Erweiterte Funktionen

Internationale Zinssätze angesichts der zweiten Corona-Welle weiter abgesunken


09.11.20 10:00
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Zinssätze sind angesichts der anrollenden zweiten Welle an Neuinfektionen weiter abgesunken, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Während sich die US-Sätze vom Niveau her einigermaßen hätten halten können, seien die europäischen Kapitalmarktzinsen weiter deutlich zurückgegangen: Hintergrund dieser Entwicklung dürfte der Umstand sein, dass es für die Eurozone aufgrund der generell geringeren ökonomischen Flexibilität spürbar schwerer sein dürfte, die Pandemie konjunkturell zu überwinden. Die große Sorge im Euroraum sei zudem, dass die Länder Südeuropas besonders unter einem abermaligen Lockdown leiden könnten: Länder, wie vor allem Spanien und Italien, in denen die personennahen Dienstleistungen wie der Tourismus einen großen Anteil an der Wertschöpfung ausmachen würden, seien vom Wirtschaftseinbruch besonders stark betroffen. In Spanien, wo zudem ein besonders langer Lockdown verordnet worden sei, sei der Einbruch mit 22% im ersten Halbjahr innerhalb der Länder der Eurozone am stärksten gewesen. Damit gerate auch der innereuropäische konjunkturelle Verbund immer stärker aus dem Tritt, mit der Folge dass die Zentrifugalkräfte in der Union weiter signifikant steigen würden, wie etwa auch das Abschwellen der Target-Salden eindrucksvoll belege.

Vor diesem Hintergrund werde auch transparent, warum gerade in Europa die mittelfristigen Inflationserwartungen zuletzt wieder spürbarer unter Druck geraten seien. Wie von uns erwartet, hat die EZB daher mittlerweile angekündigt, bei ihrer nächsten Ratssitzung am 10. Dezember umfangreiche neue geldpolitische Maßnahmen zu beschließen, so die Analysten der National-Bank AG. Die Analysten würden diesbezüglich sowohl mit einer Aufstockung und Verlängerung des Pandemic Emergency Purchase Programme als auch mit neuen langfristigen Refinanzierungsgeschäften rechnen.

Die FED habe auf ihrer jüngsten Sitzung derweil keinerlei Änderungen der Geldpolitik vorgenommen: Bisher erhole sich die US-Wirtschaft wie beschrieben viel schneller als erwartet, gleichwohl befürchte die FED, dass die neue Corona-Welle die Wirtschaft wieder bremsen könnte. Insofern werde die US-Notenbank - aus Sicht der Analysten der National-Bank AG vollkommen zu Recht - weiter zuwarten.

Vor dem Hintergrund der obigen Perspektiven für die Geldpolitik rund um den Globus bleibe das Aufwärtspotenzial für die Kapitalmarktzinssätze eng begrenzt. Das jüngste abermalige Absacken des internationalen Zinsgefüges bestätige die Analysten der National-Bank AG in ihrer Prognose deutlich unterhalb des Konsensus-Niveaus. Vor allem in Europa hätten sich die Konsensus-Projektionen in den letzten Wochen mit einem Rückgang von rund 30 Basispunkten erheblich den bisherigen Projektionen der Analysten angenähert. Wir haben derweil die Projektionen für die Bundesanleihen auf Jahressicht noch einmal leicht abwärts korrigiert und erwarten Renditen um - 50 Basispunkte für die 10-jährigen Bundesanleihen in den kommenden zwölf Monaten auf Jahressicht - damit liegen wir rund abermals rund 25 Basispunkte unter dem Konsensus, so die Analysten der National-Bank AG. Die US-Projektionen für die 10-jährigen Treasuries würden die Analysten der National-Bank AG unterdessen bei 1,1% auf Jahressicht belassen. (Ausgabe vom 06.11.2020) (09.11.2020/alc/a/a)