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Internationale Zinssätze wieder etwas abgesunken


03.05.21 11:45
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Trotz der anhaltenden Aufhellung der konjunkturellen Perspektiven weltweit sind die internationalen Zinssätze zuletzt wieder etwas abgesunken, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Dies gehe zum einen sicherlich auch darauf zurück, dass auch die marktimpliziten Inflationserwartungen wieder leicht rückläufig gewesen seien, zum anderen aber auch auf den Umstand, dass die internationalen Notenbanken nicht müde würden zu betonen, dass sie an ihrem expansiven Kurs bis auf weiteres festhalten möchten: Die US-Notenbank FED habe trotz der immer besseren Perspektiven bis zuletzt an ihrem Kurs der ultralockeren Geldpolitik festgehalten. Der Leitzins sei abermals in der Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent fixiert worden, wie das FOMC der FED nach der jüngsten Sitzung habe verlauten lassen.

Zudem würden die Anleihekäufer in einem unveränderten Tempo von insgesamt mindestens 120 Milliarden Dollar pro Monat fortgesetzt "bis wesentliche weitere Fortschritte bei der Erreichung der maximalen Beschäftigungs- und Preisstabilitätsziele (...) erzielt wurden", so das bis zuletzt unveränderte Statement. In der Summe sei es noch nicht an der Zeit, über eine Reduzierung der Anleihenkäufe zu sprechen, so FED-Chef Powell auf der Pressekonferenz nach der zweitätigen Sitzung der US-Notenbank.

Die EZB werde den legitimatorischen Windschatten der US-Geldpolitik mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weiter voll ausschöpfen: Wenn schon die FED auf vollem Expansionskurs bleibe, wäre die EZB in der Tat nicht gut beraten, von dieser Linie abzuweichen. Insgesamt sei daher davon auszugehen, dass die EZB auch weiterhin signalisieren werde, dass sie mit Blick auf die PEPP-Programme weiterkaufen werde, solange die konjunkturelle Lage noch unsicher sei. Sie könnte deswegen das PEPP-Gesamtvolumen möglicherweise sogar noch einmal aufstocken: Mit Blick auf die EZB müsse und werde die europäische Geldpolitik auch weiterhin alles tun, um den europäischen Corona-"Patienten" (Lagarde) bis zur vollständigen Genesung maximal zu unterstützen - wie lange das auch immer dauern möge: Ein Ende der ultraaggressiven Nullzinspolitik in Europa sei zumindest derzeit nicht mehr absehbar.

Zum Dreh- und Angelpunkt der weiteren jeweiligen Notenbankpfade werde damit perspektivisch vor allem die Frage, wie sich das starke Wachstum weltweit auf die Inflationsentwicklung auswirke. Derzeit seien zwar starke Preissprünge auf der Ebene der US-Zwischenprodukte zu verzeichnen, die so stark seien, dass sie das übliche Maß weit übersteigen würden. Das sei im Umfeld der Lehman-Krise aber ähnlich gewesen. Die Covid-Pandemie stelle nach Erachten der Analysten der National-Bank AG ein solches Ausnahme-Ereignis dar, dass eine seriöse Einschätzung derzeit einfach noch nicht möglich sei. Hier könne man nur weiter abwarten, um die Stärke des unterliegenden Preistrend exakter zu eruieren: Vor allem wenn der Auslastungsgrad am Arbeitsmarkt höher sei, werde man sehen, wie stark sich dies auf das gesamtwirtschaftliche Preisgefüge auswirken werde. Bisher hätten rund zwei Drittel der im Zuge der Pandemie verloren gegangenen Arbeitsplätze zurückgewonnen werden können. Sollte die Beschäftigung weiter im Tempo des ersten Quartals 2021 zulegen können, so wären die Arbeitsplatzverluste zur Jahresmitte 2022 wieder egalisiert - rund dreimal schneller als in der Lehman-Krise.

Insofern werde auch die FED erst im kommenden Jahr besser einschätzen können, ob sie ihren Kurs angesichts der mitunter sehr starken fiskalischen Stimuli vorfristig ändern müsse. Unverändert überwiege nach Erachten der Analysten der National-Bank AG in der längerfristigen Erwägung die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die inflationsbegrenzenden Effekte die Oberhand behalten würden. Gleichwohl dürfe man gespannt sein, ob die FED möglicherweise bereits beim nächsten Zinsentscheid in Juni eine Reduzierung des monatlichen Ankaufvolumens ankündigen werde. Die Wahrscheinlichkeit dafür sei angesichts der insgesamt abermals erstaunlich robusten Entwicklung der US-Wirtschaft zweifelsohne weiter gestiegen.

Vor dem Hintergrund der obigen Perspektiven für die Geldpolitik rund um den Globus bleibe das Aufwärtspotenzial für die Kapitalmarktzinssätze vor allem in Europa auch weiterhin eng begrenzt: Die US-Kurve sei derzeit schon überdurchschnittlich steil, d.h. der Zinsabstand zwischen den - im weiteren Verlauf - erwarteten Notenbankvorgaben und den Kapitalmarktrenditen sei bereits weit überdurchschnittlich. Weitere größere Renditeanstiege wären damit nur im Rahmen einer signifikanten Erwartungskorrektur hinsichtlich des weiteren Pfades der US-Geldpolitik möglich, der wiederum maßgeblich von der weiteren Inflationsdynamik abhängig sei.

Die Analysten der National-Bank AG würden zwar grundsätzlich davon ausgehen, dass der internationale Zinstrend leicht aufwärts gerichtet bleibe, dies dürfte aber bei weitem nicht dafür ausreichen, dass die Renditen der richtungsweisenden 10-jährigen Bundesanleihen wieder in den positiven Bereich steigen könnten. Konkret würden die Analysten der National-Bank AG auf Jahressicht kaum Aufwärtspotenzial für die 10-jährigen Bundrenditen erwarten, sie würden ihre Jahresprognose bei Renditen um -0,2% belassen. Unsere Projektionen für die 10-jährigen US-Treasuries verweisen auf Jahressicht unverändert auf Renditen um 1,8%, so die Analysten der National-Bank AG. (Ausgabe vom 30.04.2021) (03.05.2021/alc/a/a)