es sehr fraglich bleibe, ob auch die EZB tatsächlich beginnen werde, die geldpolitische Wende einzuleiten: Zwar steige auch in Europa die Inflation kräftig an, die disinflationären Kräfte in der Eurozone hätten aber seit 20 Jahren Bestand: Der quasi seit Beginn der Währungsunion dominierende Abwärtstrend der Kernpreisraten sei erst im Jahre 2021 durch die (temporären) Basiseffekte im Umfeld der Corona-Pandemie gebrochen worden.

Mit Blick auf die hohe Verschuldung und die Politisierung der europäischen Geldpolitik im Rahmen der fiskalischen Dominanz bleibe eine Wende der EZB zumindest auf absehbare Zeit höchst fraglich. Die EZB sorge sich - aus ihrer Sicht zu Recht - um den längerfristigen Ausblick für die Preisniveaustabilität, insofern dürfte hier b.a.W. die Kosmetik dominieren.

Vor dem Hintergrund des zusehends näher rückenden Endes der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA sollte der internationale Zinstrend weiter aufwärts gerichtet bleiben. Auf Jahressicht würden die Analysten vor dem Hintergrund der robusten globalen Perspektiven davon ausgehen, dass die 10-jährigen Staatsanleihen in den Industrienationen ihren Aufwärtstrend auf Sicht der nächsten zwölf Monate nunmehr unmittelbar wiederaufnehmen können sollten. Für die US-Renditen würden die Analysten auf Jahressicht einen kontinuierlichen Anstieg auf Renditen um 2,0% für 10-jährige Staatsanleihen sehen. Trotz eines vermutlich ungebrochen expansiven geldpolitischen Kurses der EZB sollten aufgrund des internationalen Zinsverbundes die Bundrenditen etwas stärker steigen, so hätten die Analysten Prognosen für die Bundrenditen auf nunmehr um 0,1% leicht angehoben.

Die Corporate Spreads - gemessen am 5-jährigen Markit-iTraxx-Europe - seien im Zuge der Veränderung des geldpolitischen Ausblickes in den USA zuletzt wieder marginal auf knapp unter 50 Basispunkte gesunken. Mittelfristig würden die Analysten b.a.W. eine Fortsetzung des geldpolitischen Kurses der EZB erwarten. Insofern sollte sich eine Abwertung des Euro in Verbindung mit einer abermaligen konjunkturellen Aufhellung spätestens im Frühjahr bei hoher Liquiditätszufuhr in einer Absenkung der Risikoprämien niederschlagen. Auf Sicht der kommenden sechs Monate sei es somit sehr wahrscheinlich, dass die Tiefststände aus dem Jahre 2018 in Angriff genommen würden. Die Analysten würden auch weiterhin eine weitere Spreadkompression auf Werte um 40 Basispunkte erwarten. (15.11.2021/alc/a/a)