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Internationale Rentenmärkte blicken auf die US-Geldpolitik


09.04.18 15:44
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Rentenmärkte blicken auch weiterhin vor allem auf die geldpolitische Ausrichtung in Washington und Frankfurt, so die Analysten der Nord LB.

Die jüngsten Zahlen zur Lage am US-Arbeitsmarkt hätten keine erfreulichen Entwicklungen zum Stellenaufbau der Wirtschaft der Vereinigten Staaten geliefert. Diese Nachricht dürfe nach Auffassung der Analysten aber mit Blick auf ihre Bedeutung für die weitere US-Geldpolitik nicht überbewertet werden. Gleiches gelte für das etwas deutlichere Anziehen der Stundenlöhne um 0,3% M/M. Grundsätzlich sollte das FOMC unabhängig von den aktuellen Zahlen zur Lage am Arbeitsmarkt der USA unter Handlungsdruck bleiben - ein Szenario, welches der globale Rentenmarkt aktuell mit 5J US-Staatsanleiherenditen im Bereich von 2,60% aber bereits sehr angemessen reflektieren dürfte.

Die Investoren würden in dieser Woche mit ganz besonderem Interesse auf die zur Meldung anstehenden Preisdaten aus den USA blicken müssen. Diese sollten aber kaum wirkliche Neuigkeiten für den Rentenmarkt bringen. Die Reden von Offiziellen der FED und der EZB müssten natürlich auch im Auge behalten werden. Wichtiger sollte aber wohl die am Mittwoch anstehende Veröffentlichung des Protokolls zur FOMC-Sitzung im März sein. Eine zentrale Frage werde sein, wer von den US-Notenbankern im Gremium Druck gemacht habe, um im Laufe des Jahres 2018 in der Summe vielleicht sogar vier Leitzinsanhebungen vorzunehmen.

Daneben sollte der Rentenmarkt die US-Handelspolitik genau im Auge behalten. Ein wieder erhöhter protektionistischer Druck aus Washington hätte natürlich das Potenzial, die Risikoaversion der Anleger zu vergrößern, was die Kurse von "sicheren" Staatsanleihen offenkundig erhöhen würde. Es sollte allerdings weiterhin festgestellt werden, dass auch die USA kein Interesse an einer Verschärfung des Handelskonfliktes haben dürften. Die Gleichung "ein Land mit Leistungsbilanzdefizit profitiert von Protektionismus" ist nach Auffassung der Analysten der Nord LB eine viel zu einfache Darstellung der komplexen Zusammenhänge in der globalen Wirtschaft.

Die jüngsten Ergebnisse der Einkaufsmanagerbefragung zur Erstellung des ISM PMI Manufacturing hätten zuletzt klar gezeigt, dass sich selbst die US-Industrie in der Summe Sorgen bezüglich der protektionistischen Neuausrichtung der US-Handelspolitik zu machen scheine. Dies würden einerseits die Rückmeldungen der an der Befragung teilnehmenden Einkaufsmanager und andererseits auch die Zahlen zur Preiskomponente zeigen. In der Tat scheine es inzwischen größere Sorgen der Unternehmen zu geben, dass die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium die Planungen bezüglich der Kosten von Vorprodukten schon jetzt erschweren könnten. (09.04.2018/alc/a/a)