Erweiterte Funktionen

Internationale Rentenmärkte: "Treffen des Jahrhunderts" mit Nonchalance aufgenommen


14.06.18 12:15
HSH Nordbank AG

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Das "Treffen des Jahrhunderts" (so die nordkoreanische Staatspresse) zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un ist an den Rentenmärkten mit Nonchalance aufgenommen worden, berichten die Analysten der HSH Nordbank AG.

Die Renditen seien diesseits und jenseits des Atlantiks nur leicht angestiegen, ohne dass die US-Titel im zehnjährigen Segment die 3%-Marke überwunden hätten, während die entsprechenden Bunds gerade die 50 Bp erreicht hätten. Die Zuspitzung des Handelskonfliktes habe bislang auch keine nachhaltigen Spuren hinterlassen. Letzteres werde aber vermutlich das Topthema der nächsten Woche sein, sobald man die geldpolitischen Entscheidungen der FED und der Europäischen Zentralbank (EZB) verarbeitet habe.

Die FED sei auf ihrer gestrigen Sitzung (13.06.) auf insgesamt vier Zinsschritte in diesem Jahr umgeschwenkt. Die Daten - robustes Wachstum, CPI-Inflation über 2% und extrem niedrige Arbeitslosigkeit - hätten der FED kaum eine andere Wahl gelassen. Ob es am Ende so komme, stehe noch auf einem anderen Blatt, das insbesondere von US-Präsident Donald Trump (Stichwort: Handelskrieg) beschrieben werde. Die FED würde dann wieder auf die Bremse treten.

Die EZB sei heute (14.06.) am Zug. Sie werde, so die Ankündigung von EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, über den Ausstieg aus dem QE-Programm diskutieren. Für ein baldiges Ende der Anleiheankäufe spreche die Notwendigkeit der Normalisierung der ultraexpansiven Geldpolitik. Beim nächsten Abschwung hätte die EZB ansonsten nur begrenzte Munition, um gegenzusteuern. Darüber hinaus stoße man im Rahmen der vereinbarten Bedingungen an die Grenzen des Ankaufprogramms. Der EZB-Chef dürfte kein Interesse haben, sich in den politischen Kampf um Änderungen dieser Bedingungen zu stürzen, der trotz der jüngsten Eintrübung der Konjunktur aussichtslos sein dürfte. Allenfalls gelinge es der EZB-Spitze, die Entscheidung über das Ende von QE angesichts der geopolitischen Unsicherheit auf Juli zu verschieben.

Ob man am Ende dieser Woche begrifflich von dem Wort "Handelskonflikt" auf das Wort "Handelskrieg" umschwenke, hänge insbesondere davon ab, ob die USA ihre Drohung gegen China tatsächlich wahrmachen würden. So sei grundsätzlich geplant, Importe in Hohe von 50 Mrd. US-Dollar mit einem Zollsatz von 25% zu belegen. Sollte es entgegen der Erwartung der Analysten der HSH Nordbank AG zu diesem radikalen Schritt kommen, wird China vermutlich seinerseits US-Importe stärker belasten und eine weitere Eskalation würde möglicherweise folgen. Im Marktgespräch sei auch die "nukleare Option": Als größter ausländischer Gläubiger der USA könnte China einen Teil seiner 1.113 Mrd. US-Dollar an Treasuries auf den Markt werfen und die Finanzmärkte kräftig durcheinanderwirbeln. Zunächst aber gelte: Sollte es zu Zollmaßnahmen gegen China kommen, dürften die Renditen wieder fallen, da der Unsicherheitsfaktor und der konjunkturell negative Effekt etwaige Inflationseffekte (Importe würden sich durch die Zölle verteuern) überkompensieren sollte. (14.06.2018/alc/a/a)